Nagels “Mind and Cosmos”

Thomas Nagels jüngstes Buch Mind and Cosmos hat ja eine Menge Aufmerksamkeit bekommen, weil es vermeintlich Öl ins Feuer der intelligent-design-Bewegung gießen würde. Nagel wurde dafür hart kritisiert – bei Interesse kann man sich mal durch’s Blog von Brian Leiter wühlen, in dem die Nagel-Debatte ausschnittsweise dokumentiert wurde. Ich kann das alles nicht beurteilen, da ich das Buch nicht kenne, aber diese Rezension von Kristina Musholt schien mir sehr fair zu sein:

Das Buch scheint zwar gravierende Mängel zu haben, die auch Musholt klar benennt (und angesichts der Tatsache, dass Nagel mal ganz oben in der Philosophenliga mitspielte, sind diese Mängel schon bedenklich…) -  dennoch hebt sie hervor, dass Nagels zentraler und relativ unspektakulärer Gedanke (= die Evolutionstheorie kann nicht erklären, warum es Bewusstsein gibt) den intelligent-design-Trotteln nicht in die Karten spielt.

Benedikts Blödsinn: eine Blütenlese in der SZ

Markus C. Schulte von Drach, bei dem ich nie weiß, wo der Vorname aufhört und der Nachname anfängt (vgl. auch J. Hillis Miller), hat in der SZ nochmal ein paar Dummheiten des scheidenden Geisterglauben-Oberbefehlshabers Ratzinger resümiert. Mir ist vollkommen unverständlich, wieso der intellektuelle Tiefflieger Ratzinger – einer der unredlichsten Denker, die ich mir vorstellen kann – von Politikern und Medienvertretern immer wieder als Intellektueller gefeiert wird (dass die eigenen Kirchenleute das tun, ist ja nicht verwunderlich: man hat schlicht nichts besseres). Der Mann scheitert geradezu grotesk an den simpelsten Anforderungen an vernünftige Argumentationen, erzählt am laufenden Band irrationalen Schwachsinn, der sich von dem Intelligent-Design-Unsinn allenfalls marginal unterscheidet, und mal mit Habermas aneinander vorbeizureden, dürfte auch nicht reichen, um intellektuelles Profil zu beweisen. Schulte von Drach (?) hat nun zusammengetragen, wie sich der Papst die Naturwissenschaften und die Evolutionstheorie so hinbiegt, dass sie in das katholische Weltbild passen. Wer wissen will, warum Gravitationskraft = göttliche Liebe ist, dem sei der Artikel wärmstens ans Herz gelegt:

Vincent Hendricks lädt mit fragwürdigen Bildern zu Logikkursen ein

Vincent F. Hendricks, ein dänischer Professor für Philosophie und einer der Herausgeber der Philosophiezeitschrift Synthese, die letztes Jahr aufgrund ihrer abstrusen Unterstützung für Vertreter des intelligent design zurecht einen Haufen Kritik bekam (was bis zu Boykottaufrufen ging), hat nun mit zweifelhaften Bildern für einen seiner Logikkurse geworben. In den englischsprachigen Philosophieblogs gab es daraufhin heftigste Vorwürfe, z.B. auch vom Feminist Philosphers-Blog. Mittlerweile hat Hendricks die Bilder von seiner Homepage genommen und sich öffentlich entschuldigt. Einige der Bilder kann man sich hier anschauen (man beachte den kreativen link-Namen):

Was ist eure Meinung? Ist das sexistischer Müll oder schlicht ein harmloser Scherz, über den man halt lachen oder nicht lachen kann? Mir selbst scheint die Aufregung in den Blogs etwas übertrieben zu sein, auch wenn Hendricks (siehe Synthese-Skandal) offensichtlich nicht der vertrauenswürdigste Philosoph aller Zeiten ist.

