Benjamin Schnieder und Moritz Schulz (siehe phloxgroup-blog) haben ein Heft der Grazer Philosophischen Studien herausgegeben, das Wolfgang Künne gewidmet ist:
Das Heft enthält neben den Artikeln, die im phloxgroup-blog aufgelistet werden, auch eine sehr hilfreiche Künne-Bibliographie.
Ich mache dafür hier Werbung, weil ich Wolfgang Künne für einen der besten deutschen Philosophen halte, auch wenn ich nur sehr weniges von ihm gelesen habe. Der Beschreibung von Schnieder und Schulz im Vorwort kann ich aber nur beipflichten:
His work lives up to the highest standards of clarity, rigour, and respect for the details of philosophical arguments and problems. But he is not only an excellent, precise, and elegant writer and lecturer in English and German, he is also an extremely careful and charitable interpreter of philosophical texts. He is, we may suspect, a reader of the kind that Wittgenstein desired to have, when he famously wrote “I should like to be read slowly. (As I read myself )”. (S. viii)
Mir fällt kein anderer deutscher Philosoph ein, der so genau, klar und sauber argumentiert wie Künne, und das ganze oft mit einer gar nicht mal kleinen Prise Humor. Sein Buch über Wahrheitstheorien kann ich jedem, der sich für Wahrheitstheorien interessiert, nur allerwärmstens ans Herz legen. Künne stellt darin in aller wünschenswerten Explizitheit und so leicht verständlich, wie es das Thema eben hergibt, die wichtigsten Wahrheitstheorien und wahrheitstheoretischen Probleme dar und kritisiert sie messerscharf. Ebenso empfehlenswert ist sein schon etwas älteres, aber vor ein paar Jahren neu verlegtes Buch Abstrakte Gegenstände, in dem – wie der Titel schon sagt – eine Theorie abstrakter Gegenstände entwickelt wird (hier im Blog habe ich schon ab und zu das Thema abstrakter Gegenstände berührt, etwa wenn’s um die Ontologie von Kunstwerken ging).
Komischerweise ist Künne, der heute eher der analytischen Philosophie zuzurechnen ist, ein Gadamer-Schüler, und hat dann auch noch seine Dissertation über Hegel geschrieben. Künne ist also der lebende Beweis dafür, dass Gadamer-Einfluss nicht philosophisch impotent machen muss. Und darüber hinaus deutet das auch seinen Wissens”horizont” an (<– Wortspiel für Insider), der Mann scheint sich so gut wie überall auszukennen und scheint in der kompletten Philosophiegeschichte zu Hause zu sein. (Man gönne sich nur mal die Fußnoten etwa aus Kap. V in Abstrakte Gegenstände, da geht’s von Platon und Quintilian über Thomas von Aquin und Locke bis Spengler, Frege, Tarski, Quine und Kripke).
Kurz: Guter Mann, der Künne.
—
Nachtrag 21.01.2012: Eine nicht sehr wohlmeinende Rezension erschien gerade hier.
Letzte Kommentare