Peter Singer über rituelle Schlachtungen
17. Juni 2012 14 Kommentare
Die gesellschaftliche Rolle der Religionen scheint für Philosophen zur Zeit ein interessantes Thema zu sein. Martha Nussbaum hat grad ein Büchlein über religiöse Intoleranz rausgehauen und hält demnächst auch zwei Vorlesungen in Köln über religiöse Toleranz (Hinweis via Theorieblog). Peter Singer argumentiert in einem Artikel für die Vereinbarkeit von Religionsfreiheit und dem Verzicht auf rituelle Schlachtungen ohne vorhergehende Betäubung:
Sein Argument lautet schlicht: Es gibt in keiner Religion ein Gebot, das Fleischkonsum gebietet. Daher kann man als Religiöser auch einfach völlig darauf verzichten, ohne in seiner Religionsausübung eingeschränkt zu werden:
But prohibiting the ritual slaughter of animals does not stop Jews or Muslims from practicing their religion. During the debate on the Party for the Animals’ proposal, Rabbi Binyomin Jacobs, Chief Rabbi of the Netherlands, told members of parliament: “If we no longer have people who can do ritual slaughter in the Netherlands, we will stop eating meat.” And that, of course, is what one should do, if one adheres to a religion that requires animals to be slaughtered in a manner less humane than can be achieved by modern techniques.
Neither Islam nor Judaism upholds a requirement to eat meat.
Einer der aktuellen Hintergründe zu diesem Artikel ist ein (mittlerweile gescheiterter) Gesetzantrag der Tierrechtspartei im niederländischen Parlament, nach dem rituelle Schlachtungen ohne vorhergehende Betäubung verboten werden sollten.
Dasselbe Argument wendet Singer auch auf vergleichbare Fälle an, etwa auf den Umstand, dass Obamas Krankenversicherung auch empfängnisverhütende Mittel umfasst, was den Katholiken als Betreibern öffentlicher Einrichtungen mal wieder nicht so passt. Aber, so Singer:
Likewise, the Obama administration’s requirement to provide health insurance that covers contraception does not prevent Catholics from practicing their religion. Catholicism does not oblige its adherents to run hospitals and universities. [...]
Of course, the Catholic Church would be understandably reluctant to give up its extensive networks of hospitals and universities. My guess is that, before doing so, they would come to see the provision of health-insurance coverage for contraception as compatible with their religious teachings. But, if the Church made the opposite decision, and handed over its hospitals and universities to bodies that were willing to provide the coverage, Catholics would still be free to worship and follow their religion’s teachings.
Singer beschließt seinen Artikel mit der Feststellung, dass die Berufung der Religionsvertreter auf die Religionsfreiheit in solchen und vergleichbaren Fällen ein Missbrauch des Rechtes auf Religionsfreiheit ist (“the appeal to religious freedom is being misused”), da letztere in den genannten Fällen in keiner Weise angetastet wird.

Ich esse aus ethischen Gründen kein Fleisch und halte auch nichts von den Argumenten der Katholischen Kirche gegen Obamas Gesundheitsreform, aber Singers Argument scheint mir doch schnell an seine Grenzen zu stoßen. Natürlich könnten Katholiken ihre Religion auch praktizieren, ohne als Arbeitgeber in Erscheinung zu treten, aber damit würden sie ihre eigenen Entfaltungsmöglichkeiten in der Gesellschaft doch erheblich beschneiden. Man könnte Katholiken oder Anhängern anderer Religionen alles Mögliche erschweren oder gar verbieten (sie z.B. unter Hausarrest stellen) und trotzdem wären sie noch in der Lage, ihre Religionen auszuüben, ohne irgendwelche Vorschriften der Bibel oder anderer religöser Texte zu missachten. In solchen Fällen noch von Religionsfreiheit zu sprechen, wäre allerdings fehl am Platz. Singers Argument macht Sinn bei rituellen Schlachtungen, da diese religionsübergreifend unmoralisch sind und man unmoralische Praktiken auch nicht rechtfertigen kann, indem man sich auf Religionsfreiheit beruft. Im Gegensatz hierzu lehnt die Katholische Kirche Empfängnisverhütung aus rein religiösen Gründen ab. Ich kenne jedenfalls keine schlagkräftigen Argumente, nach denen Empfängnisverhütung grundsätzlich unmoralisch wäre.
