Singer im TED-Talk
22. Mai 2013 Hinterlasse einen Kommentar
Hier:
Etwas Philosophie, hier und da mal etwas Kunsttheorie und ein Haufen Quatsch
19. Mai 2013 Hinterlasse einen Kommentar
Political Theory zitiert Passagen aus der neuen Derrida-Biographie von Benoît Peeters, betreffend die herzzerreißende Versöhnung zwischen Derrida und Habermas:
Kurz zum Hintergrund: Habermas hatte in seinem Buch Der philosophische Diskurs der Moderne (1985) Derridas Philosophie als fatalistischen Irrationalismus kritisiert, der die Grenzen zwischen rational argumentierender Philosophie und Literatur verwische, das rhetorische Überreden über das argumentative Überzeugen stelle, usw. Derridas Antwort besteht einzig und allein darin, seinem Kritiker vorzuwerfen, ihn nicht gelesen und nicht zitiert zu haben – also kindisch wie immer, wenn er kritisiert wurde . (Nachzulesen ist das in der deutschen Ausagabe von Limited Inc, S.256ff.) Zu allem Überfluss hatte Derrida damit vermutlich sogar Recht, da Habermas’ Derrida-Kritik unfassbar unsauber und unwissenschaftlich daherkam und es Derrida leicht machte zu kontern. – Alles in allem ein unrühmliches Kapitel der Philosophiegeschichte, falls man beide Denker oder Nichtdenker als Philosophen betrachten möchte. (Letzteres mag jeder für sich entscheiden.) Aber am Ende wurde ja alles gut, man schrieb und unterschrieb gemeinsam Petitionen und schmierte sich bei passender Gelegenheit gegenseitig Honig ums Maul.
18. Mai 2013 2 Kommentare
MOOCs (Massive Open Online Kurse) sind zur Zeit in aller oder zumindest einiger Munde, in den Philosophieblogs u.a. aufgrund einer kleinen Debatte um Michael Sandels berühmte Justice-Vorlesungen (mehr Infos im Philoblog). Beim Wettbewerb MOOC Production Fellowship kann man zur Zeit darüber abstimmen, welche zehn von insgesamt 255 MOOCs durch den deutschen Stifterverband gefördert werden sollen:
Philosophische Themen sind, soweit ich sehe, abgesehen von einem Kurs über Mathematische Logik nicht vertreten, dafür aber einige Kurse aus den Sprach-, Kultur- und Kunstwissenschaften. Und die Bewerbungsvideos sind auf die ein oder andere Art ganz unterhaltsam. Auch die Prominenz ist verteten, so etwa der unvermeidliche Harald Lesch oder Michael Steinbrecher (ja, der vom Sportstudio).
17. Mai 2013 Hinterlasse einen Kommentar
Jürgen Kaube zerpflückt in der FAZ den jüngsten Unsinn von Agamben:
Lesenswert.
15. Mai 2013 4 Kommentare
Ich denke ja nicht oft an Adorno, und wenn, dann meistens ungern, aber als ich mir heute eine elektrische Zahnbürste gekauft habe und dann beim Auspacken lesen durfte, dass man seine Zahnbürste online registrieren kann, da dachte ich mir auch, dass irgendwas mit dieser Welt nicht stimmt. Teddy, du hast dir ein youtube-Video redlich verdient:
10. Mai 2013 2 Kommentare
104 Stimmen wurden abgegeben, damit steht das Ergebnis fest: Das schlechteste Philosophiebuch aller Zeiten, zumindest aber bis zur nächsten Umfrage dieser Art, ist Prechts Wer bin ich und wenn ja, wie viele! Auf Platz 2 Sloterdijks Kritik der zynischen Vernunft, wobei Sloti das Handicap hatte, dass sein zweiter Meilenstein, Sphären, ebenfalls zur Wahl stand und mit Platz 6 seinerseits viele Stimmen für sich gewinnen konnte. Der heimliche Gewinner ist also definitiv Sloterdijk mit zwei Büchern in den Top 10! Der einzige, der hier mithalten kann, ist Derrida mit Platz 4 für die Grammatologie und Platz 8 für Glas - ein hochverdienter Achtungserfolg. Sein und Zeit schafft es mit Platz 3 aufs Podest. Hegel schnitt mit der Phänomenologie des Geistes erwartet souverän ab und landet auf Platz 5.
