Der Hund als Nutztier
29. Oktober 2011 6 Kommentare
Läuft auch mit blinden Hunden.
Etwas Philosophie, hier und da mal etwas Kunsttheorie und ein Haufen Quatsch
28. Oktober 2011 13 Kommentare
Der blinde Hund lebt seinen Sammlertrieb aus: Ich sammle ab jetzt hier Zitate aus den ersten Seiten von moralphilosophischen Büchern, die in irgendeiner Weise die Bedeutsamkeit des Nachdenkens über moralische Fragen oder die Problemlage illustriert, auf die das jeweilige Buch eine Reaktion darstellt. Ich weiß noch nicht, ob da was Interessantes rauskommt, aber man kann’s ja einfach mal versuchen.
Ich fange an mit dem 1981 erschienenen Buch Moral Thinking. Its Levels, Method and Point von R.M. Hare, dessen Auftakt mir aus irgendeinem Grund enorm imponiert hat:
“I offer this book to the public now rather than later, not because I think it needs no improvement, but because of a sense of urgency – a feeling that if these ideas were understood, philosophers might do more to help resolve important practical issues. These are issues over which people are prepared to fight and kill one another; and it may be that unless some way is found of talking about them rationally and with hope of agreement, violence will finally engulf the world. Philosophers have in recent years become increasingly aware of the role that they might have in preventing this; but they have lacked any clear idea of what constitutes a good argument in practical questions. Often they are content with appeals to their own or others’ intuitions and prejudices; and since it is these prejudices which fuelled the violence in the first place, this is not going to help.”
(R.M. Hare: Moral Thinking, Oxford 1981, S. 1)
27. Oktober 2011 5 Kommentare
Studenten, die am Montagmorgen ausgeruht und fitt im Seminar erscheinen, sind schlechte Menschen.
(Gestern von einem Literaturwissenschaftsdozenten erfahren. Als kühler Chronist unserer Zeit gebe ich das hier nahezu kommentarlos wieder.)
26. Oktober 2011 4 Kommentare
Philosophen der Utah State University wollen demnächst strittige philosophische Fragen einfach durch Bowlen entscheiden. Man trifft sich monatlich, bildet “Yes”- und “No”-Teams und dann treten beide Teams gegeneinander an, um die Antwort auf eine philosophische Frage zu finden, die bis zu Spielbeginn in einem verschlossenen Umschlag steckt. Die Wahrheit ist irgendwo da draußen – wir müssen sie nur bowlen.
Prima Idee. Dafür wäre ich auch zu haben. Denn dann hieße es für mich zum ersten Mal: Do it like Jesus.
26. Oktober 2011 Hinterlasse einen Kommentar
Zum 60. Geburtstag der renommierten philosophischen Fachzeitschrift Philosophical Quaterly gibt’s eine Jubiläumsausgabe. Einige der heißesten Aufsätze aus der Geschichte der Zeitschrift stehen zum kostenlosen Download bereit. Darunter Gassenhauer von Bernard Williams, Frank Jackson, Gilbert Ryle und David Lewis:
25. Oktober 2011 Hinterlasse einen Kommentar
Der Moralphilosoph Gilbert Harman – übrigens ein moralischer Relativist, was in diesem Zusammenhang delikat ist – hat Plagiatsvorwürfe gegen den Evolutionsbiologen Marc Hauser erhoben. Hauser habe in seinem Buch Moral Minds. How Nature Designed Our Universal Sense of Right and Wrong (2006) Ideen aus der damals noch unveröffentlichten Dissertation des Philosophen John Mikhail geklaut (Elements of Moral Cognition. Rawls’ Linguistic Analogy and the Cognitive Science of Moral and Legal Judgment (2011)).
Hauser war mit dieser Dissertation vertraut, hat sie auch mehrfach in seinem Buch zitiert und Mikhail auch in den Danksagungen erwähnt. Die Vorwürfe beziehen sich nicht auf die Übernahme von Textpassagen, sondern auf den Diebstahl von Ideen und vermeintlich unzureichende Zitierweisen.