Danke für den Kommentar. Ich find das Argument eigentlich ziemlich schlagend. Singer argumentiert sogar (was sehr höflich von ihm ist – müsste er nicht machen) sozusagen “innerbiblisch” und diskutiert die Frage nach rituellen Schlachtungen, indem er eine Ebene höher ansetzt und auf die Vereinbarkeit von Vegetarismus und Religion hinweist. Das Argument dürfte sogar noch ein bisschen mehr “Bumms” haben als in meiner obigen verkürzten Darstellung. Denn es scheint nicht nur um die bloße Vereinbarkeit von Vegetarismus und religiöser Freiheit zu gehen, sondern um mehr. Ich würde sein Argument so rekonstruieren (das ist aus formaler Perspektive nicht besonders sauber, aber übersichtlicher formuliert):
Dass die erste Prämisse stimmt, dürfte unstrittig sein. (Oder gibt es von religiöser und bibelfester Seite Einwände?) Die zweite Prämisse wird von Singer in dem verlinkten Artikel nicht diskutiert, die ist aber geschenkt. Für diese These hat Singer ja sein ganzes philosophisches Leben lang diskutiert und vermutlich wird sie heutzutage selbst von Fleischessern kaum bestritten. Die dritte Prämisse dürfte auch vollkommen unstrittig sein.
Wenn man die drei Prämissen akzeptiert, folgt daraus notwendig, dass sich religiöse Menschen fleischlos ernähren sollten. Find ich ziemlich überzeugend.
Interessant ist, wie gesagt, die dritte Prämisse. Die ist sehr religionsfreundlich formuliert, da sie die möglichen Verhaltensoptionen schon auf das beschränkt, was aus religiöser Sicht zulässig ist. Eigentlich sollte man sie strenger und allgemeiner formulieren, nämlich so:
Diese Prämisse 3* würde im Zweifelsfall keine Rücksicht mehr auf den Konflikt mit einem religiösen Gebot nehmen.
Ich gebe Dir völlig Recht und habe mich wohl etwas ungeschickt ausgedrückt. Was ich in meinem Kommentar in Frage stellen wollte, ist die Anwendbarkeit von Singers Argument im geschilderten Fall der Empfängnisverhütung. Hier ist nämlich (P2) nicht gegeben; Empfängnisverhütung kann nicht pauschal als moralisch oder unmoralisch betrachtet werden. Die Katholische Kirche lehnt diese aus rein religiösen Gründen ab. Als Katholik hat man somit die Wahl zwischen zwei Optionen, die beide moralisch vertretbar sind, von denen aber nur eine den Segen der Kirche hat, nämlich die Ablehnung von empfängnisverhütenden Maßnahmen. (P3) lässt sich also nicht anwenden wie im Fall des Vegetarismus. Ich stimme Singers Argument uneingeschränkt zu, aber es funktioniert nur, wie du ja auch aufgezeigt hast, wenn es sich um einen Sachverhalt hat, der moralisch bewertet werden kann.
1. Obwohl ich aus ethischen Gründen selber Vegetarier bin und Singers Argumentation unterstützen würde (allerdings aus anderen Gründen), halte ich sie für problematisch, wobei ich das Problem in P2 sehe. Wenn etwa in der Tora steht: “Doch darfst du in allen deinen Städten ganz nach Herzenslust schlachten und Fleisch essen nach dem Segen des HERRN, deines Gottes, den er dir gegeben hat […] Nur das Blut sollst du nicht essen, sondern auf die Erde gießen wie Wasser.” (Dtn 12,15-16), dann kann einer, der seine Überzeugungen religiös rechtfertigt, nicht P2 akzeptieren, weil es nicht sein kann, dass Gott ein moralisch schlechtes oder gar unmoralisches Gebot erlassen haben soll. Also kann er auch nicht K folgern.