Danke an alle, die mitgemacht haben! Ich gehe davon aus, dass das Ergebnis unter idealen epistemischen Bedingungen zustande kam und alle Teilnehmer sich bei der Wahl nur vom zwanglosen Zwang des besseren (bzw. schlechteren) Arguments leiten ließen. Hier das vollständige Ergebnis nach dem Condorcet-Berechnungsverfahren (Condorcet-IRV – alternative Verfahren führten zum selben Ergebnis):
| 1. Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) (Condorcet-Sieger: schlägt jeden anderen Kandidaten) |
| 2. Die Kritik der zynischen Vernunft (Sloterdijk) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 32–21 |
| 3. Sein und Zeit (Heidegger) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 34–23, verliert gegen Die Kritik der zynischen Vernunft (Sloterdijk) um 24–22 |
| 4. Grammatologie (Derrida) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 34–21, verliert gegen Sein und Zeit (Heidegger) (write-in) um 19–18 |
| 5. Phänomenologie des Geistes (Hegel) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 35–22, verliert gegen Grammatologie (Derrida) um 22–17 |
| 6. Sphären (Sloterdijk) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 30–22, verliert gegen Phänomenologie des Geistes (Hegel) um 24–20 |
| 7. Der Untergang des Abendlandes (Spengler) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 38–16, verliert gegen Sphären (Sloterdijk) (write-in) um 29–16 |
| 8. Glas (Derrida) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 36–20, verliert gegen Der Untergang des Abendlandes (Spengler) (write-in) um 22–19 |
| 9. Der Ego-Tunnel (Metzinger) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 33–22, verliert gegen Der Untergang des Abendlandes (Spengler) (write-in) um 26–19 |
| 10. Theorie des kommunikativen Handelns (Habermas) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 35–20, verliert gegen Der Ego-Tunnel (Metzinger) (write-in) um 23–22 |
| 11. Anti-Ödipus (Deleuze/Guattari) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 32–21, verliert gegen Theorie des kommunikativen Handelns (Habermas) um 19–18 |
| 12. Materialismus und Empiriokritizismus (Lenin) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 37–19, verliert gegen Theorie des kommunikativen Handelns (Habermas) um 24–22 |
| 13. Wissenschaft der Logik (Hegel) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 35–19, verliert gegen Materialismus und Empiriokritizismus (Lenin) (write-in) um 24–18 |
| 14. Bekenntnisse (Augustinus) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 33–22, verliert gegen Wissenschaft der Logik (Hegel) (write-in) um 22–19 |
| 15. Die ungeliebte Freiheit (Bolz) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 34–19, verliert gegen Wissenschaft der Logik (Hegel) (write-in) um 19–17 |
| 16. Der letzte Gottesbeweis (Robert Spaemann) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 31–21, verliert gegen Die ungeliebte Freiheit (Bolz) (write-in) um 18–17 |
| 17. Tausend Plateaus (Deleuze/Guattari) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 36–17, verliert gegen Der letzte Gottesbeweis (Robert Spaemann) (write-in) um 20–18 |
| 18. On Deconstruction / Dekonstruktion (Culler) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 35–19, verliert gegen Tausend Plateaus (Deleuze/Guattari) (write-in) um 15–14 |
| 19. Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache (Ludwik Fleck) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 39–17, verliert gegen On Deconstruction / Dekonstruktion (Culler) um 20–18 |
| 20. Geschlecht und Charakter (Weininger) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 40–11, verliert gegen Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache (Ludwik Fleck) (write-in) um 20–19 |
| 21. Negative Dialektik (Adorno) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 36–20, verliert gegen Geschlecht und Charakter (Weininger) (write-in) um 21–18 |
| 22. Das Sein und das Nichts (Sartre) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 42–14, verliert gegen Negative Dialektik (Adorno) (write-in) um 22–16 |
| 23. Das Prinzip Hoffnung (Ernst Bloch) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 35–17, verliert gegen Das Sein und das Nichts (Sartre) (write-in) um 20–17 |
| 24. Logische Untersuchungen (Edmund Husserl) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 39–14, verliert gegen Das Prinzip Hoffnung (Ernst Bloch) (write-in) um 20–13 |
| 25. Logik der Forschung (Popper) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 41–14, verliert gegen Logische Untersuchungen (Edmund Husserl) (write-in) um 20–18 |
