Qualitätsunterschiede bei literaturkritik.de

So begrüssenswert das Rezensionsportal literaturkritik.de ist, die Qualität der dort erscheinenden Rezensionen unterliegt schon gewaltigen Schwankungen. Das fiel mir angesichts der aktuellen Ausgabe wieder auf. Zum einen findet sich da eine wunderbar launische, bei aller Kritik sachliche und begründende Rezension von Walter Delabar zu Heinz Schlaffers Buch Geistersprache. Zweck und Mittel der Lyrik:

Abgesehen von ein, zwei Rechtschreibfehlern (ich mache die Welt hier letztmalig mit der Tatsache vertraut, dass es “das Pathos” heißt, nicht “der Pathos”!) ist die Rezension informativ, prägnant, argumentativ und obendrein auch noch unterhaltsam. Eine aus meiner Sicht wirklich gelungene Sache. – Auf der anderen Seite finden sich aber auch Rezensionen wie diese hier. Die Autorin scheint keine Muttersprachlerin zu sein, dennoch scheinen hier keine weitergehenden qualitätssichernden Maßnahmen (z.B. das gute alte Korrekturlesen) der Veröffentlichung vorangegangen zu sein. Doch auch abgesehen von der sprachlichen Form ist das inhaltlich nicht nur nichtssagend, sondern größtenteils unverständlich, wie z.B. dieser vollständig zitierte Absatz hier zeigt:

Wichtig ist dabei die Konkretisierung des Begriffs der Moderne. Sie wird hier nicht als etwas aus dem Absoluten Herleitbares verstanden, sondern eher als ein Denken, das aus Beschränkungen entsteht. Kein einziges ethisch-philosophisches System kann ihr die nötige Legitimität verleihen.

Literaturkritik.de hat zwar meines Wissens nicht den Anspruch, primär Rezensionen für Fachwissenschaftler anzubieten, dennoch wäre irgendeine Form der Qualitätssicherung aus meiner Sicht zu begrüßen.

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5 Antworten auf Qualitätsunterschiede bei literaturkritik.de

  1. marie sagt:

    Den Delaber-Text fand ich ganz wunderbar. Bis auf den letzten Satz. Der ist so vernichtend.

    Ich muss zugeben, dass ich den Text von Frau Acharya nicht bis zum Ende gelesen habe. Mir scheint es, im Gegensatz zu deiner Vermutung, dass sie deutsche Muttersprachlerin ist. Es kommt mir so vor als wolle sie sich besonders ‘intellektuell’ ausdrücken. Je länger die Sätze, je schwerer verständlich, desto gebildeter der Autor. Desto mehr Fachkenntnis. Leider nein. Wer es nicht einfach sagen kann, hat es selbst nicht gut genug verstanden (frei nach Einstein, wenn ich nicht irre). Das mag jetzt nicht immer und überall zutreffen, aber so als Faustformel sollte man sich daran halten, finde ich zumindest. Es mag ja Leute geben, die es kompliziert mögen.

    Und müsste es hier nicht auch heißen: das Verdienst – etwas das mir in der Richtigkeit immer falsch vorkommt und jedesmal auffällt. Ansonsten hätte ich auch gern jemand der meine Kommentare gegenliest.

  2. Wer es nicht einfach sagen kann, hat es selbst nicht gut genug verstanden (frei nach Einstein, wenn ich nicht irre).

    Ich dachte, der wäre von Searle. Oder wenigstens von Popper. Aber Einstein ist auch ok.

    Ansonsten hätte ich auch gern jemand der meine Kommentare gegenliest.

    Ich würde mich bereiterklären, alle Rechtschreibfehler hier öffentlich anzuprangern.

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