Die FAZ über das Elend der Privatdozenten

Ein sehr guter Artikel in der FAZ von Stefan Laube, Privatdozent am Institut für Kulturwissenschaft der Berliner Humboldt-Universität, über das Elendsdasein der Privatdozenten an deutschen Unis:

Nachtrag 03.03.: Hier eine Antwort von Volker Rieble:

Kunsterfahrung mit und ohne Unterbrechungen

Kaum jemand liest einen Roman am Stück, sondern verteilt über mehrere Tage oder sogar Wochen. Ein musikalisches Werk dagegen scheint man im Großen und Ganzen nur dann genießen zu können, wenn man es kontinuierlich hört, ohne Unterbrechungen. Woran liegt das? Warum ist es beim Lesen von Romanen unproblematisch, ja sogar reizvoll (weil spannungserhöhend), mit Unterbrechungen zu lesen, beim Hören von Musik aber nicht?

Ich habe keine Antwort darauf, aber die Frage fand ich interessant. Sie ist einer Rezension von David Davies zu einem Buch von Peter Kivy entnommen.

Tagung “Weblogs in den Geisteswissenschaften” in München

Am 9. März findet in München eine Tagung über “Weblogs in den Geisteswissenschaften” statt. Die Beiträge sollen anschließend als Podcasts und Videos frei ins Netz gestellt werden. Infos und Programm hier:

 

Vincent Hendricks lädt mit fragwürdigen Bildern zu Logikkursen ein

Vincent F. Hendricks, ein dänischer Professor für Philosophie und einer der Herausgeber der Philosophiezeitschrift Synthese, die letztes Jahr aufgrund ihrer abstrusen Unterstützung für Vertreter des intelligent design zurecht einen Haufen Kritik bekam (was bis zu Boykottaufrufen ging), hat nun mit zweifelhaften Bildern für einen seiner Logikkurse geworben. In den englischsprachigen Philosophieblogs gab es daraufhin heftigste Vorwürfe, z.B. auch vom Feminist Philosphers-Blog. Mittlerweile hat Hendricks die Bilder von seiner Homepage genommen und sich öffentlich entschuldigt. Einige der Bilder kann man sich hier anschauen (man beachte den kreativen link-Namen):

Was ist eure Meinung? Ist das sexistischer Müll oder schlicht ein harmloser Scherz, über den man halt lachen oder nicht lachen kann? Mir selbst scheint die Aufregung in den Blogs etwas übertrieben zu sein, auch wenn Hendricks (siehe Synthese-Skandal) offensichtlich nicht der vertrauenswürdigste Philosoph aller Zeiten ist.

Gesetze der Literaturwissenschaft #8

Literaturwissenschaftler verwenden den Begriff “epistemologisch” immer falsch.

Sensation! Gregory Currie hält einen Faustkeil!

Was man dank Twitter alles so zu sehen bekommt: http://twitpic.com/4dgw92

Der blinde Hund zwitschert

Ich hab mich jetzt mal bei Twitter angemeldet, ohne dass ich wüsste, warum. Aber immerhin, ich followe jetzt Gilbert Harman!

Jonathan Meese streichelt und küsst “Sein und Zeit”

Wächst da zusammen, was zusammen gehört?

Ausschreibung: Schwafelhannes-of-the-Year-Award 2012 (inkl. Preisverleihung Schwafelhannes-of-the-Year-Award 2011)

Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr den Schwafelhannes-of-the-Year-Award zu verleihen. Damit werden vorbildliche Schwafeleien gewürdigt. Die Jury bin ich, außer mir fällt bis Ende des Jahres noch ein, wie man unkompliziert über die Preisvergabe abstimmen kann.

Hinweise auf Schwafelexzesse sind erbeten! Wenn jemandem irgendwo eine große Schwafelei aufällt, d.h. wenn irgendwo mit wichtig klingenden großen Worten völliger Unsinn oder Trivialitäten in die Welt posaunt werden, dann bin ich für Hinweise dankbar und poste den jeweiligen Fall ggf. in meinem Blog. Alle Schwafelhannes-of-the-Year-Anwärter werden mit dem tag “Schwafelhannes” versehen, so dass sie über die tag-clound (rechts unten im Blog) oder die Suchfunktion gefunden werden können.

Für’s letzte Jahr sind leider nur wenige Schwafelhannes-of-the-Year-Anwärter zusammengekommen, aber ich habe das Blog ja auch erst Mitte 2011 angefangen. Dennoch hier die offizielle Bekanntgabe der Gewinner des Schwafelhannes-of-the-Year Awards 2011. Die ersten drei Plätze gehen an:

  1. Papst -  für seinen intelligent-design-Schwachsinn: http://derblindehund.wordpress.com/2011/09/30/noch-kurz-was-zur-papstrede-neulich/
  2. Peter Sloterdijk – für “Gesellschaft als selbst-stressierendes, permanent nach vorne stürzendes Sorgen-System“: http://derblindehund.wordpress.com/2011/07/05/sloterdijk-faselt-mal-wieder-vor-sich-hin/
  3. Die Tagung “Homo Portans. Tragen – die Faszination des Selbstverständlichen”: http://derblindehund.wordpress.com/2011/09/19/homo-portans-oder-ein-tragetuch-fur-die-spatmoderne/

Den Preis für sein Lebenswerk erhält posthum Derrida: http://derblindehund.wordpress.com/2011/06/12/derrida-ist-zurecht-tot/

Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern.

