Timothy Williamson über Naturalismus, “scientific spirit” und Religion
5. September 2011 4 Kommentare
Im blog der New York Times hat der Oxforder Philosoph Timothy Williamson einen lesenswerten Artikel über den Begriff des “Naturalismus” geschrieben. Unter “Naturalismus” versteht er die These, dass alle Vorgänge der Welt durch die “hypothetisch-deduktive Methode” erklärt werden können:
Thus naturalism becomes the belief that there is only whatever the scientific method eventually discovers, and (not surprisingly) the best way to find out about it is by the scientific method.
[...]
What is meant by “the scientific method”? [...] For naturalists, although natural sciences like physics and biology differ from each other in specific ways, at a sufficiently abstract level they all count as using a single general method. It involves formulating theoretical hypotheses and testing their predictions against systematic observation and controlled experiment. This is called the hypothetico-deductive method.
Diesen Begriff des Naturalismus kritisiert er, weil er entweder zu restriktiv ist und Wissenschaften wie die Mathematik nicht umfasst, oder so weit verstanden wird, dass er leer wird. Williamson setzt ihm den Begriff des “scientific spirit” entgegen, welcher sich durch Werte wie Neugier, Ehrlichkeit, Genauigkeit, Strenge usw. auszeichne.
Eine Passage aus dem Artikel fand ich allerdings sehr merkwürdig:
Still, naturalism is not as restrictive as it sounds. For example, some of its hard-nosed advocates undertake to postulate a soul or a god, if doing so turns out to be part of the best explanation of our experience, for that would be an application of scientific method. Naturalism is not incompatible in principle with all forms of religion.
Beides halte ich für falsch: (1) Die Annahme eines Gottes kann nicht durch einen Schluss auf die beste Erklärung gerechtfertigt werden. Wie man weiß, hat eine Berufung auf Gott überhaupt keine erklärende Kraft, genausowenig wie die Berufung auf eine kleine allmächtige Waldfee. Minimalbedingung für eine gute wissenschaftliche Erklärung ist, dass sie Prognosen ermöglicht, und das ist mit Gott nicht zu machen. (2) Zweitens ist falsch, dass Naturalismus mit allen Formen von Religion kompatibel sei. Bei Religionen, die ein Eingreifen des Göttlichen in den natürlichen Weltlauf kennen (wie alle großen Monotheismen), ist das m.E. nicht der Fall.

das ist mir zu hoch. wirklich. da fehlen mir hintergründe über hintergründe, ausreichend gute englischkenntnisse und nicht zuletzt eine eigene meinung. aber über wittgenstein würde ich gerne mal wieder reden, oder auch über seinen neffen.
Macht nichts, jeder hat seine Interessenbereiche. Ich bin z.B. bei Bildern meist meinungs- und hintergrundlos.
Wittgensteins Neffe hab ich sogar irgendwann mal gelesen, aber mit der falschen Vorstellung. Ich wollte nämlich was über (Ludwig) Wittgenstein lesen, und war dann natürlich enttäuscht. Außerdem erinnere ich mich, dass mir das – selbst für Bernhard – zu viel Gemecker war. Sicher kein besonders faires Urteil über das Buch.
die Kritik hat es eines seiner zärtlichsten Bücher genannt :-)
Dieser Satz ist schon in sich selbst inkohärent weil dieser Glaube sich ja nicht mit wissenschaftlichen Methoden belegen lässt. ;-)
Schon gar nicht mit naturwissenschaftlichen Methode. Noch nicht mal was überhaupt Naturwissenschaft sein soll lässt sich mit naturwissenschaftlichen Methoden eingrenzen. :-)