Benedikts Blödsinn: eine Blütenlese in der SZ

Markus C. Schulte von Drach, bei dem ich nie weiß, wo der Vorname aufhört und der Nachname anfängt (vgl. auch J. Hillis Miller), hat in der SZ nochmal ein paar Dummheiten des scheidenden Geisterglauben-Oberbefehlshabers Ratzinger resümiert. Mir ist vollkommen unverständlich, wieso der intellektuelle Tiefflieger Ratzinger – einer der unredlichsten Denker, die ich mir vorstellen kann – von Politikern und Medienvertretern immer wieder als Intellektueller gefeiert wird (dass die eigenen Kirchenleute das tun, ist ja nicht verwunderlich: man hat schlicht nichts besseres). Der Mann scheitert geradezu grotesk an den simpelsten Anforderungen an vernünftige Argumentationen, erzählt am laufenden Band irrationalen Schwachsinn, der sich von dem Intelligent-Design-Unsinn allenfalls marginal unterscheidet, und mal mit Habermas aneinander vorbeizureden, dürfte auch nicht reichen, um intellektuelles Profil zu beweisen. Schulte von Drach (?) hat nun zusammengetragen, wie sich der Papst die Naturwissenschaften und die Evolutionstheorie so hinbiegt, dass sie in das katholische Weltbild passen. Wer wissen will, warum Gravitationskraft = göttliche Liebe ist, dem sei der Artikel wärmstens ans Herz gelegt:

Ausschreibung: Schwafelhannes-of-the-Year-Award 2012 (inkl. Preisverleihung Schwafelhannes-of-the-Year-Award 2011)

Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr den Schwafelhannes-of-the-Year-Award zu verleihen. Damit werden vorbildliche Schwafeleien gewürdigt. Die Jury bin ich, außer mir fällt bis Ende des Jahres noch ein, wie man unkompliziert über die Preisvergabe abstimmen kann.

Hinweise auf Schwafelexzesse sind erbeten! Wenn jemandem irgendwo eine große Schwafelei aufällt, d.h. wenn irgendwo mit wichtig klingenden großen Worten völliger Unsinn oder Trivialitäten in die Welt posaunt werden, dann bin ich für Hinweise dankbar und poste den jeweiligen Fall ggf. in meinem Blog. Alle Schwafelhannes-of-the-Year-Anwärter werden mit dem tag “Schwafelhannes” versehen, so dass sie über die tag-clound (rechts unten im Blog) oder die Suchfunktion gefunden werden können.

Für’s letzte Jahr sind leider nur wenige Schwafelhannes-of-the-Year-Anwärter zusammengekommen, aber ich habe das Blog ja auch erst Mitte 2011 angefangen. Dennoch hier die offizielle Bekanntgabe der Gewinner des Schwafelhannes-of-the-Year Awards 2011. Die ersten drei Plätze gehen an:

  1. Papst -  für seinen intelligent-design-Schwachsinn: http://derblindehund.wordpress.com/2011/09/30/noch-kurz-was-zur-papstrede-neulich/
  2. Peter Sloterdijk – für “Gesellschaft als selbst-stressierendes, permanent nach vorne stürzendes Sorgen-System“: http://derblindehund.wordpress.com/2011/07/05/sloterdijk-faselt-mal-wieder-vor-sich-hin/
  3. Die Tagung “Homo Portans. Tragen – die Faszination des Selbstverständlichen”: http://derblindehund.wordpress.com/2011/09/19/homo-portans-oder-ein-tragetuch-fur-die-spatmoderne/

Den Preis für sein Lebenswerk erhält posthum Derrida: http://derblindehund.wordpress.com/2011/06/12/derrida-ist-zurecht-tot/

Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern.

Noch kurz was zur Papstrede neulich

Die Papstrede im Bundestag hat mal wieder in aller Deutlichkeit gezeigt, dass der Papst kein tiefer Denker, sondern ein großer Depp ist. Bei manchen gilt er ja wohl als philosophisch bewandert, aber angesichts der grotesken Fehlschlussparade, die der Papst dem deutschen Volke da anbot, und seiner offenkundigen Intelligent-Design-”Argumentation”, kann man da doch zum Zweifel neigen. Der Wissenschaftsjournalist Markus C. Schulte von Drach, der tatsächlich so heißt, hat darüber einen schönen Artikel in der Süddeutschen geschrieben:

Am dümmsten ist m.E. Ratzingers peinlicher “Gottesbeweis”, wenn man das so nennen will. Von Drach schreibt dazu, Ratzinger zitierend:

“Wenn man die Natur als ein ‘Aggregat von als Ursache und Wirkung miteinander verbundenen Seinstatsachen’ ansieht, dann kann aus ihr [...] keine irgendwie geartete ethische Weisung hervorgehen”, zitiert er [Ratzinger] den Rechtswissenschaftler Hans Kelsen. Normen, so fährt er fort, könnten nur aus dem Willen kommen. “Die Natur könnte folglich Normen nur enthalten, wenn ein Wille diese Normen in sie hineingelegt hat. Dies wiederum würde einen Schöpfergott voraussetzen, dessen Wille in die Natur miteingegangen ist.”

Das Argument geht also so:

(P1) Die Natur enthält Normen.

(P2) Normen können nur durch einen Willen in die Natur hineingelegt werden.

(K) Also gibt es einen Schöpfergott.

Schon Prämisse 1 ist eine völlig unbegründete Setzung und steht in direktem Gegensatz zum Sein-Sollen-Fehlschluss (auch bekannt als “Humes Gesetz”), der besagt, dass aus dem Sein (der Natur) kein Sollen (keine Normen) abgeleitet werden kann. (Beispiel: Nur weil der Mensch ein Fleischesser ist und Fleisch essen kann, folgt nicht, dass er auch Fleisch essen sollte.) Wer Humes Gesetz für falsch erklärt, sollte das gut begründen können. Hat Ratzinger natürlich nicht gemacht, kann er auch gar nicht.

Prämisse 2 ist auch wacklig, es ist durchaus nicht klar, dass Normen nur durch “einen Willen” zustande kommen können. Wenn die Natur überhaupt Normen haben sollte, was wie eben gesagt aufgrund von Humes Gesetz ziemlich unplausibel ist, dann könnten diese Normen schlicht schon immer existiert haben, einfach so, ohne dass sie jemand hineinlegte.

Dann fehlt in diesem Argument eine unterdrückte Prämisse, ohne die es logisch überhaupt nicht gültig wäre (von Schlüsskeit mal ganz abgesehen). Es fehlt die Prämisse (P3), dass der Willen, der Normen in die Natur gelegt hat, tatsächlich auch dem Schöpfergott gehört. Vielleicht gehört er aber auch einem ganz anderen, nichtchristlichen Gott, nennen wir ihn mal Rainer. Es könnte so sein, dass die Natur ewig existierte oder auch mit dem Urknall anfing, und Gott Rainer kam erst etwas später, legte ein paar Normen in die Natur, und verschwand dann wieder.

Kurz: Ratzinger redet einen Haufen unausgegorenen Unfug und ist nach Sloterdijk ein weiterer Anwärter auf den Schwafelhannes-of-the-year-Award.

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