Die Papstrede im Bundestag hat mal wieder in aller Deutlichkeit gezeigt, dass der Papst kein tiefer Denker, sondern ein großer Depp ist. Bei manchen gilt er ja wohl als philosophisch bewandert, aber angesichts der grotesken Fehlschlussparade, die der Papst dem deutschen Volke da anbot, und seiner offenkundigen Intelligent-Design-”Argumentation”, kann man da doch zum Zweifel neigen. Der Wissenschaftsjournalist Markus C. Schulte von Drach, der tatsächlich so heißt, hat darüber einen schönen Artikel in der Süddeutschen geschrieben:
Am dümmsten ist m.E. Ratzingers peinlicher “Gottesbeweis”, wenn man das so nennen will. Von Drach schreibt dazu, Ratzinger zitierend:
“Wenn man die Natur als ein ‘Aggregat von als Ursache und Wirkung miteinander verbundenen Seinstatsachen’ ansieht, dann kann aus ihr [...] keine irgendwie geartete ethische Weisung hervorgehen”, zitiert er [Ratzinger] den Rechtswissenschaftler Hans Kelsen. Normen, so fährt er fort, könnten nur aus dem Willen kommen. “Die Natur könnte folglich Normen nur enthalten, wenn ein Wille diese Normen in sie hineingelegt hat. Dies wiederum würde einen Schöpfergott voraussetzen, dessen Wille in die Natur miteingegangen ist.”
Das Argument geht also so:
(P1) Die Natur enthält Normen.
(P2) Normen können nur durch einen Willen in die Natur hineingelegt werden.
(K) Also gibt es einen Schöpfergott.
Schon Prämisse 1 ist eine völlig unbegründete Setzung und steht in direktem Gegensatz zum Sein-Sollen-Fehlschluss (auch bekannt als “Humes Gesetz”), der besagt, dass aus dem Sein (der Natur) kein Sollen (keine Normen) abgeleitet werden kann. (Beispiel: Nur weil der Mensch ein Fleischesser ist und Fleisch essen kann, folgt nicht, dass er auch Fleisch essen sollte.) Wer Humes Gesetz für falsch erklärt, sollte das gut begründen können. Hat Ratzinger natürlich nicht gemacht, kann er auch gar nicht.
Prämisse 2 ist auch wacklig, es ist durchaus nicht klar, dass Normen nur durch “einen Willen” zustande kommen können. Wenn die Natur überhaupt Normen haben sollte, was wie eben gesagt aufgrund von Humes Gesetz ziemlich unplausibel ist, dann könnten diese Normen schlicht schon immer existiert haben, einfach so, ohne dass sie jemand hineinlegte.
Dann fehlt in diesem Argument eine unterdrückte Prämisse, ohne die es logisch überhaupt nicht gültig wäre (von Schlüsskeit mal ganz abgesehen). Es fehlt die Prämisse (P3), dass der Willen, der Normen in die Natur gelegt hat, tatsächlich auch dem Schöpfergott gehört. Vielleicht gehört er aber auch einem ganz anderen, nichtchristlichen Gott, nennen wir ihn mal Rainer. Es könnte so sein, dass die Natur ewig existierte oder auch mit dem Urknall anfing, und Gott Rainer kam erst etwas später, legte ein paar Normen in die Natur, und verschwand dann wieder.
Kurz: Ratzinger redet einen Haufen unausgegorenen Unfug und ist nach Sloterdijk ein weiterer Anwärter auf den Schwafelhannes-of-the-year-Award.
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