Welche Philosophiepreise gibt es eigentlich?

Mir ist aufgefallen, dass ich kaum (deutsche) Preise kenne, die für philosophische Leistungen vergeben werden. Daher möchte ich mal ein bisschen sammeln und bitte um Mithilfe, wenn jemand ergänzen kann. Denn Preise haben zwar einerseits immer was Merkwürdiges, andererseits haben sie auch eine ganz sinnvolle Funktion, um etwas Struktur in einen unübersichtlichen Publikationsmarkt zu bringen. Das wichtigste an Ihnen ist jedoch, dass sie mit etwas Kohle verbunden sind, die man in leckeren Käse und Wein investieren kann. Daher habe ich, wenn möglich, auch immer die Höhe der Dotierungen erwähnt. Viele der Preise sind keine reinen Philosophenpreise:

  • Meister-Eckhart-Preishttp://www.meister-eckhart-preis.de/ Wird seit 2001 verliehen an Leute, die “in ihren Arbeiten mit den Widersprüchen der persönlichen, sozialen und interkulturellen Identität des Menschen auseinandersetzen und die durch ihr Wissen und Wirken einen Diskurs in einer breiteren Öffentlichkeit anstoßen”. Gibt phantastische 50.000 Euro, die Preisträger sind bisher echte Schwergewichte: unter anderem Richard Rorty, Claude Lévi-Strauss, Ernst Tugendhat und Amartya Sen.
  • Karl-Jaspers-Preis: http://www.heidelberg.de/servlet/PB/menu/1149145/index.html Wird verliehen für “ein wissenschaftliches Werk von internationalem Rang [...], das von philosophischem Geist getragen ist. Die wissenschaftliche Bedeutung soll die Grenzen einer geisteswissenschaftlichen oder psychiatrischen Fachdisziplin zugunsten einer interdisziplinären Verständigung überschreiten.” Solche “von philosophischem Geist getragenen” Bücher legten anscheinend vor: Hans-Georg Gadamer, Paul Ricœur, Jürgen Habermas (natürlich), Robert Spaemann, Michael Theunissen u.a. Preisgeld: 5.000 Euro.
  • Preise, die die Gesellschaft für analytische Philosophie (GAP) ausschreibt: http://www.gap-im-netz.de/preise/preise.html Der wichtigste ist der Stegmüller-Preis (12.000 Euro für 3 Preisträger) für die beste Qualifikationsschrift (Dissertation oder Habilitation) und kann also als “Nachwuchspreis” gelten.
  • Friedrich-Nietzsche-Preis: http://www.sachsen-anhalt.de/index.php?id=pghois633quu Wird verliehen für “ein deutschsprachiges essayistisches oder wissenschaftliches Werk zu philosophischen Fragen”. Mit 15.000 Euro der höchstdotierte Preis in Deutschland für philosophisch-essayistische Werke. Allerdings hat’s bisher kaum Philosophen erwischt. Zuletzt immerhin Ludger Lütkehaus.
  • Hegel-Preis: http://www.stuttgart.de/item/show/53850 Gibt’s schon seit 1967, zu den Preisträgern zählen namenhafte Leute wie Donald Davidson, Charles Taylor, Jürgen Habermas, Dieter Henrich u.a. Der Gewinner erhält 12.000 Euro zum Verprassen.
  • Philosophischer Buchpreis: http://www.fiph.de/veranstaltungen/preisfrage/Buchpreis-2010.php Wird vergeben vom Forschungsinstituts Philosophie Hannover (FIPH), gibt 2.5000 Euro auf die Kralle für die “beste Neuerscheinung der letzten drei Jahre zu einem aktuellen Themenbereich der praktischen Philosophie”. Die bisherigen Preisträger waren Andreas Lienkamp (2010) und Avishai Margalit (2012)
  • Theodor-W.-Adorno-Preis: http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=8650&_ffmpar[_id_inhalt]=21490 Wird nicht nur an Philosophen vergeben, aber einige finden sich immerhin darunter. Es winken stolze 50.000 Euro!
  • Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken: http://www.hannah-arendt.de/preistraeger/frame_preis.shtml Gibt’s überraschenderweise für “politisches Denken”. Soll ja vorkommen. Immerhin schon an Kurt Flasch vergeben. 7.500 Euro versüßen den Gewinn.
  • Ernst-Bloch-Preis: http://www.bloch.de/content/view/39/57/ Wird vergeben für “herausragendes wissenschaftliches oder literarisches Schaffen mit philosophischer Grundhaltung [...], das für unsere Kultur in kritischer Auseinandersetzung mit der Gegenwart bedeutsam ist.” Daher werden nicht nur Philosophen ausgezeichnet. Geehrt wurden bisher u.a. Seyla Benhabib und Michael Pauen.
  • Helmholtz-Medaille: http://de.wikipedia.org/wiki/Helmholtz-Medaille Kein reiner Philosophiepreis, aber immerhin. Habermas hat schon eine. Habermas hat sowieso schon alle Preise. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 2.500 Euro.
  • Alexander-von-Humboldt-Professurhttp://www.humboldt-foundation.de/web/4410.html Wurde, soweit ich gesehen habe, bisher nur an zwei Philosophen vergeben: Hannes Leitgeb und Michael Neil Forster. Auch kein reiner Philosophiepreis, aber mit 3,5 Millionen Euro für 5 Jahre Forschung kann man schon was anfangen. Ich würde jedenfalls annehmen. Aber mich hat bisher aus mir unbekannten Gründen noch keiner gefragt.
  • Meyer-Struckmann-Preis für Geistes- und Sozialwissenschaftliche Forschunghttp://www.meyer-struckmann.de/ (20.000 Euro) Auch kein reiner Philosophiepreis, und soweit ich gesehen habe, wurde hier auch noch kein Philosoph ausgezeichnet – aber kann ja noch kommen.
  • Mindelheimer Philosophiepreis (heißt wirklich so): http://www.philosophiepreis.de/ Wird von Schülern vergeben.

Es gab mal einen Internationalen Kant-Preis der ZEIT-Stiftung, der u.a. an Peter Strawson, Dieter Henrich und Konstantin Pollock (Nachwuchsförderpreis) vergeben wurde. Aktuelles habe ich zu diesem Preis aber nicht gefunden. Philosophen können natürlich auch den höchsten deutschen Wissenschaftspreis, den Leibnizpreis der DFG gewinnen – aber bisher waren das, soweit ich gesehen habe, nur wenige (…). Und warum hat eigentlich die Gesellschaft für deutsche Philosophie keinen Preis? Skandal!

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