Krankheit gesucht

In einem ansonsten nicht der Rede wertem Interview mit ZEIT Campus erwähnt Thomas Metzinger eine psychische Krankheit, die er wie folgt beschreibt:

Es gibt zum Beispiel eine sehr seltene Krankheit, bei der die Patienten fest überzeugt sind, dass sie selbst nicht existieren. Abgesehen davon können sie völlig klar denken. Man kann mit ihnen darüber ganz sachlich diskutieren, ihnen erklären, dass sie doch gerade zuhören und reden und deshalb ja eigentlich existieren müssen, aber sie sind für solche Argumente unzugänglich.

Klingt interessant. Weiß jemand, was das für eine Krankheit sein soll? (Und bitte keine albernen Witzchen wie “Poststrukturalismus!” oder sowas, dafür bin ich höchst selbst verantwortlich.)

Precht in Lüneburg

Richard David Precht wird Honorarprofessor an der Leuphana-Universität Lüneburg, wie ich gestern durch Zufall erfuhr. Mein erster Gedanke war: Na sicher! Kaum schreibt jemand ein Buch im Goldmann-Verlag und palavert sich anschließend mit wallendem Haar durch die Talkshows, gilt er als Philosoph und bekommt in Deutschland auch noch eine Professur. Sloterdijk hat’s ja vorgemacht, wie man mit einer gewissen rhetorischen Begabung, zitierfähiger Frisur und nasezudrückender Brille als jemand durchkommt, der was Interessantes zu sagen hätte.

Aber der Fall liegt bei Precht vielleicht etwas anders. Vermutlich wird von ihm zwar ähnlich wie bei Sloterdijk kein relevanter Beitrag zu akademischen philosophischen Debatten zu erwarten sein. Aber immerhin begnügt er sich nicht mit der Rolle des näselnden Zeitgeistformulierers. Er sieht sich ja offenbar in einer Vermittlerposition zwischen akademischer Philosophie und Öffentlichkeit, ohne den peinlichen Sloterdijkschen Daueranspruch auf Originalität.

Anders als bei Sloterdijk nehme ich ihm sein gesellschaftliches Engagement ab. In einem Interview mit Thomas Metzinger  (das ich wirklich empfehlen kann) lässt er nicht nur Metzinger zur Entfaltung kommen – gehört übrigens zu den soft skills eines Moderators, die Sloterdijk im Philosophischen Quartett stets vermissen lässt (bei den zwei Folgen, die ich mal gesehen habe) – , er bringt auch den ein oder anderen interessanten Vorschlag zur Verbesserung der philosophischen Ausbildung, Bemerkungen zur gesellschaftlichen Rolle der Philosophen usw. Das ist nicht alles revolutionär neu, aber soll’s ja auch nicht sein. Es scheint mir aber wichtig zu sein, dass sich die Philosophie um sowas kümmert.

Dass die Philosophen in Deutschland zu wenig in die Öffentlichkeit drängen, scheint mir jedenfalls unbestreitbar zu sein, gerade wenn man sich ansieht, wie etwa Philosophen wie Peter Singer auftreten. Natürlich gibt es noch ein paar Figuren, die wahrgenommen werden. Aber von Habermas kommen nur noch Plattitüden über die allgemeine Lage der Dinge und des Kosmos, von Sloterdijk kam sowieso nie was, und ansonsten kann man nur ab und zu mal Gunter Gebauer bewundern, wie er bei 3sat oder in der SZ gegen Doping ist.

Der geringe Einfluss der Philosophie auf aktuelle Debatten ist nicht nur die Schuld der ignoranten Öffentlichkeit, sondern auch eines von deutschen Philosophen gepflegten Gestus der Sauberkeit. Kaum einer will sich die Finger schmutzig machen und populär sein. Gerade in den ethischen Debatten um PID, Embryonenforschung, Atomkraft etc. hat die Philosophie ja was zu sagen. Welche Positionen und Argumente in der akademischen Philosophie vertreten und diskutiert werden, und warum manche permanent durch Zeitungen und Internetforen geisternden Argumente problematisch oder schlichter Unsinn sind, das müsste man so einfach und klar wie möglich darstellen und auch nicht davor zurückschrecken, sich mit solchen Totalausfällen wie Kardinaloberfeldwebel Meisner auseinanderzusetzen (hier sein jüngster Streich). Denn der wird gehört, Norbert Hoerster wohl eher weniger.

Es braucht Leute, die philosophische Positionen an eine breite Öffentlichkeit gut vermitteln können, und möglicherweise sind die Prechts dieser Welt da schlicht notwendig. Auch wenn sie keinen substantiellen Beitrag zur Philosophie selbst leisten, helfen sie doch dabei, den gesellschaftlichen Stellenwert der Philosophie nicht nocht weiter absacken zu lassen. Insofern ist eine Professur für Precht vielleicht gar nicht so verkehrt, auch wenn eine Professur für die Vermittlung von Philosophie und Öffentlichkeit sicher sinnvoller wäre als eine Professur, in der er Bachelor-Studenten in die Philosophie einweiht.

Metzinger über Bewusstsein

Fünf Vorlesungen von Thomas Metzinger zur Philosophie des Bewusstseins, gehalten an der Gutenberg-Universität Mainz, Wintersemester 2007/2008:

Scheint noch fortgesetzt zu werden, ich ergänze dann die links auf die anschließenden Vorlesungen.

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