2. Meines Erachtens können religiös begründete Verhaltensweisen ohnehin nicht rational korrigiert werden, ohne dass die Rationalität selber wieder religiös begründet ist. Zwar scheint Singer diesen (“innerbiblischen”) Zusammenhang ernst zu nehmen. Damit es einen Gläubigen überzeugt, müsste er aber wohl eher mit Gottgefälligkeit als damit argumentieren, wie religöse Praxis mit (nicht religiös begründetem) moralischem Verhalten vereinbar sei (als wäre es sie noch nicht). Eine Korrektur religiöser Praktiken scheint überhaupt effektiv nur mit externer Macht (Staat) oder interner Reformation (Kirche) zu funktionieren. Was aber an sich nicht gegen den Versuch spricht, dass Philosophen etwas dazu beitragen können.
3. In Bezug auf die Empfängnisverhütung ist Singers Argument sicherlich unproblematischer, da in den heiligen Schriften (so weit ich jedenfalls weiß) nichts über Empfängnisverhütung steht. Das Argument der Ausübung der Religionsfreiheit kann sich hier nur auf spätere Auslegungen oder Enzyklika beziehen, wie etwa die “Humanae Vitae” von Papst Paul VI. beziehen, was wieder zu 2. führt. Tatsächlich steht Verhütung also wohl nicht im Widerspruch mit der freien Ausübung der Religion (noch nicht einmal in Bezug auf das Gebot “Liebet und vermehret euch!”), sondern nur im Widerspruch mit dem Ziel der Kirche, ihrem Schwund an Nachwuchs etwas entgegenzusetzen.
Zu (1): Guter Einwand. Allerdings kein Einwand gegen P2, sondern gegen P1. Vegetarismus wäre demzufolge im Christentum gegen Gottes Gebot.
Für Singer ist das prinzipiell aber kein Problem, da er religiöse Moralbegründungen selbstverständlich ohnehin ablehnt.
Ob es ein Einwand gegen P1 ist, hängt davon ab, ob aus dem Gebot “du darfst” auch ein “du sollst” folgt (wie Luther die Gebote übersetzt). Wenn man “darf”, würde es nicht notwendig bedeuten, dass man auch “muss”. Insofern könnte Vegatrismus also auch erlaubt sein. Nur wäre Fleischessen eben nicht unmoralischer.
Dass es für Singer kein Problem ist, sehe ich auch, nur dass er mit seinem Argument keine Gläubigen überzeugen kann.
Stimmt. Gegen P2 ist es dennoch in keinem Fall ein Einwand. In P2 kommt nichts vor, was irgendeinen Bezug zu Religion, religiösen Geboten, religiöser Moral, Gott etc. zu tun hat.
Es wäre lediglich gegen P1 ein Einwand, und dies tatsächlich nur dann, wenn – wie du richtig nahelegst – aus Gottes Erlaubnis zum Fleischkonsum gefolgert werden könnte, dass Fleisch gegessen werden soll – und somit Vegetarismus gegen Gottes Wille und damit aus religiöser Perspektive keine gleichwertige Option zum Fleischkonsum wäre. Da das aber nicht zu folgen scheint, dürfte der Einwand, anders als ich zuerst dachte, wohl doch nicht funktioneren.
Der Knackpunkt scheint wohl darin zu liegen, ob ein Gläubiger P2: “Vegetarismus ist aus moralischen Gründen besser als der Konsum von Fleisch” akzeptieren kann, wenn die “moralischen Gründe” andere als jene sind, die sich auf die heilige Schrift stützen. Gestützt auf die heilige Schrift (in dem Fall das AT) wäre P2 falsch, da durch Gottes Gebot Vegetarismus weder besser noch Fleischkonsum moralisch verwerflich wäre. Stützen die Gründe sich auf andere (Singers) Texte, wären sie für andere (Singer + Anhänger) akzeptabel, nicht aber für die Gläubigen, da deren Akzeptanz in Widerspruch mit der heiligen Schrift stünde. Denn deren Akzeptanz würde ja bedeuten, dass Gott etwas erlaubt, was moralisch schlecht ist. Wie also könnte man sicherstellen, dass durch die Akzeptanz von P2 kein religiöser Widerspruch entsteht?