| 26. Unentschieden: Wahrheit und Methode (Gadamer) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 41–13, verliert gegen Das Prinzip Hoffnung (Ernst Bloch) (write-in) um 18–15 Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Lorenz) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 39–15, verliert gegen Logik der Forschung (Popper) (write-in) um 19–18 |
| 28. Tübinger Einleitung in die Philosophie (Ernst Bloch) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 38–15, verliert gegen Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Lorenz) (write-in) um 22–14 |
| 29. Tractatus absolutus (Dornseiff) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 41–11, verliert gegen Tübinger Einleitung in die Philosophie (Ernst Bloch) (write-in) um 16–14 |
| 30. Historische Gerechtigkeit (Lukas H. Meyer) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 40–14, verliert gegen Tractatus absolutus (Dornseiff) (write-in) um 17–14 |
| 31. Masse und Macht (Canetti) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 42–12, verliert gegen Historische Gerechtigkeit (Lukas H. Meyer) (write-in) um 18–14 |
| 32. Staat (PLaton) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 40–14, verliert gegen Masse und Macht (Canetti) (write-in) um 20–13 |
| 33. Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (Popper) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 41–9, verliert gegen Staat (PLaton) (write-in) um 19–14 |
| 34. Denker des Abendlandes (Bertrand Russell) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 44–8, verliert gegen Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (Popper) (write-in) um 16–14 |
| 35. Philosophy Without Intuitions (Capellen, H.) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 41–16, verliert gegen Denker des Abendlandes (Bertrand Russell) (write-in) um 17–16 |
| 36. Geist, Sprache und Gesellschaft (Searle) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 43–10, verliert gegen Philosophy Without Intuitions (Capellen, H.) (write-in) um 18–17 |
| 37. Der Blick von Nirgendwo (Thomas Nagel) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 43–7, verliert gegen Geist, Sprache und Gesellschaft (Searle) (write-in) um 15–13 |
| 38. Der Begriff des Geistes (Ryle) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 44–10, verliert gegen Der Blick von Nirgendwo (Thomas Nagel) (write-in) um 14–12 |
| 39. Kritik der Reinen Vernunft (Kant) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 44–6, verliert gegen Der Begriff des Geistes (Ryle) (write-in) um 13–11 |
| 40. Unentschieden: Tractatus logico-philosophicus (Wittgenstein) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 46–8, verliert gegen Kritik der Reinen Vernunft (Kant) (write-in) um 16–11 Die Welt als Wille und Vorstellung (Schopenhauer) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 42–8, verliert gegen Kritik der Reinen Vernunft (Kant) (write-in) um 13–12 |
| 42. Mind and World (McDowell) (write-in) verliert gegen Wer bin ich und wenn ja, wie viele (Richard David Precht) (write-in) um 45–9, verliert gegen Die Welt als Wille und Vorstellung (Schopenhauer) (write-in) um 14–12 |
6. Mai 2013 3 Kommentare
Die Journalistin Larissa MacFarquhar, die regelmäßig für den New Yorker schreibt, arbeitet zur Zeit an einem Buch über Moralheilige (moral saints). Darin portraitiert sie eine Reihe von Persönlichkeiten, die ihr Leben nach strikt moralischen Grundsätzen führen. So z.B. ein Paar aus Boston, das streng nach utilitaristischen Grundsätzen lebt und so viel wie möglich vom eigenen Einkommen für wohltätige Zwecke spendet. Im Boston Review ist ein sehr spannendes Interview mit ihr erschienen, in dem sie über die Erfahrungen beim Schreiben dieses Buches berichtet:
Unter anderem wird wohl auch Derek Parfit portraitiert. Eine nette Anekdote über Parfit erzählt sie bereits im Interview:
As for his various eccentricities, I don’t think they add anything to an understanding of his philosophy, but I find him very moving as a person. When I was interviewing him for the first time, for instance, we were in the middle of a conversation and suddenly he burst into tears. It was completely unexpected, because we were not talking about anything emotional or personal, as I would define those things. I was quite startled, and as he cried I sat there rewinding our conversation in my head, trying to figure out what had upset him. Later, I asked him about it. It turned out that what had made him cry was the idea of suffering.