Ich selbst kann nicht einschätzen, inwiefern die Vorwürfe berechtigt sind. Harman hat sie auf seiner Homepage (PDF) veröffentlicht, gemeinsam mit einer Antwort (PDF) von Marc Hauser. Hausers Verteidigung scheint mir aber zumindest in den Punkten, die er aufgreift (er widerlegt nur wenige von Harmans Anschuldigungen im Detail, hauptsächlich äußert er sich zur Entstehungsgeschichte seines Buches), stichhaltig zu sein. Interessant ist der Fall deswegen, weil unklar ist, wann Ideenklau vorliegt und wann nicht.
Nachtrag: Harman sagte am 26. September auf NewApps:
For the record, my discussion was intended as a draft of a case for the prosecution and not a final verdict on this topic. I thought I was making it available for only a few people in order to get comments, but apparently it has had a somewhat wider audience than I intended. In the light of various comments I have received, I need to rethink the “case”, something I cannot do immediately, so I have removed that version from my web site.
Der verlinkte Beitrag von Harman ist eine reviderte Fassung seiner Anschuldigungen, die er nun vor ein paar Tagen auf seine Webseite gestellt hat.
24. Oktober 2011 Hinterlasse einen Kommentar
Gib’s den elenden Relativisten, Paul! In den Staub mit ihnen!
In aller Bescheidenheit verweise ich auch auf meinen Blogeintrag hier.
23. Oktober 2011 2 Kommentare
Was sich hinter dem Gedankenexperiment vom “Chinesischen Zimmer” (Erfinder: John Searle) verbirgt, kann man hier etwas detaillierter nachlesen.
Der youtube-Kanal, auf dem das Video erschien, ist überhaupt ganz nett.
22. Oktober 2011 35 Kommentare
Eine Datingplattform für Zombies:
Falls jetzt ein Neunmalkluger meint, Zombies könne es ja gar nicht geben, hier nochmal das David-Chalmers-Standardargument für die Möglichkeit von Zombies:
- Zombies are conceivable.
- Whatever is conceivable is possible.
- Therefore zombies are possible.
(Zitiert nach: SEP. Dort auch alles weitere zur Zombiephilosophie.)
22. Oktober 2011 1 Kommentar
Das Philoblog macht auf zwei Rezensionen zu Peter Bieris neuem Büchlein (nur knapp 90 Seiten) Wie wollen wir leben? aufmerksam. Einmal FAZ, einmal SZ.
Die Hauptfrage des Buches scheint zu sein: Gibt es soetwas wie ein “wahres Selbst” und was heißt “Selbstbestimmung”? Bieri sieht vor allem zwei mögliche “Kommentare” (ein Lieblingswort von ihm – Antworten auf philosophische Fragen nennt er meistens “Kommentare”, das klingt so schön bescheiden). Der erste Kommentar lautet: Ja, gibt es, und wir müssen uns von Selbsttäuschungen aller Art befreien, um dieses wahre Selbst freizulegen, d.h. um zu wissen, wer wir wirklich sind. Der zweite Kommentar lautet, dass wir den Gedanken an soetwas wie das wahre Selbst aufgeben sollten, vielmehr ist unser “Selbst” sowetwas wie eine Geschichte, die wir uns erzählen, eine selbstkonstruierte Fiktion, und wenn wir nach dem wahren Selbst fragen und “zu uns” kommen möchten, dann heißt das so viel wie: Wir möchten diese Geschichte von uns selbst stimmiger machen, sozusagen besser erzählen als vorher. – Bieri zu diesen beiden Wegen:
“Obwohl mich die Frage, welcher von beiden der richtige Kommentar ist, seit der Zeit meines Studiums beschäftigt, ist es mir nie gelungen, zu einer wirklich beständigen Meinung darüber zu gelangen. Es ist befreiend, John Dewey, Nelson Goodman und Richard Rorty dazu zu lesen – über sprachlich gemachte und erfundene Phänomene und Welten, über Erkennen als Tun, über den Starrsinn und Irrsinn einer realistischen Deutung von Wahrheit und Erkennen. All das ist befreiend und charmant, und oft schon habe auch ich es nachgesprochen. Doch dann denke ich an Erfahrungen, die ich selbst mache und die oft genug auch meine literarischen Figuren machen: dass man spürt, ganz genau spürt, wo das Gravitationszentrum der eigenen Emotionen liegt, und dass der natürliche, der einzig natürliche Kommentar dazu ist: Das ist die Wahrheit, so sind die inneren Tatsachen, und wie sie sind, hängt nicht an irgendeiner naseweisen Geschichte, die ich mir so oder auch anders zusammenreimen könnte. Was also ist richtig? Um die Wahrheit zu sagen: Ich weiß es bis heute nicht.” (zitiert nach: FAZ)
Das Buch erinnert durch den Titel stark an Peter Singers Buch Wie sollen wir leben? – Ob darauf Bezug genommen wird, konnte ich den Rezensionen aber nicht entnehmen.
