Wer gewinnt die EM 2012?

Wolfram Eilenberger vom Philosophie Magazin findet die deutsche Nationalmannschaft zu nett und hat den Geiheimtipp Polen parat. (Hinweis wie so oft via philolink.) Und da, eleganter Themenwechsel, Jürgen Habermas immer Recht hat und unentwegt fordert, dass die Bürger Europas mehr wählen dürfen können sollen, gebe ich hiermit den an philosophischen Themenblogs interessierten Bürgern Europas die Möglichkeit, ihren Favoriten zu wählen. Ich leg mich heute fest: Niederlande. Ich wünschte, es käme anders, aber unter Ausschaltung aller irrationalen Faktoren haben Vernunft und Logik mich zu diesem deprimierenden Ergebnis geführt. Wer Mut hat, bekennt sich in den Kommentaren zu seiner Wahl!

Welche Philosophiepreise gibt es eigentlich?

Mir ist aufgefallen, dass ich kaum (deutsche) Preise kenne, die für philosophische Leistungen vergeben werden. Daher möchte ich mal ein bisschen sammeln und bitte um Mithilfe, wenn jemand ergänzen kann. Denn Preise haben zwar einerseits immer was Merkwürdiges, andererseits haben sie auch eine ganz sinnvolle Funktion, um etwas Struktur in einen unübersichtlichen Publikationsmarkt zu bringen. Das wichtigste an Ihnen ist jedoch, dass sie mit etwas Kohle verbunden sind, die man in leckeren Käse und Wein investieren kann. Daher habe ich, wenn möglich, auch immer die Höhe der Dotierungen erwähnt. Viele der Preise sind keine reinen Philosophenpreise:

  • Meister-Eckhart-Preishttp://www.meister-eckhart-preis.de/ Wird seit 2001 verliehen an Leute, die “in ihren Arbeiten mit den Widersprüchen der persönlichen, sozialen und interkulturellen Identität des Menschen auseinandersetzen und die durch ihr Wissen und Wirken einen Diskurs in einer breiteren Öffentlichkeit anstoßen”. Gibt phantastische 50.000 Euro, die Preisträger sind bisher echte Schwergewichte: unter anderem Richard Rorty, Claude Lévi-Strauss, Ernst Tugendhat und Amartya Sen.
  • Karl-Jaspers-Preis: http://www.heidelberg.de/servlet/PB/menu/1149145/index.html Wird verliehen für “ein wissenschaftliches Werk von internationalem Rang [...], das von philosophischem Geist getragen ist. Die wissenschaftliche Bedeutung soll die Grenzen einer geisteswissenschaftlichen oder psychiatrischen Fachdisziplin zugunsten einer interdisziplinären Verständigung überschreiten.” Solche “von philosophischem Geist getragenen” Bücher legten anscheinend vor: Hans-Georg Gadamer, Paul Ricœur, Jürgen Habermas (natürlich), Robert Spaemann, Michael Theunissen u.a. Preisgeld: 5.000 Euro.
  • Preise, die die Gesellschaft für analytische Philosophie (GAP) ausschreibt: http://www.gap-im-netz.de/preise/preise.html Der wichtigste ist der Stegmüller-Preis (12.000 Euro für 3 Preisträger) für die beste Qualifikationsschrift (Dissertation oder Habilitation) und kann also als “Nachwuchspreis” gelten.
  • Friedrich-Nietzsche-Preis: http://www.sachsen-anhalt.de/index.php?id=pghois633quu Wird verliehen für “ein deutschsprachiges essayistisches oder wissenschaftliches Werk zu philosophischen Fragen”. Mit 15.000 Euro der höchstdotierte Preis in Deutschland für philosophisch-essayistische Werke. Allerdings hat’s bisher kaum Philosophen erwischt. Zuletzt immerhin Ludger Lütkehaus.
  • Hegel-Preis: http://www.stuttgart.de/item/show/53850 Gibt’s schon seit 1967, zu den Preisträgern zählen namenhafte Leute wie Donald Davidson, Charles Taylor, Jürgen Habermas, Dieter Henrich u.a. Der Gewinner erhält 12.000 Euro zum Verprassen.
  • Philosophischer Buchpreis: http://www.fiph.de/veranstaltungen/preisfrage/Buchpreis-2010.php Wird vergeben vom Forschungsinstituts Philosophie Hannover (FIPH), gibt 2.5000 Euro auf die Kralle für die “beste Neuerscheinung der letzten drei Jahre zu einem aktuellen Themenbereich der praktischen Philosophie”. Die bisherigen Preisträger waren Andreas Lienkamp (2010) und Avishai Margalit (2012)
  • Theodor-W.-Adorno-Preis: http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=8650&_ffmpar[_id_inhalt]=21490 Wird nicht nur an Philosophen vergeben, aber einige finden sich immerhin darunter. Es winken stolze 50.000 Euro!
  • Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken: http://www.hannah-arendt.de/preistraeger/frame_preis.shtml Gibt’s überraschenderweise für “politisches Denken”. Soll ja vorkommen. Immerhin schon an Kurt Flasch vergeben. 7.500 Euro versüßen den Gewinn.
  • Ernst-Bloch-Preis: http://www.bloch.de/content/view/39/57/ Wird vergeben für “herausragendes wissenschaftliches oder literarisches Schaffen mit philosophischer Grundhaltung [...], das für unsere Kultur in kritischer Auseinandersetzung mit der Gegenwart bedeutsam ist.” Daher werden nicht nur Philosophen ausgezeichnet. Geehrt wurden bisher u.a. Seyla Benhabib und Michael Pauen.
  • Helmholtz-Medaille: http://de.wikipedia.org/wiki/Helmholtz-Medaille Kein reiner Philosophiepreis, aber immerhin. Habermas hat schon eine. Habermas hat sowieso schon alle Preise. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 2.500 Euro.
  • Alexander-von-Humboldt-Professurhttp://www.humboldt-foundation.de/web/4410.html Wurde, soweit ich gesehen habe, bisher nur an zwei Philosophen vergeben: Hannes Leitgeb und Michael Neil Forster. Auch kein reiner Philosophiepreis, aber mit 3,5 Millionen Euro für 5 Jahre Forschung kann man schon was anfangen. Ich würde jedenfalls annehmen. Aber mich hat bisher aus mir unbekannten Gründen noch keiner gefragt.
  • Meyer-Struckmann-Preis für Geistes- und Sozialwissenschaftliche Forschunghttp://www.meyer-struckmann.de/ (20.000 Euro) Auch kein reiner Philosophiepreis, und soweit ich gesehen habe, wurde hier auch noch kein Philosoph ausgezeichnet – aber kann ja noch kommen.
  • Mindelheimer Philosophiepreis (heißt wirklich so): http://www.philosophiepreis.de/ Wird von Schülern vergeben.

