Radiointerview mit Wolfgang Detel über eine zeitgenössische Hermeneutik

Wolfgang Detel (Frankfurt) hat vor ein paar Monaten den ersten Band eines auf zwei Bände angelegten großen Projekts veröffentlicht, in dem er eine neue, zeitgenössische Form der Hermeneutik etablieren will, die im Hinblick auf die moderne Philosophie des Geistes auf der Höhe der Zeit ist. Der erste Band Geist und Verstehen. Historische Grundlagen einer modernen Hermeneutik ist v.a. ein kritischer Durchgang durch frühere hermeneutische Theorien (oder Kritik an der Hermeneutik) von der Antike bis heute. Hier kann man einen Blick ins Inhaltsverzeichnis werfen. Detel skizziert sein Projekt auch in einem Radiointerview bei Radio Bremen:

Ich weiß zwar noch nicht, was ich von Detels Projekt als Ganzem halten soll, aber sein Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert, er kennt sich hervorragend in der Geschichte der Hermeneutik aus, schreibt einen sehr angenehmen Stil und versteckt seine z.T. sehr starken Überzeugungen nicht hinter einer rhetorischen Maske, sondern formuliert deutlich die Kritikpunkte, die er an alternativen oder hermeneutikskeptischen Positionen sieht.

Interview mit John Searle

Im Juni diesen Jahres hat John Searle am Moskauer Center for Consciousness Studies ein Interview gegeben. Die (manchmal etwas verwirrt wirkenden) Interviewer sind Vadim Vasilyev und Dmitry Volkov:

Ich hab nur in den Anfang reingehört, zu Beginn geht es vor allem um Searles intellektuelle Biographie, und insbesondere um die Frage, wieso sich Searle, der ja mit Sprachphilosophie begann, im Laufe der Jahre Themen aus der Philosophie des Geistes, insbesondere dem Thema der “Intentionalität” zugewandt hat. Danach erläutert Searle sein Gedankenexperiment vom Chinesischen Zimmer, und man darf vermuten, dass auch der Rest des Interviews sich um Fragen im Umkreis der Philosophie des Geistes dreht.

Auf derselben Seite findet man auch Interviews mit illustren Persönlichkeiten wie Putnam, Dennett, Scott Soames, Richard Swinburne, Timothy Williamson, David Dubrovskiy und David Rosenthal. Darüber hinaus Vorlesungs- und Diskussionsmitschnitte (u.a. auch von Searle), Buchvorstellungen usw.

Gemüse hat eine Seele

Eric Schwitzgebel macht in seinem Blog auf eine Passage beim common-sense-Philosophen Thomas Reid (1710-1796) aufmerksam. Dort vertritt Reid die These, dass auch Gemüse eine Art Seele hat:

[B]oth vegetables and Animals are United to something immaterial, by such a Union as we conceive between Soul and Body, which Union continues while the Animal or Vegetable is alive, & is dissolved when it dies

Dies nur zur Erheiterung der leicht Erheiterbaren. Interessant ist aber, warum Schwitzgebel sich überhaupt mit Reid beschäftigt. Er, Schwitzgebel, vertritt nämlich die These, dass nie jemand eine “detailed and coherent metaphysics of mind” entwickelt hätte, die vollständig mit unseren common-sense-Alltagsintuitionen kompatibel wäre. – Gibt es denn überhaupt irgendeine philosophische Theorie, die vollständig kompatibel zu common-sense-Intuitionen ist? Würde mich schwer wundern.

Richard Brown über aktuelle Probleme der Philosophie des Geistes

Richard Brown hat in seinem blog einen kurzen Entwurf eines Artikels gepostet, der Neulinge in aktuelle Probleme der Bewusstseinsphilosophie einweihen soll. Liest sich süffig und lässt auch die Zombies nicht unerwähnt:

David Chalmers über iPhones als Teil unseres Geistes

In einer 15-minütigen Präsentation stellt David Chalmers seine extended-mind-These vor, derzufolge (etwas schlampig gesagt) Dinge außerhalb unseres Körpers Teil unserer kognitiven Prozesse sein können – etwa iPhones, Notebooks usw. Die Dinger denken nicht nur für uns, wir denken mit ihnen und bilden mit ihnen ein “coupled system that can be seen as a cognitive system in its own right”. (Eine sehr gute deutschsprachige Darstellung der extended-mind-Theorie gibt’s bei Wikipedia.) Der locus classicus ist Chalmers Artikel The Extended Mind, gemeinsam mit Andy Clark verfasst. Dort lesen sich die Thesen wie folgt:

Epistemic action, we suggest, demands spread of epistemic credit. If, as we confront some task, a part of the world functions as a process which, were it done in the head, we would have no hesitation in recognizing as part of the cognitive process, then that part of the world is (so we claim) part of the cognitive process. Cognitive processes ain’t (all) in the head!

[...]

In these cases, the human organism is linked with an external entity in a two-way interaction, creating a coupled system that can be seen as a cognitive system in its own right. All the components in the system play an active causal role, and they jointly govern behavior in the same sort of way that cognition usually does. If we remove the external component the system’s behavioral competence will drop, just as it would if we removed part of its brain. Our thesis is that this sort of coupled process counts equally well as a cognitive process, whether or not it is wholly in the head.

Und etwas später im Text:

While some mental states, such as experiences, may be determined internally, there are other cases in which external factors make a significant contribution. In particular, we will argue that beliefs can be constituted partly by features of the environment, when those features play the right sort of role in driving cognitive processes. If so, the mind extends into the world.

Was sagt man dazu?

Nachtrag:  The New York Consciousness Collective mit Frontman Chalmers trägt mit beeindruckender Virtuosität den Zombie Blues vor.

Metzinger über Bewusstsein

Fünf Vorlesungen von Thomas Metzinger zur Philosophie des Bewusstseins, gehalten an der Gutenberg-Universität Mainz, Wintersemester 2007/2008:

Scheint noch fortgesetzt zu werden, ich ergänze dann die links auf die anschließenden Vorlesungen.

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