Noch ein paar Worte zu Bieri. Die philosophischen Bücher von ihm sind durchgehend lesenswert – was man von seinen Romanen, geschrieben unter dem Pseudonym Pascal Mercier, vielleicht nicht unbedingt sagen kann, ich jedenfalls fand die beim Reinlesen ziemlich langweilig (lege aber keinen Wert darauf, dass mein Urteil korrekt ist). Der Stil des obigen Zitats ist repräsentativ, schwieriger wird es nicht, Bieri legt ausdrücklich Wert darauf, nicht durch akademische Fachsprache einzuschüchtern, sondern so klar und verständlich wie möglich zu schreiben. Er hatte z.B. sein ziemlich erfolgreiches Buch Handwerk der Freiheit “dem Gebot unterworfen, nicht ein einziges Wort zu gebrauchen, das nicht jeder kennt.” (Quelle) Das allein ist schon lobenswert und seine Bücher sind deshalb wunderbar geeignet, um auch Nicht-Fachleuten philosophische Gedanken nahezubringen, ohne dass diese trivialisiert oder verwässert werden. Bieri war immer daran interessiert, seine Leser oder Hörer gedanklich mitkommen zu lassen. Darüber hinaus hat er eine bescheidene Art und ist, wie auch das Zitat oben zeigt, durchaus fähig zu sagen, wenn er etwas nicht weiß. (Eine Fähigkeit, die vielen Akademikern und, wenn man so sagen darf, “Intellektuellen” leider abgeht.)
Als Professor war er enorm beliebt bei den Studenten, zum einen aufgrund seiner Fähigkeit, komplexe Sachverhalte in größtmöglicher Klarheit darzustellen und zur Diskussion zu stellen. Zum anderen, weil – wie auch die Rezensionen bemerken – man immer merkt, dass es ihn persönlich angeht. Philosophie ist für Bieri offensichtlich nicht nur Spielerei, sondern soll auf grundlegende Fragen antworten, die uns existentiell betreffen. Außerdem hatte er zwar eine gewisse Unnahbarkeitsaura, wie das halt bei Professoren und Schriftstellern ab und zu der Fall ist, war aber dennoch immer ausnehmend freundlich (Schweizer Charme…) und interessiert an seinen Studenten. Ich war bei Bieris letzter Lehrveranstaltung dabei, bevor er sich vorzeitig aus dem Professorendasein verabschiedete. Danach applaudierten die Studenten lange und Bieri hatte Tränen in den Augen und bedankte sich (wenn ich mich richtig erinnere, ohne Mikrophon, so dass man eigentlich nur sehen konnte, wie er Danke sagte).
Laut FAZ-Artikel arbeitet Bieri derzeit an einem größeren Buch über die Menschenwürde – man darf gespannt sein.
21. Oktober 2011 Hinterlasse einen Kommentar
Ich hatte und hab leider keine Zeit, um das absurde Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu kommentieren, nach dem Verfahren mit menschlichen embryonalen Stammzellen nicht zur Patentierung zugelassen werden dürfen. Die Begründung dafür ist völlig unsinnig. Empfehlenswert dazu sind ein Artikel in der SZ und dieser Blogeintrag im Practical Ethics-Blog, in welchem auch die Argumentationslinie, die ich vertreten würde, zumindest angedeutet wird. (Kurz: Menschenwürde – mit der das Gericht argumentierte – kommt nur Personen zu, Personen haben bestimmte Eigenschaften [Bewusstsein, Empfindungsfähigkeit usw.], Stammzellen haben all diese Eigenschaften nicht, also sind Stammzellen keine Personen, also kommt Stammzellen keine Menschenwürde zu. – Das ist natürlich nicht das einzige Argument, aber ein wesentliches.)