Es gab mal einen Internationalen Kant-Preis der ZEIT-Stiftung, der u.a. an Peter Strawson, Dieter Henrich und Konstantin Pollock (Nachwuchsförderpreis) vergeben wurde. Aktuelles habe ich zu diesem Preis aber nicht gefunden. Philosophen können natürlich auch den höchsten deutschen Wissenschaftspreis, den Leibnizpreis der DFG gewinnen – aber bisher waren das, soweit ich gesehen habe, nur wenige (…). Und warum hat eigentlich die Gesellschaft für deutsche Philosophie keinen Preis? Skandal!

Zeitungsartikel zum 90. Geburtstag von Karl-Otto Apel

Zum 90. Geburtstag des Diskursethikers Karl-Otto Apel (philosophisch sozusagen ein Habermas in “interessant” und mit Letztbegründung) sind ein paar ganz interessante Artikel erschienen:

Auch in anderen Zeitungen erschienen Artikel, ein sehr schlechter in der Printausgabe der FAZ vom 12. März, ein recht guter, aber kritischer in der Neuen Zürcher Zeitung (ebenfalls Printausgabe) und ein eher nichtssagender hier.

Kardinal Lehmann über die Theologie

Das Philoblog weist auf eine wirre und peinliche Rede von Kardinaloberfeldwebel Lehmann hin:

Am besten finde ich die Passage, wo Abweichlern unter den Theologen “Demut und Bescheidenheit” anempfohlen wird, damit sie nicht “ins Abseits” geraten:

Dabei wird der Theologe, gerade wenn er neue Verstehensversuche schafft, immer daran denken müssen, dass er diese nicht nur in eine grundsätzliche Übereinstimmung mit dem bleibenden Wesen des Glaubens der Kirche bringt, sondern dass er sich bewusst ist, den Menschen der Kirche ein Verständnis anzubieten, das auch seinerseits Zustimmung und Akzeptanz erfährt. Er macht ein Verstehensangebot, ist aber auch hier abhängig vom Einvernehmen der Kirche.