Ausschreibung: Schwafelhannes-of-the-Year-Award 2012 (inkl. Preisverleihung Schwafelhannes-of-the-Year-Award 2011)

Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr den Schwafelhannes-of-the-Year-Award zu verleihen. Damit werden vorbildliche Schwafeleien gewürdigt. Die Jury bin ich, außer mir fällt bis Ende des Jahres noch ein, wie man unkompliziert über die Preisvergabe abstimmen kann.

Hinweise auf Schwafelexzesse sind erbeten! Wenn jemandem irgendwo eine große Schwafelei aufällt, d.h. wenn irgendwo mit wichtig klingenden großen Worten völliger Unsinn oder Trivialitäten in die Welt posaunt werden, dann bin ich für Hinweise dankbar und poste den jeweiligen Fall ggf. in meinem Blog. Alle Schwafelhannes-of-the-Year-Anwärter werden mit dem tag “Schwafelhannes” versehen, so dass sie über die tag-clound (rechts unten im Blog) oder die Suchfunktion gefunden werden können.

Für’s letzte Jahr sind leider nur wenige Schwafelhannes-of-the-Year-Anwärter zusammengekommen, aber ich habe das Blog ja auch erst Mitte 2011 angefangen. Dennoch hier die offizielle Bekanntgabe der Gewinner des Schwafelhannes-of-the-Year Awards 2011. Die ersten drei Plätze gehen an:

  1. Papst -  für seinen intelligent-design-Schwachsinn: http://derblindehund.wordpress.com/2011/09/30/noch-kurz-was-zur-papstrede-neulich/
  2. Peter Sloterdijk – für “Gesellschaft als selbst-stressierendes, permanent nach vorne stürzendes Sorgen-System“: http://derblindehund.wordpress.com/2011/07/05/sloterdijk-faselt-mal-wieder-vor-sich-hin/
  3. Die Tagung “Homo Portans. Tragen – die Faszination des Selbstverständlichen”: http://derblindehund.wordpress.com/2011/09/19/homo-portans-oder-ein-tragetuch-fur-die-spatmoderne/

Den Preis für sein Lebenswerk erhält posthum Derrida: http://derblindehund.wordpress.com/2011/06/12/derrida-ist-zurecht-tot/

Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern.

Beweise für die Existenz von Feen

Eine mir bisher unbekannte Fee namens Tink R. Bell hat im Jahr 2008 einen (wie man wohl zugeben muss: kaum anfechtbaren) Beweis für die Existenz von Feen gebracht:

Tink R. Bell während einer Sprechstunde in ihrem Büro

Bells Argument geht ungefähr so:

  1. Schönheit ist eine nicht-natürliche Eigenschaft. (D.h. Schönheit lässt sich nicht vollständig natürlich erklären bzw. auf physikalische, chemische, biologische oder psychische Sachverhalte reduzieren.)
  2. Der Garten hat neben seinen natürlichen Eigenschaften die nicht-natürliche Eigenschaft der Schönheit.
  3. Den Übergang von natürlichen Eigenschaften eines Gartens zu nicht-natürlichen Eigenschaften kann nur durch die Existenz von Feen gewährleistet werden.
  4. Also existieren im Garten Feen.

Falls jemand Fragen zum Argument hat, kann er/sie sich über Steven D. Hales an Tink R. Bell wenden, wie am Ende des Aufsatzes gesagt wird:

Tink R. Bell is a garden fairy who lives and works in The Royal Botanical Gardens at Kew, London. Tink may be contacted through Steven D. Hales, Professor of Philosophy at Bloomsburg University, Pennsylvania.

Wem das Argument aus irgendwelchen Gründen immer noch zu schwach ist, der kann sich vielleicht mit diesem hier anfreunden:

  1. Es gibt viele youtube-Videos und Webseiten, die die Existenz von Feen bestätigen.
  2. Webseiten und vor allem youtube-Videos zeigen immer die Wahrheit.
  3. Also existieren Feen.