5. Mai 2013 Hinterlasse einen Kommentar
So offenherzig beendet Bertrand Russell unerfreuliche Briefkontakte:
3. Mai 2013 2 Kommentare
Hans Ulrich Gumbrecht gilt ja als Star-Germanist, vermutlich weil er es wie kein zweiter schafft, immer dann unglaublichen Blödsinn zu produzieren, wenn’s theoretisch oder gar philosophisch wird. Wer sich davon überzeugen will, kann in die argumentfreien Bücher Diesseits der Hermeneutik oder Präsenz schauen – oder gar in sein FAZ-Blog. Dort hat sich HUG nun gedacht, dass er doch mal was zu Tieren und Tierfreunden sagen könnte. Denn mit beiden kann er sich nicht so richtig anfreunden. Sinn und Zweck des Artikels verstehe ich nicht, aber wurscht, erfahrungsgemäß bringt da auch Nachbohren nichts. Merkwürdig daneben fand ich nur, was HUG über Peter Singer zu sagen hat, der laut HUG…
… “animal rights” nicht einfordert, weil er unterstellt, dass Tiere den Menschen so ähnlich sind, sondern gerade weil wir eine unüberbrückbare Verschiedenheit zwischen ihnen nicht ausschließen können. Ob und wie ein Tier beim Schlachten “leidet,” werden wir nie wissen, und gerade deshalb, meint Singer, brauchen wir “animal rights.” (http://blogs.faz.net/digital/2013/04/26/adolf-hitler-und-andere-tierfreunde-240/)
Natürlich hätte man auch direkt mal bei Singer nachlesen können. Und wer hätt’s gedacht, in der Praktischen Ethik gibt es einen Abschnitt, der ausgerechnet mit “Woher wissen wir, daß Tiere Schmerzen fühlen können?” übertitelt ist. Also nicht übermäßig schwer zu finden, selbst wenn man nicht das ganze Buch lesen will. Dort steht nun:
Tiere, die Schmerzen haben, benehmen sich so wie Menschen in dieser Lage, und ihr Benehmen rechtfertigt in hinreichendem Maße die Überzeugung, daß sie Schmerzen empfinden.
(Singer, P. 1994: Praktische Ethik, 2.Aufl., Stuttgart: Reclam, S.99)
Man muss mit diesem Argument nicht einverstanden sein (klingt nämlich ziemlich zirkulär), aber man sollte doch auch als Star-Germanist zur Kenntnis nehmen, dass hier das genaue Gegenteil von dem gesagt wird, was man selbst über Singer behauptet: Wir wissen ziemlich gut, wie ein Tier beim Schlachten leiden kann! Genauso wie wir ziemlich gut wissen, wann andere Menschen leiden. – Auch ist das natürlich nicht Singers einziges Argument, denn er schreibt Tieren nicht nur die Fähigkeit zu, Schmerzen zu empfinden, sondern z.T. auch begriffliche Fähigkeiten, die Möglichkeit, Zukunftserwartungen auszubilden, usw. All diese Faktoren sind für Singers Tierethik relevant.