Und solcher Mist wird an deutschen Universitäten gelehrt (die Universitätslehre ist personell und inhaltlich vollständig in der Hand der Kirchen, bezahlt wird sie aber vom Steuerzahler). Die Worte des Kardinaloberwachtmeisters muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wissenschaftlichkeit und Vernunft – also das, was an Universitäten der Standard sein sollte – sind mit solchem autoritärem Gebrabbel nicht vereinbar. Ich schlage vor, dass die Kirchen freiwillig darauf verzichten, ihr predigendes Personal an Universitäten auf Kosten des Steuerzahlers ausbilden zu lassen und statt dessen eigene und selbstfinanzierte Institute gründen, an denen die Theologen dann so gefolgsam, unkritisch und autoritätsgläubig sein dürfen, wie sie (und vor allem die Kirchen) möchten.

P.S.: Habermas zitiert Lehmann natürlich aus dem Zusammenhang und biegt ihn sich für seine Zwecke zurecht.

“Der Letztbegründer” – Dokumentarfilm über Karl-Otto Apel

Auf youtube wurde vor kurzem ein schon etwas älterer Dokumentarfilm über Karl-Otto Apel hochgeladen:

Apels Philosophie (der er den etwas nach Schulphilosophie klingenden Namen “Transzendentalpragmatik” gab, die gewissermaßen einen “The best of Kant, Peirce and Wittgenstein”-Mix darstellt) ist heute nicht mehr besonders bekannt, jedenfalls ist das mein Eindruck. Apel ist mit Habermas einer der Hauptvertreter der Diskursethik, allerdings unterscheiden sich beide Ethikkonzeptionen in wesentlichen Punkten. Apel z.B. hält es für möglich, zumindest ein paar wenige Moralprinzipien letztzubegründen (was Habermas von Anfang an ablehnte), und Letztbegründungen sind in der Philosophie ja schon seit längerem aus der Mode und scheinen für viele verdächtig zu sein.

Steve Pyke: Photos von Philosophen

Sicher nix neues, aber ich hab’s grad erst entdeckt – tolle Photographien von Philosophen, geknipst von Steve Pyke:

Einige davon sind ziemlich bekannt, z.B. die Aufnahmen von Habermas und David Lewis. Manche Philosophen sehen so aus, als hätten sie eine Behinderung oder wären irre, manche wirken ungewöhnlich ausgezehrt, wie z.B. John Searle. Ich mag vor allem den Bart von John McDowell und den nerdigen Blick von Hartry Field. Über die google-Bildersuche findet man noch mehr: –>KLICKEN<– (Nicht irritieren lassen, zwischendrin taucht Kurt Cobain auf, leicht zu verwechseln mit David Chalmers.) Darunter auch Harry G. Frankfurt, der so aussieht, als hätte er gerade eine Bratwurst gegessen.

Habermas habermast in der FAZ über Griechenland

Habermas äußert sich in der FAZ zu Griechenland (in einem Kommentar zu diesem Artikel Frank Schirrmachers):

Es geht mir mit diesem Artikel wie so oft mit Habermas: Stimmt schon, was da er so sagt, auch die stets auf demokratische Prozesse gerichtete Tendenz gefällt mir – aber letztlich wabert alles so halb und trivial im Habermas-Jargon dahin, so dass man nach dem Lesen auch nicht viel schlauer ist als vorher.

Zum Inhalt: Habermas findet Papandreous ursprüngliche Idee, das Volk entscheiden zu lassen, prinzipiell begrüßenswert und sieht in Papandreous Rückzieher etwas, das für Europa symptomatisch ist:

Erst die Peripetie, Papandreous Kehrtwende, enthüllt den zynischen Sinn dieses griechischen Dramas – weniger Demokratie ist besser für die Märkte.

Am Ende plädiert er dann, neben der obligatorischen Forderung nach Regulierung der Banken und des Finanzmarkts, für eine gemeinsame europäische Verfassung, die zunächst in der breiten Öffentlichkeit diskutiert und dann, so wie ich Habermas verstehe, durch die Abstimmung der Bürger legitimiert werden soll:

Es fehlt am politischen Willen zur globalen Einigung, weil die Institutionen fehlen, die eine supranationale Willensbildung und die globale Durchsetzung von Beschlüssen erst ermöglichen würden. Auch aus diesem Grunde müssten die Staaten der Europäischen Währungsgemeinschaft die Krise als Chance begreifen und mit der Absicht, ihre politische Handlungsfähigkeit auf supranationaler Ebene zu verstärken, Ernst machen. [...]

