Juchee! Endlich mal wieder was mit Kunst!
12. Juli 2012 12 Kommentare
Lieber Leser, lies nicht mehr, schau erstmal:
Das sieht aus wie ein Bild von Jackson Pollock, ist aber keines. Es trägt dementsprechend den Titel Not Pollock und wurde vom Künstler Mike Bidlo in liebevoller Detailarbeit hergestellt. Bidlo hat ein Bild von Pollock mit größtmöglicher Exaktheit nachgeahmt.
Darauf gestoßen bin ich bei FutilityCloset und möchte die dort gestellte Frage auch hier stellen: Ist das für euch Kunst? Wenn nein, warum nicht? Und wenn ja, was genau macht Not Pollock zu einem Kunstwerk?
Ich tendiere dazu, das als Kunstwerk zu akzeptieren, aus mindestens zwei Gründen: (1) Es braucht einen gewissen Grad an Fertigkeiten, um soetwas exakt nachzuahmen. (2) Das Werk regt zur Beschäftigung mit Fragen an, die für den Umgang mit Kunst relevant sind. – Nicht besonders starke Gründe, zugegeben.


(3) würde ich noch ein ideeles Prinzip hinzufügen: das Werk ist Ausdruck einer freien Betätigung, einer “spielerischen” Aktivität im Sinne Schillers (“Ueber die ästhetische Erziehung des Menschen”) oder Moritz Schlicks (“Vom Sinn des Lebens”).
Moritz Schlick hat sich zu Kunstfragen geäußert? Interessiert mich, was ein Logischer Positivist über Kunst zu sagen hat.
” Das Grundproblem der Ästhetik in entwicklungsgeschichtlicher Beleuchtung“, in: Archiv für die gesamte Psychologie, Bd. XIV, 1909, jetzt auch in der Moritz-Schlick-GA.
Ich glaube, zu der Zeit, war er noch nicht logischer Positivist. Aber zum Verhältnis des späten Schlick (und auch der anderen Wiener) zum frühen Schlick wüsste ich auch gern mehr.
Danke für den Hinweis. Auf http://www.moritz-schlick.de/gesamtausgabe/digitale-edition/ kann man sogar ein paar Bände der GA als PDF herunterladen.
Vermutlich ist es dasselbe, was B oben sagt, nur unwissenschaftlicher:
Kunst macht sich selbst zur Kunst und wenn sie will, dann ist sie es. Die Komposition macht das Märchen.
Und überhaupt, was soll es sonst sein, das Bild ? Ein Handwerksprodukt ? – ja, vielleicht auch das. Schließt sich ja nicht aus. Kunsthandwerk und so.
Ach, all diese Begriffe.. Exaktheit ist Philosophenfetisch, was ?
Wie soll das gehen?
Nein, glaube ich nicht. Aber interessante Grenzfälle wie Not Pollock laden zumindest dazu ein, sich über Begriffe Gedanken zu machen.
Wie soll das gehen ?
- von alleine.
Begriffsgedanken:
- ohne exakte Begriffe könnt ihr doch nicht gescheit diskutieren, oder ?
Unwahrscheinlich. Kunstwerke können nicht handeln.
Das tut man doch ständig. Dass Begriffe nicht immer “scharfe Grenzen” haben, darauf haben Philosophen schon vor Urzeiten hingewiesen. Z.B. hat Augustinus mal zum Begriff der “Zeit” gesagt:
Viele Begriffe funktionieren gerade deswegen im Alltag so gut, weil man keine völlig exakte Definition angeben kann. Möglicherweise gehört der Begriff “Kunst” dazu, möglicherweise aber auch nicht. Die Diskussion von solchen Grenzfällen wie Not Pollock kann vielleicht helfen, sowas rauszufinden.
aha, Fuzzy Logic ! Soll oft besser funktionieren als exakte Suchbegriffe.
Nicht das Kunstwerk soll handeln, sondern die Kunst an sich. Ich bin ja ein Fan von Animismus und scheue mich nicht, den auf abstrakte Begriffe anzuwenden. Aber das lässt sich dann alles nicht beweisen :-D
Kunst ist ja nun eine subjektive Sache.