Vielleicht ist das ein bisschen pingelig und meiner Abneigung gegenüber den Schwafel-Texten von Gumbrecht geschuldet. Aber erstens macht das nix, und zweitens erreiche ich mit dieser Nadelstichtaktik vielleicht, dass der geschätzte Kollege Schneidegger vom Lichtwolf zur Besinnung kommt und in der wöchentlichen Linkliste nicht so häufig auf den HUG-Blog verweist!
1. Mai 2013 Hinterlasse einen Kommentar
David Bourget und David Chalmers haben empirisch untersucht, welche Überzeugungen Philosophen vom Fach haben. Das Paper, das demnächst in den Philosophical Studies erscheinen wird, haben die beiden vorab schonmal online gestellt:
Das Paper stützt sich auf die wohlbekannte PhilPapers-Umfrage. Wer die kennt, den werden die Ergebnisse nicht sonderlich überraschen. Allerdings haben Bourget und Chalmers auch “Correlations between philosophical views”, “Gender effects”, “Age effects”, “Specialization effects”, “Identification effects” und den Einfluss weiterer Faktoren untersucht.
Bei vielen Themen herrscht natürlich Uneinigkeit, aber nicht bei allen. Zum Teil gibt es sogar völlig klare Kräfteverhältnisse. Ein Außenweltskeptizismus zum Beispiel wird von nur rund 4% der Philosophen vertreten (wer zum Teufel war das?), über 80% dagegen vertreten einen “non-skeptical realism”. Ähnlich hohe Übereinstimmungen gibt es auch bei anderen (und wichtigeren) Fragen. Das ist insofern ganz nett, als dass es ja ein gängiges Vorurteil gegenüber der Philosophie ist, dass es da nirgends soetwas wie einen Konsens gäbe. Aber 70-80% Übereinstimmung unter Fachleuten ist bei einem nicht-naturwissenschaftlichen Fach doch schon ganz ordentlich.
Zusätzlich wurde die PhilPapers Metasurvey ausgewertet, bei der Philosophen gefragt wurden, welche Umfrageergebnisse sie bei der Umfrage erwarten. Laut den Autoren sind die Voraussagen der Philosophen nicht besonders gut. Mit der Einschätzung des eigenen Fachs liegt’s also noch etwas im Argen.
27. April 2013 7 Kommentare
Bei PEA Soup werden Romane mit philosophischen Protagonisten oder Themen gesammelt:
Da ist schon ganz schön was zusammengekommen. Wittgenstein scheint sich besonders für eine literarische Verarbeitung zu eignen, wenn man sich die Liste so anschaut.
26. April 2013 1 Kommentar
Vielen Dank an alle, die weitere Kandidaten beigesteuert haben! Die Liste mit nun 42 Kandidaten kann sich m.E. sehen lassen. Merkwürdig übrigens, dass es ausgerechnet 42 Bücher sind… Aber gut, damit ist die Umfrage eröffnet:
Hinweis zum Verfahren: Das schlechteste Buch muss den besten Rang, also eine “1″ bekommen. Das beste der aufgelisten Bücher folglich die “42″.
Lasst euch Zeit und wählt weise. Die Umfrage bleibt für eine Dauer von 2 Wochen geöffnet, endet also am 10. Mai 2013. Wer mag, kann seine Wahl hier gerne öffentlich machen und begründen.