Das hat aber nix mehr mit dem Argument zu tun. Du musst wirklich ernst nehmen, dass in P2 nicht von Religion, Gott, etc. die Rede ist, sonst redest du einfach an dem vorbei, was dasteht.
P1 stellt das sicher.
Ich habe ja darin zugestimmt, dass an dem Argument nichts einzuwenden ist, solange P2 nicht auf einen religiös begründeten, sondern eben auf den von Singer veranschlagten Moralbegriff rekurriert. Ich habe nur zu bedenken geben wollen, dass es in seiner Konsequenz u.U. einen Konflikt zwischen beiden Moralbegriffen (bzw. -vorstellungen) erzeugt, insofern die Akzeptanz von P2 impliziert, dass Gott etwas erlaubt, was moralisch verwerflich ist.
Insofern kann man das Problem zwar nicht Singers Argument anlasten, da es vielmehr eine Herausforderung der Theologie darstellt, doch solange das Problem nicht gelöst ist, könnte es ein (mögliches/triftiges) Hindernis dafür sein, warum es diejenigen nicht überzeugt, die es überzeugen sollte. Denn es geht ja schließlich darum, dass sie ihre Verhaltensweisen ändern. Aber offenbar gibt es da schon genug “innerbiblische” Kontroversen, z.B. darüber ob Jesus ein Vegetarier war: http://www.bibelkritik.ch/bibelkritik/c1.htm.
Es könnte also sein, dass mein Einwand eines möglichen Konflikts durch die Widersprüchlichkeit der Bibel über Ernährungsempfehlungen selbst entkräftet wird:
“Alles was sich regt und lebt, das sei eure Speise.” (1. Mose 9,3)
“Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das esst, und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht beschwert.” (1. Kor 10,25)
“Es ist zwar alles rein; aber es ist nicht gut für den, der es mit schlechtem Gewissen isst. Es ist besser, du isst kein Fleisch und trinkst keinen Wein und tust nichts, woran sich dein Bruder stößt.” (Röm 14,20-21)
Vielleicht könnte man also gerade mit Paulus den theologischen Konflikt entschärfen, da er die Ernährungsweise vom eigenen Gewissen abhängig macht. Das würde dann aber auch nur für Christen funktionieren, die von P2 überzeugt sind…
Hier übrigens noch ein Linkempfehlung zum Thema (unter deutlicher Missachtung von 1. Kor 10,25). Die Albert-Schweitzer-Stiftung hat derzeit eine Petition gegen Massentierhaltungen laufen: http://albert-schweitzer-stiftung.de/tierschutz-helfen/petitionen/petition-gegen-die-massentierhaltung. Auf der Seite gibt es auch viele sachliche Informationen, warum Massentierhaltung Tieren ohne vernünftigen Grund Leiden zufügt und damit gegen §1 des TSchG verstößt.
Das ist auch nicht der Fall. In P2 wird ja nicht behauptet, dass Fleischkonsum moralisch schlecht ist, sondern dass Vegetarismus aus moralischer Perspektive besser ist (bzw. dem Konsum von Fleisch vorzuziehen ist). Es ist z.B. auch moralisch besser, 10% seines Einkommens an wohltätige Organisationen zu spenden als nur 5%. Das macht das Spenden von nur 5% aber nicht moralisch schlecht bzw. verwerflich. (Sicher könnte man P2 auch mit guten Gründen wesentlich schärfer formulieren, aber wie schon zu Beginn gesagt, das ist ein sehr religionsfreundliches Argument.)
Danke für die restlichen Hinweise.