Die überfällige Kontroverse über Notwendigkeit und Nutzen eines solchen Projekts muss in der breiten Öffentlichkeit ausgetragen werden. Das verlangt allerdings von den politischen Eliten nicht nur den üblichen Spagat zwischen Bürgerinteressen und dem Rat der Experten. Die erneute Anbahnung eines verfassungsgebenden Prozesses würde vielmehr ein Engagement verlangen, das von den Routinen des Machtopportunismus abweicht und Risiken eingeht. Dieses Mal müssten die Politiker in der ersten Person sprechen, um die Bürger zu überzeugen.

Welche “Institutionen” genau fehlen, wie er im ersten hier zitierten Satz feststellt, sagt Habermas leider nicht.

Ein bisschen Habermas-Fish-Gossip (inkl. grünem Jaguar!)

Stanley Fish berichtet in seiner Kolumne in der New York Times, dass Jürgen Habermas immer zu seinen Hassfiguren gehörte und sozusagen sein intellektuelles Feindbild abgab. Der Ausdruck “sounds like Habermas” ist für ihn sprichwörtlich geworden – und natürlich abwertend gemeint. Fish vermied stets, Habermas persönlich zu treffen, um sein Urteil nicht korrigieren zu müssen. Der Artikel ist nicht weiter wichtig, Fish beschreibt seine Beziehung zu Habermas aber recht unterhaltsam:

Habermas (sounds like Habermas)

The German philosopher Jürgen Habermas is a luminary who occupies such a place in my anti-pantheon. I have been throwing verbal brickbats at Habermas for years (I once even called for him to be prevented from writing anymore; I didn’t specify the means), poking academic fun at his slogans (like “ideal speech situation” and “universal pragmatics”) and trumpeting the emptiness of his program to anyone who would listen.

In den Kommentaren gibt ein (ehemaliger?) Student der Universität Chicago noch eine ganz nette Anekdote über Fish und seinen grünen Jaguar zum besten:

As an undergraduate at the University of Illinois-Chicago, I was active in protests against our highly-compensated administration, which took the form of our Dean in the college of Liberal Arts and Sciences, Professor Fish. His hotshot public profile made him a good target, and our signs would feature the cover of his “The Trouble With Principle”, adding an “s” to the end of the title. We poked fun at his expensive green Jaguar sports car —- why do our adjunct professors barely make rent while this guy is peacocking around town in a $70k automobile?

One day in an elevator, I ran into Professor Fish. I asked him his thoughts on our protests. “It’s fine, really, but do me a favor —- tell your friends that my car cost me $80 grand, not $70 grand.” He smiled and got off.

Humor kann man dem Mann nicht absprechen.

Vorlesungen von Wolfgang Welsch zur Frankfurter Schule

Im blog Political Theory wird auf eine youtube-Videoreihe mit Vorlesungen von Wolgang Welsch verlinkt, in denen er die Frankfurter Schule vorstellt. Ich habe nur mal in die erste Habermas-Vorlesung hineingehört, scheint sehr klar und verständlich zu sein, so dass man einen guten Überblick über die geistige Entwicklung der Jungs bekommen dürfte.

Welsch ist Professor für Philosophie in Jena und hat v.a. zur Ästhetik, zu Hegel und zum Begriff der Vernunft gearbeitet. Online zugängliches Material gibt’s auf seiner Webseite.

Umfrage: Das beste Ethikbuch der letzten 200 Jahre

Brian Leiter von LeiterReports macht eine spannende Umfrage dazu, welches Buch in den letzten 200 Jahren das beste Ethikbuch war. Hier geht’s direkt zur Umfrage:

Mich wundert ein bisschen, wer da alles dabei ist. Habermas’ Theorie des kommunikativen Handelns ist ja eigentlich kein Werk über Ethik, jedenfalls nicht im engeren Sinne. Auch dass Adorno, Buber und Foucault auftauchen, wundert mich etwas. Ich persönlich werde nicht mitvoten, schätze aber Rawls’ Theory of Justice als das wirkmächtigste und Mackies Ethics als das interessanteste Buch ein. Ich fühle mich aber nicht gut genug informiert, um ein fundiertes Urteil abgeben zu können.