26. April 2013 1 Kommentar
Ja, diese Überschrift klingt für das ein oder andere Ohr vielleicht etwas schmutzig. Und richtig gehört, denn es geht um Literaturwissenschaft. Geschlechter, Büros und Tiere sind da anscheinend der neueste Schrei. Ich bin ja großer Fan von wissenschaftlichen Newslettern und mailing-Listen, insbesondere von Tagungsankündigungen und Call-For-Papers in den Geisteswissenschaften. Vor allem mag ich die Email-Liste von H-Germanistik. Dort bekommt man einen guten Einblick, was gerade im Fach en vouge ist. Hier eine kleine Blütenlese der letzten Zeit:
In einem Call for Papers für eine Tagung über “Synthese und Perspektiven der Konstitution von Raum und Geschlecht” kann man zum Beispiel lernen, dass “Raum nicht ohne Geschlecht zu denken ist und vice versa. Zu den drängenden Forschungsfragen gehört daher diejenige nach der Verschränktheit von Raum und Geschlecht.” Eine der weiteren (wie immer: “drängenden”!) Forschungsfragen auf diesem Symposium ist: “Inwiefern sind [...] Mobilitäten abhängig von Geschlechterordnungen und räumlichen Anordnungen bzw. wie werden diese durch die Bewegungen von Subjekten und Objekten neu verhandelt?” Wer also lernen will, warum Mobilitäten (?) abhängig von Geschlechterordnungen (??) sind und zudem “durch die Bewegungen von Subjekten und Objekten neu verhandelt” werden (???), der sollte mal ganz mobil den Raum durchqueren, ohne sich dabei sein Geschlecht zu verschränken, und sich dort blicken lassen.
Auch nett: Ein Call for Papers für eine Tagung mit dem hübschen Titel “Das Büro als Interieur“. Dort “figuriert [das Büro] als ein Dispositiv, als «heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze, kurz: Gesagtes ebenso wohl wie Ungesagtes umfasst». (Foucault 1978)” Falls jemand weiß, welche philosophischen Lehrsätze Büros in der Regel umfassen, bin ich für Hinweise dankbar. Ansonsten gibt’s sicher bald einen Sammelband zu den Büro Studies oder sogar den Büro Turn.
Natürlich gibt es auch dieses Jahr wieder eine Summer School für die Animal Studies mit sage und schreibe 33 Stipendien. Dort wird man sich laut Ausschreibung einig darüber sein, dass Tiere “sowohl Ordnungszeichen als auch Ordnungsinstrumente” sind und dass sie “als Figurationen von Abweichungen und Ausschließungen” betrachtet werden können. Als blinder Hund kann ich das natürlich nur unterschreiben.
Ich will gar nicht abstreiten, dass solchen Verlautbarungen sinnvolle Forschungsprojekte zugrunde liegen können. Allerdings reizt es mich persönlich eher zum Lachen, wenn relativ triviale Sachverhalte so dermaßen rhetorisch aufgebläht präsentiert werden. Aber so ist das wohl. Das betrifft auch nicht nur die literaturwissenschaftlichen Werbeschriften – dort finde ich persönlich es nur besonders auffällig, wie massiv Schwurbeleien dieser Art zu finden sind. Rhetorische Aufgeblasenheiten dieser Art findet man aber genauso in anderen Geisteswissenschaften.
22. April 2013 Hinterlasse einen Kommentar
In der FAZ hat Maximilian Krämer ein (kurzes) Plädoyer dafür gehalten, dass Philosophie im Schulunterricht eine größere Rolle spielen sollte:
Leider gibt er aber nur ein einziges Argument dafür:
Es kann auch kaum Zweifel daran bestehen, dass in der Philosophie grundlegende Kompetenzen ausgebildet werden, die der Entwicklung der Schüler und der Befähigung für andere Fächer zugute kommen, zum Beispiel eine gewisse argumentative Souveränität und die Fähigkeit, Begründungsstrukturen zu analysieren.
Aber das ist immerhin richtig.
21. April 2013 Hinterlasse einen Kommentar
Das Philoblog hat schon drauf hingewiesen – Norbert Hoerster war beim Philosophischen Radio zu hören:
Sowohl Moderator Wiebicke als auch Hoerster sind nicht gut bei Stimme. Die Rache Gottes für kritische Fragen?
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