Not Pollock ist für mich mehr Kunst als das Original. Auf einer intertextuellen, postmodernen Ebene kann ich etwas damit anfangen.
Für mich ist etwas Kunst, wenn ich einen Zugang dazu finden kann. Einfach nur dazustehen und mich zu fragen was das soll, aber nicht drauf zu kommen, finde ich sinnlos. Zeitverschwendung. Künstlich, aber keine Kunst. Kunst ist ein Abbild von etwas — den Gedanken des Künstlers die Gestalt angenommen haben. Die Gedankenwelt steht aufgrund der technischen Möglichkeiten (Photographie, Druck, etc.) viel mehr im Vordergrund als früher. (Trifft nicht nur auf Kunst zu). Finde ich zumindest. Das heißt nicht, dass ich den exakten Gedanken sehen muss, und 1:1 weiß wie, warum, weshalb. Es muss für mich einfach eine Tiefe da sein; etwas Universelles oder etwas Berührendes wahrnehmbar. Im besten Fall gefällt mir die Aussage die ich mir dann konstruiert habe.
Wenn ich nun zum Beispiel Sachen von Koons oder Hirst sehe, kann ich da nur $$$ im Gedankengang erkennen. Oder irgendwas sinnloses, verflachtes. Und darauf muss ich nicht auch noch künstlich aufmerksam gemacht werden. Fällt mir so schon genug auf. Was, e.g., Koons hier und da äußert, scheint mir post-rationalisierendes Geblubber zu sein damit sich die (potentielle) Kundschaft sicher sein kann ‘echte’ Kunst erworben zu haben, die dem finanziellen Status entsprechend, intellektuellen Tiefgang besitzt. Ist so Brandmanagement-Marketing-After-Sales-Style. Wem’s gefällt.
Könntest du genauer erklären, was du damit meinst? Meinst du z.B., dass es von vornherein sinnlos ist, mit jemandem darüber zu diskutieren, ob ein jeweiliges X ein Kunstwerk ist oder nicht?
Nehmen wir z.B. mal an, jemand sagt, Kafkas Process sei für ihn kein Kunstwerk. Würdest du sagen, dass man demjenigen nicht gute Gründe dafür nennen kann, warum der Process doch ein Kunstwerk ist? Dass man ihm nicht klarmachen kann, was daran so großartig ist? Wenn es nur rein subjektiv wäre, könnte man nach meinem Verständnis doch gar nicht mehr über sowas diskutieren. Oder?
Ich meine dass der Mensch im Rahmen der biologischen Gegebenheiten und der Erfahrungen, etc. die Welt konstruiert. Nicht vollkommen radikal. Ich bin überzeugt dass Materie da ist (bis mich jemand vom Gegenteil überzeugt). Aber dass Menschen durchaus unterschiedliche Wahrnehmungen haben, Blickwinkel, ‘Stories’, Auffassungen die eine Rolle spielen usw.
Subjektiv heißt für mich nicht dass es keine Schnittmengen des Subjektiven geben kann. Dass subjektives absolut einmalig, losgelöst, einzigartig wäre. Menschen können durchaus ähnliche Vorstellungen von Dingen haben. Sieht man in Subkulturen, Gemeinschaften jeglicher Art, etc pp. die sich rund um Dinge bilden und auch einen gewissen Dunstkreis was EInstellungen anbelangt um sich ziehen. Man kann also versuchen Menschen, die gewisse Dinge nicht als Kunst begreifen, zu überzeugen. Ob die sich überzeugen lassen, wäre die andere Frage. Das würde sicher am zu überzeugenden Mensch liegen, und dem Mensch der mit welchen Argumenten auch immer zu überzeugen versucht; nicht zuletzt auch am Objekt dem man Kontext zuschreibt. Ethos, Pathos und Logos könnte helfen, muss aber nicht. Selbst wenn man sich zum Beispiel auf Faktoren einigen könnte die Kunst ausmachen, heißt das nicht zwangsläufig dass diese von beiden Parteien dem zu bewertenden Objekt zugeschrieben werden.