Gegen den Solipsismus gibt es zwar wahrlich genug Argumente, aber eins mehr schadet sicher nicht, wenn es originell ist. Eric Schwitzgebel präsentiert in seinem Blog ein solches Argument. “Radikaler Solipsismus” wird dort verstanden als die These, dass keine Außenwelt existiert bzw. dass es ausschließlich mein eigenes Bewusstsein gibt. Um diese These zu prüfen, spielt Eric gegen seinen Schachpartner “seeming-Alan” (der scheinbare Alan) 20 Partien Schnellschach. “Seeming-Alan” gewinnt 17 von 20 Schachpartien gegen Eric. Das Argument gegen den Solipsismus lautet nun wie folgt (meine Rekonstruktion):
(P1) Wenn der Radikale Solipsismus wahr ist, kann nichts existieren, das besser als ich im Schach ist.
(P2) Mein Schachpartner ist besser als ich im Schach.
(K) Daher ist der Radikale Solipsimus falsch. [modus tollens aus P1 und P2]
Drei Anmerkungen dazu:
(i) P2 ist neutral hinsichtlich der Frage, ob der Schachpartner nur von mir imaginiert oder tatsächlich existent ist. In P2 wird also nicht illegitimerweise schon vorausgesetzt, was erst bewiesen soll, nämlich dass etwas außerhalb meines eigenen Bewusstseins existiert.
(ii) Das Prädikat “ist besser als ich im Schach” wird von Schwitzgebel so verstanden, dass es meinem Schachpartner nur dann zukommen kann, wenn er mich so oft im Schach geschlagen hat, dass Zufallsergebnisse ausgeschlossen werden. Schwitzgebel sagt zu Beginn: “In fact, I will take the general standards of science for granted, insofar as those general standards are compatible with solipsism.” P2 setzt also die Geltung der statistischen Gesetze voraus.
(iii) Ein paar naheliegende Einwände (dass Eric unbewusst wünschte zu verlieren, dass er die Schachpartien nur geträumt hätte) versucht Schwitzgebel anschließend selbst auszuräumen. Auf den naheliegendsten Einwand, dass “seeming-Alan” und dessen Schachsiege selbst nur Teil von Erics Bewusstseinsinhalten sein könnten, präzisiert Schwitzgebel sein Argument:
The thought is that although the sensory experiences I associate with seeming-Alan may only be part of my conscious experience, the chess skill that organizes them must be rooted in something that extends beyond my conscious experience.
Kurz gesagt setzt Schwitzgebel also voraus, dass ich mich selbst (gemäß der These des Radikalen Solipsismus) nicht im Schach schlagen könnte, ohne dass mir eben dies bewusst wäre.
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