Die Existenz Gottes: Russell vs. Copleston
14. Juli 2012 Hinterlasse einen Kommentar
Im Jahr 1948 lieferten sich Bertrand Russell und der jesuitische Philosoph Frederick Copleston ein Streitgespräch, das die BBC im Radio übertrug. Thema war der kosmologische Gottesbeweis, in der Version des “argument from contingency“:
(Hinweis von marie.)
Die Soundqualität ist nicht besonders gut, aber das Dokument ist dennoch eindrücklich. Vor allem wenn man bedenkt, was es 1948 hieß, offen Atheist zu sein bzw. wie Russell Agnostizismus mit heftiger öffentlicher Kritik am Christentum zu verbinden. In Philip Roths Roman Indignation gibt es eine schöne Stelle, in der Marcus Messner, ein junger Collegestudent, dem Collegevorsteher Mr. Caudwell mit einem langen, auswendig vorgetragenen Russell-Zitat aus Why I Am Not A Christian erklären will, warum er nicht an Gott glaubt und daher nicht an den regelmäßigen Gottesdiensten teilnehmen will, die ihn zu Tode langweilen und geradezu anwidern. Die Szene spielt Ende der 40er Jahre und die Antwort von Caudwell gibt wohl recht gut wieder, welchen Ruf Russell bei vielen Menschen zu dieser Zeit genoss:
“I admire your ability to memorize and retain abstruse reading matter even if I don’t necessarily admire whom an what you choose to read and the gullibility with which you take at face value rationalist blasphemies spouted by an immoralist of the ilk of Bertrand Russell, four times married, a blatant adulterer, an advocate of free love, a self-confessed socialist dismissed from his university position for his antiwar campaigning during the First War and imprisoned for that by the British authorities.”
(Philip Roth: Indignation, Boston, New York, 2008, S.105)
Eine Transskription der Russell-Copleston-Debatte, die über den Ausschnitt des youtube-Videos hinausgeht, findet man hier.

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