20. Oktober 2011 21 Kommentare
Manchmal sagt man “Mein Wunsch ist wahr geworden” oder Vergleichbares. Streng genommen ist so ein Satz falsch, denn Wünsche können nicht wahr oder falsch sein, genausowenig wie Fragen oder Befehle wahr oder falsch sein können. Was also behauptet man, wenn man behauptet “Mein Wunsch ist wahr geworden”?
Ein Wunsch hat die Struktur W(p). W symbolisiert dabei den intentionalen Zustand des Wünschens, p den Inhalt des Wunsches bzw. dessen propositionalen Gehalt. (Beispiel: Beim Wunsch “Ich wünsche mir, dass Hunde die Herren der Welt werden.” besteht der propositionale Gehalt p, d.h. der Inhalt des Wunsches, in der Proposition/Aussage “Alle Hunde sind Herren der Welt.”) Ein und dieselbe Proposition p kann Inhalt verschiedener intentionaler Zustände sein. Ich kann z.B. fürchten, dass alle Hunde Herren der Welt sind – das könnte man also als F(p) formalisieren – oder hoffen, dass alle Hunde Herren der Welt sind – H(p) – usw.
Wenn ich nun behaupte “Mein Wunsch ist wahr geworden” sage ich nicht buchstäblich, dass W(p) wahr ist, sondern dass der propositionale Gehalt p wahr ist. Das heißt, ich ändere sozusagen mein Verhältnis zu p, ich bin im Bezug auf p nicht mehr im intentionalen Zustand des Wünschens, sondern des Für-wahr-haltens bzw. des Überzeugung-Habens, kurz: Ü(p). Das heißt, ich wünsche nun nicht mehr, dass p, sondern ich bin überzeugt, dass p eine wahre Proposition ist. Mein Wunsch hat sich in dem Sinne erfüllt, dass die Proposition/Aussage “Alle Hunde sind Herren der Welt” den Tatsachen in der Welt entspricht – nämlich genau dann, wenn Hunde endlich die Weltherrschaft an sich gerissen haben. Oder anders gesagt: Während W(p) ein Missverhältnis zwischen Proposition p und den Tatsachen der Welt ausdrückt, drückt Ü(p) ein Korrespondenzverhältnis zwischen p und den Tatsachen der Welt aus. Der Satz “Mein Wunsch ist wahr geworden” sagt nicht im Wortsinne, dass mein Wunsch wahr wurde, sondern drückt einen Wechsel von W(p) zu Ü(p) aus und konstatiert damit gleichzeitig eine Veränderung in der Welt.
Und für so eine tiefe Erkenntnis opfere ich meine Zeit. Zum Glück kann ich sie dem Leser stehlen.
19. Oktober 2011 Hinterlasse einen Kommentar
Im Juni diesen Jahres hat John Searle am Moskauer Center for Consciousness Studies ein Interview gegeben. Die (manchmal etwas verwirrt wirkenden) Interviewer sind Vadim Vasilyev und Dmitry Volkov:
Ich hab nur in den Anfang reingehört, zu Beginn geht es vor allem um Searles intellektuelle Biographie, und insbesondere um die Frage, wieso sich Searle, der ja mit Sprachphilosophie begann, im Laufe der Jahre Themen aus der Philosophie des Geistes, insbesondere dem Thema der “Intentionalität” zugewandt hat. Danach erläutert Searle sein Gedankenexperiment vom Chinesischen Zimmer, und man darf vermuten, dass auch der Rest des Interviews sich um Fragen im Umkreis der Philosophie des Geistes dreht.
Auf derselben Seite findet man auch Interviews mit illustren Persönlichkeiten wie Putnam, Dennett, Scott Soames, Richard Swinburne, Timothy Williamson, David Dubrovskiy und David Rosenthal. Darüber hinaus Vorlesungs- und Diskussionsmitschnitte (u.a. auch von Searle), Buchvorstellungen usw.
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