(Quelle)

Noch kurz was zur Papstrede neulich

Die Papstrede im Bundestag hat mal wieder in aller Deutlichkeit gezeigt, dass der Papst kein tiefer Denker, sondern ein großer Depp ist. Bei manchen gilt er ja wohl als philosophisch bewandert, aber angesichts der grotesken Fehlschlussparade, die der Papst dem deutschen Volke da anbot, und seiner offenkundigen Intelligent-Design-”Argumentation”, kann man da doch zum Zweifel neigen. Der Wissenschaftsjournalist Markus C. Schulte von Drach, der tatsächlich so heißt, hat darüber einen schönen Artikel in der Süddeutschen geschrieben:

Am dümmsten ist m.E. Ratzingers peinlicher “Gottesbeweis”, wenn man das so nennen will. Von Drach schreibt dazu, Ratzinger zitierend:

“Wenn man die Natur als ein ‘Aggregat von als Ursache und Wirkung miteinander verbundenen Seinstatsachen’ ansieht, dann kann aus ihr [...] keine irgendwie geartete ethische Weisung hervorgehen”, zitiert er [Ratzinger] den Rechtswissenschaftler Hans Kelsen. Normen, so fährt er fort, könnten nur aus dem Willen kommen. “Die Natur könnte folglich Normen nur enthalten, wenn ein Wille diese Normen in sie hineingelegt hat. Dies wiederum würde einen Schöpfergott voraussetzen, dessen Wille in die Natur miteingegangen ist.”

Das Argument geht also so:

(P1) Die Natur enthält Normen.

(P2) Normen können nur durch einen Willen in die Natur hineingelegt werden.

(K) Also gibt es einen Schöpfergott.

Schon Prämisse 1 ist eine völlig unbegründete Setzung und steht in direktem Gegensatz zum Sein-Sollen-Fehlschluss (auch bekannt als “Humes Gesetz”), der besagt, dass aus dem Sein (der Natur) kein Sollen (keine Normen) abgeleitet werden kann. (Beispiel: Nur weil der Mensch ein Fleischesser ist und Fleisch essen kann, folgt nicht, dass er auch Fleisch essen sollte.) Wer Humes Gesetz für falsch erklärt, sollte das gut begründen können. Hat Ratzinger natürlich nicht gemacht, kann er auch gar nicht.

Prämisse 2 ist auch wacklig, es ist durchaus nicht klar, dass Normen nur durch “einen Willen” zustande kommen können. Wenn die Natur überhaupt Normen haben sollte, was wie eben gesagt aufgrund von Humes Gesetz ziemlich unplausibel ist, dann könnten diese Normen schlicht schon immer existiert haben, einfach so, ohne dass sie jemand hineinlegte.

Dann fehlt in diesem Argument eine unterdrückte Prämisse, ohne die es logisch überhaupt nicht gültig wäre (von Schlüsskeit mal ganz abgesehen). Es fehlt die Prämisse (P3), dass der Willen, der Normen in die Natur gelegt hat, tatsächlich auch dem Schöpfergott gehört. Vielleicht gehört er aber auch einem ganz anderen, nichtchristlichen Gott, nennen wir ihn mal Rainer. Es könnte so sein, dass die Natur ewig existierte oder auch mit dem Urknall anfing, und Gott Rainer kam erst etwas später, legte ein paar Normen in die Natur, und verschwand dann wieder.

Kurz: Ratzinger redet einen Haufen unausgegorenen Unfug und ist nach Sloterdijk ein weiterer Anwärter auf den Schwafelhannes-of-the-year-Award.

Neil deGrasse Tyson über Stupid Design

Eine kleine Ergänzung zum kürzlich geposteten Video mit 50 Wissenschaftlern vs. Religion. Der Physiker Neil deGrasse Tyson bringt knallharte bis urknallharte Argumente gegen die Existenz eines intelligenten Designergottes:

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