“Der Letztbegründer” – Dokumentarfilm über Karl-Otto Apel

Auf youtube wurde vor kurzem ein schon etwas älterer Dokumentarfilm über Karl-Otto Apel hochgeladen:

Apels Philosophie (der er den etwas nach Schulphilosophie klingenden Namen “Transzendentalpragmatik” gab, die gewissermaßen einen “The best of Kant, Peirce and Wittgenstein”-Mix darstellt) ist heute nicht mehr besonders bekannt, jedenfalls ist das mein Eindruck. Apel ist mit Habermas einer der Hauptvertreter der Diskursethik, allerdings unterscheiden sich beide Ethikkonzeptionen in wesentlichen Punkten. Apel z.B. hält es für möglich, zumindest ein paar wenige Moralprinzipien letztzubegründen (was Habermas von Anfang an ablehnte), und Letztbegründungen sind in der Philosophie ja schon seit längerem aus der Mode und scheinen für viele verdächtig zu sein.

Heitere Beispiele #4

Nelson Goodman erklärt, was passieren kann, wenn man zwar wahre, aber nicht richtige Überzeugungen hat:

Having been ordered to shoot anyone who moved, the guard shot all his prisoners, contending that they were all moving rapidly around the sun.

[aus: Elgin, Catherine Z./Goodman, Nelson 1988: Reconceptions in Philosophy and Other Arts and Sciences, Indianapolis, Cambridge, S.52.]

Gregory Currie über Harry Potter

Gregory Currie erklärt, warum die Leute Harry Potter mögen (und auch Charles Dickens):

Anti-Postmoderne-Tagung in Bonn mit Searle, Putnam, Boghossian

Vom 26. bis 28. März findet in Bonn eine Tagung zum Thema “New Realism” statt, die hochkarätiger kaum besetzt sein könnte. Es sprechen u.a. John Searle, Hilary Putnam (per Videokonferenz) und Paul Boghossian. In der Ankündigung heißt es:

Gegen eine solche Auffassung der „Postmoderne“ und insbesondere gegen die Verabschiedung von Tatsachen, Wahrheit und Objektivität auf der Basis einer vermeintlichen Einsicht in die soziale Konstruktion der Wirklichkeit sind inzwischen viele gewichtige Stimmen laut geworden. Wir fassen diese Stimmen unter dem Namen des ‚Neuen Realismus‘ zusammen, den wir mit der Tagung aus der Perspektive verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen – der Philosophie, der Soziologie, der Literatur- und Bildwissenschaft, der Naturwissenschaft – angehen und international sichtbar weiter vorantreiben möchten. [...] Es soll darum gehen, die Aussichten für einen neuen Realismus im Hinblick auf die Frage zu untersuchen, inwiefern dieser überzeugendere Modelle für die postmoderne Diagnose einer Pluralität von Wahrheiten, Sprachspielen oder Perspektiven anzubieten hat.

Quelle: http://new-realism.de/

Weitere Infos findet man unter angegebener Quelle. Ich habe keine Zeit, ansonsten würde ich sofort hinfahren und auch jedem Philosophieinteressierten empfehlen, sich diese philosophischen Schwergewichte mal aus der Nähe anzuschauen. Den Veranstaltern viel Erfolg und hoffentlich gibt’s dann recht bald einen Tagungsband!

Blumen als Kontaktflächen zum Ominösen: Neues von den “Flower Studies”

Falls jemand wissen will, was man zur Zeit in der Literaturwissenschaft außer “Animal Studies” noch so macht, hier ein Tagungsbericht über eine Tagung zur “Floriographie”. Mein Highlight sind die Erkenntnisse von Alexander Schwan, Eike Wittrock und Isabel Kranz:

Blumen seien zum einen Grenzphänomene, Indikatoren von Grenzsetzungen und deren Überschreitung. Als Verkörperungen eines Andersseins und Anderswerdens sowie als „Kontaktflächen zum Ominösen“ vermittelten sie zwischen Natur und Kultur, Heimischen und Exotischen und adressierten zentrale Fragen der Wissens- und Kulturgeschichte.

Quelle: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4040

Tiere als materiell-semiotische Knoten: Neues von den “Animal Studies”

Falls jemand wissen will, was man zur Zeit so in der Literaturwissenschaft macht:

Die Frage nach der Relevanz von Tieren macht eines klar: Tiere sind überall, Tiere gehören auf elementare Weise jeder Kultur an, mit und an Tieren wird Kultur geschaffen. Praktiken der Zucht, der Jagd, des Experiments sowie Beobachtungsanordnungen wie Menagerie, Zoo oder Zirkus verdeutlichen sowohl die vielfältigen Macht- und Wissenskomplexe, die auf Tiere einwirken, als auch die historische Variabilität dieser Prozeduren. Tiere sind also kulturhistorisch durchformt. Diese Durchformungen als kulturelle Semiosen lesbar und auf ihre politischen Implikationen hin durchschaubar zu machen, lässt sich als eine Aufgabe einer Kulturgeschichte der Tiere formulieren. Zugleich können Tiere auch als Akteure in historisch und lokal variierenden Netzwerken verstanden werden, die zur Produktion von kulturellem Sinn aktiv beitragen. Tiere erscheinen aus dieser Perspektive als materiell-semiotische Knoten.

[Zitat aus einem aktuellen Call-f-Papers, Quelle: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=18417]

Im CfP wird auch folgende Frage gestellt: “Wie verändert die Frage nach Texttieren, nach ihrer Literarizität und ihrem Verhältnis zu den materiellen Tieren, die literaturwissenschaftliche Methodik?” Darauf möchte ich erschöpfend antworten, da ich grad zufällig 10 Sek. Zeit habe: Gar nicht. Die Veranstalter dürfen mich in der zu erwartenden Publikation gern zitieren [!]. Das Interdependenzverhältnis von Zitat und Tier verdient allerdings eine eigene eingehende Untersuchung, die ich hier nicht leisten kann, weil ich dafür noch weitere 5 Sek. bräuchte.

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