Precht in Lüneburg

Richard David Precht wird Honorarprofessor an der Leuphana-Universität Lüneburg, wie ich gestern durch Zufall erfuhr. Mein erster Gedanke war: Na sicher! Kaum schreibt jemand ein Buch im Goldmann-Verlag und palavert sich anschließend mit wallendem Haar durch die Talkshows, gilt er als Philosoph und bekommt in Deutschland auch noch eine Professur. Sloterdijk hat’s ja vorgemacht, wie man mit einer gewissen rhetorischen Begabung, zitierfähiger Frisur und nasezudrückender Brille als jemand durchkommt, der was Interessantes zu sagen hätte.

Aber der Fall liegt bei Precht vielleicht etwas anders. Vermutlich wird von ihm zwar ähnlich wie bei Sloterdijk kein relevanter Beitrag zu akademischen philosophischen Debatten zu erwarten sein. Aber immerhin begnügt er sich nicht mit der Rolle des näselnden Zeitgeistformulierers. Er sieht sich ja offenbar in einer Vermittlerposition zwischen akademischer Philosophie und Öffentlichkeit, ohne den peinlichen Sloterdijkschen Daueranspruch auf Originalität.

Anders als bei Sloterdijk nehme ich ihm sein gesellschaftliches Engagement ab. In einem Interview mit Thomas Metzinger  (das ich wirklich empfehlen kann) lässt er nicht nur Metzinger zur Entfaltung kommen – gehört übrigens zu den soft skills eines Moderators, die Sloterdijk im Philosophischen Quartett stets vermissen lässt (bei den zwei Folgen, die ich mal gesehen habe) – , er bringt auch den ein oder anderen interessanten Vorschlag zur Verbesserung der philosophischen Ausbildung, Bemerkungen zur gesellschaftlichen Rolle der Philosophen usw. Das ist nicht alles revolutionär neu, aber soll’s ja auch nicht sein. Es scheint mir aber wichtig zu sein, dass sich die Philosophie um sowas kümmert.

Dass die Philosophen in Deutschland zu wenig in die Öffentlichkeit drängen, scheint mir jedenfalls unbestreitbar zu sein, gerade wenn man sich ansieht, wie etwa Philosophen wie Peter Singer auftreten. Natürlich gibt es noch ein paar Figuren, die wahrgenommen werden. Aber von Habermas kommen nur noch Plattitüden über die allgemeine Lage der Dinge und des Kosmos, von Sloterdijk kam sowieso nie was, und ansonsten kann man nur ab und zu mal Gunter Gebauer bewundern, wie er bei 3sat oder in der SZ gegen Doping ist.

Der geringe Einfluss der Philosophie auf aktuelle Debatten ist nicht nur die Schuld der ignoranten Öffentlichkeit, sondern auch eines von deutschen Philosophen gepflegten Gestus der Sauberkeit. Kaum einer will sich die Finger schmutzig machen und populär sein. Gerade in den ethischen Debatten um PID, Embryonenforschung, Atomkraft etc. hat die Philosophie ja was zu sagen. Welche Positionen und Argumente in der akademischen Philosophie vertreten und diskutiert werden, und warum manche permanent durch Zeitungen und Internetforen geisternden Argumente problematisch oder schlichter Unsinn sind, das müsste man so einfach und klar wie möglich darstellen und auch nicht davor zurückschrecken, sich mit solchen Totalausfällen wie Kardinaloberfeldwebel Meisner auseinanderzusetzen (hier sein jüngster Streich). Denn der wird gehört, Norbert Hoerster wohl eher weniger.

Es braucht Leute, die philosophische Positionen an eine breite Öffentlichkeit gut vermitteln können, und möglicherweise sind die Prechts dieser Welt da schlicht notwendig. Auch wenn sie keinen substantiellen Beitrag zur Philosophie selbst leisten, helfen sie doch dabei, den gesellschaftlichen Stellenwert der Philosophie nicht nocht weiter absacken zu lassen. Insofern ist eine Professur für Precht vielleicht gar nicht so verkehrt, auch wenn eine Professur für die Vermittlung von Philosophie und Öffentlichkeit sicher sinnvoller wäre als eine Professur, in der er Bachelor-Studenten in die Philosophie einweiht.

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