Es stimmt, dass das Gegenteil von besser nicht falsch, sondern schlechter ist. Deswegen habe ich ja auch nicht “moralisch falsch”, sondern “moralisch verwerflich” geschrieben. Wenn man die bessere Option wählen kann, ist die schlechtere Option aber die verwerfliche, weil man sie eben verwerfen sollte. Aber wie gesagt, mit der Frage gerät man in eine theologische Debatte darüber, warum manche Gebote Gottes moralisch besser und manche moralisch schlechter sein sollten.
In Bezug auf das NT sehe ich das Konfliktpotential allerdings gar nicht mehr so groß, in Bezug auf das AT bin ich mich mir noch nicht so sicher. Ich sehe auch, dass sich das Argument wohl nicht religionsfreundlicher formulieren lässt. In Bezug auf Massentierhaltung (die ich für ein noch größeres Problem halten würde als rituelle Schlachtungen) würde ich es sogar für schlagend halten, wenn man statt “Religionen” “industrialisierte Gesellschaften” einsetzt. Wobei dann noch einmal ökonomische Probleme hinzukommen, aber das ist eine andere Frage, die man darüber hinaus zu erörtern hätte.
Das Spendenbeispiel finde ich indessen nicht besonders gut geeignet, um es auf diese Frage anzuwenden. Denn was ist besser: 10% meines Einkommens aus Waffen- und Drogengeschäften an eine Wohltätigkeitsorganisation zu spenden (z.B. um mein Gewissen zu bereinigen oder Geld zu waschen) oder 5% meines Einkommens aus einem kleinen Biobauernhof (wenn die Spende zudem eine merkliche Einschränkung meines Lebensstandards bedeutet)? Selbst bei dem Biobauernhof könnte man sagen: Wäre es moralisch besser, 10% des Einkommens zu spenden, wenn ich dadurch meine Erntehelfer nicht mehr bezahlen kann und moralisch schlechter, wenn ich nur 5% spende, aber alle einen fairen Lohn bekommen?
Mit Geld kommt noch einmal eine ganz andere Dimension von Verantwortung ins Spiel, die in der Abstraktion gern verschwindet, in moralischen Fragen aber nicht außen vorgelassen werden sollte! Wenn man sagt, egal wieviel man spendet, die Spende muss aus moralisch einwandfreien Verhältnissen stammen und darf keinen moralischen Konflikt erzeugen, dann schließt man ja vorher schon aus, was gerade in Frage steht.
Es ist ein positives religiöses Gebot im Christentum, Kranke zu pflegen. Die Trägerschaft von Krankenhäusern durch die katholische Kirche (und nicht bloß einzelner Katholik(inn)en als Privatpersonen) ist in deren Selbstverständnis also nicht bloß ein Wirtschaftszweig oder eine Möglichkeit zur Verankerung oder Missionierung oder was weiß ich in der Gesellschaft, sondern unmittelbar Ausübung der Religion. Drum haperts in diesem Beispiel.
Beim Fleisch essen vermutlich so ähnlich. Ich kenne mich da nicht so gut aus, aber mindestens das Pessach-Mahl der Juden schreibt neben ungesäuertem Brot und Bitterkräutern auch Lamm vor, oder? Und bei der Beschneidung fliegt einem die Argumentationsfigur dann komplett um die Ohren.
Die Annahme, “Religionsausübung” sei durch Singers Verständnis derselben brauchbar abzugrenzen, ist falsch. Eher muss da die Selbstauskunft der Religionen betrachtet werden.
Also ich finde ja, das Problem ist das Abarbeiten am religiösen Text. Es ist schon irgendwie verrückt einen Text [1] für Gottes Wort zu halten – wofür man dann aber in einem Anflug von Hybris die Deutungshoheit beansprucht (oder diese an vermeintliche Gelehrte abtritt), und [2] gleichzeitig die Auslegung eben nicht im Kontext eines heutigen Wissensstands und kultureller Gegebenheiten zu sehen.