Weber-Wulff über die Plagiatssuche

In der FAZ ist ein informativer Bericht über einen Vortrag von Deborah Weber-Wulff erschienen:

Um der Plagiatsseuche zu begegnen, schlägt sie Folgendes vor:

Sie plädiert für ein Jahr universitärer Grundausbildung, das jedem Studium vorausgehen sollte, in dem unter anderem wissenschaftliches Arbeiten gelehrt wird. Man müsse der Realität ins Auge sehen, dass Abiturienten heutzutage diese Qualifikation nicht mehr mitbringen. Die Dissertationen von Politikern seien ja nur die Spitze eines Eisbergs, der beim Wikipedia-Plagiat von Hausaufgaben im ersten Semester beginne.

Der Vorschlag ist gar nicht schlecht. Allerdings wird das ja z.T. schon so gemacht – in den ersten Semestern werden (in den Geisteswissenschaften) normalerweise wissenschaftliche Arbeitstechniken vermittelt, darunter auch korrektes Zitieren. Nur hilft das leider auch nicht immer, da Plagiate in der Regel vorsätzlich und nicht nur durch Unwissenheit begangen werden. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Eine solide Einführung in wissenschaftliches Arbeiten ist fraglos nötig, aber wichtiger wäre (etwas hochtrabend gesagt), die Wissenschaftsmoral zu fördern. Und auch durch Änderung der Strukturen, bei denen Studenten durch zu viel Prüfungs-, Zeit- und Leistungsdruck dazu verführt werden, sich bei fremder Arbeit zu bedienen. Letzteres soll natürlich Plagiate nie und nimmer entschuldigen, aber es dürfte einer der Faktoren sein, die zu Plagiaten führen, und ist daher ernstzunehmen.

Nida-Rümelin zum Fall Schavan

Julian Nida-Rümelin hat bei 3sat ein Interview zum Fall Schavan gegeben. Er spricht sich ganz klar dafür aus, dass Schavan nicht länger Wissenschaftsministerin bleiben kann. Er wundert sich sogar darüber, dass darüber überhaupt noch diskutiert werden muss. Ich sehe das ganz genauso: Selbst wenn Schavans Klage durchkommt, wird das entsprechende Gericht nicht das eigentliche Urteil der Düsseldorfer Fakultät kippen, sondern z.B. formale Verfahrensfehler bemängeln. Schavan ist durch die Düsseldorfer Fakultät des vorsätzlichen Plagiats beschuldigt worden und kein Wissenschaftler kann eine Wissenschaftsministerin ernst nehmen, über die dieses Urteil nach eingehender Prüfung gefällt wurde. Zum Video geht’s hier:

Debora Weber-Wulff über Plagen mit Plagiaten

Deutschlands Anti-Plagiats-Kämpferin Nr. 1 (Titel von mir selbst ausgedacht) Debora Weber-Wulff schreibt in ihrem Blog über die Schwierigkeiten, an deutschen Unis vernünftige Plagiatsprüfungssoftware einzurichten. Und außerdem über einen merkwürdigen Fall, bei der ein Professor von einer Promovendin verlangt, ihre Dissertation selbständig durch Plagiatssoftware prüfen zu lassen:

Plagiat und Ideenklau? – Harman vs. Hauser

Der Moralphilosoph Gilbert Harman – übrigens ein moralischer Relativist, was in diesem Zusammenhang delikat ist – hat Plagiatsvorwürfe gegen den Evolutionsbiologen Marc Hauser erhoben. Hauser habe in seinem Buch Moral Minds. How Nature Designed Our Universal Sense of Right and Wrong (2006) Ideen aus der damals noch unveröffentlichten Dissertation des Philosophen John Mikhail geklaut (Elements of Moral Cognition. Rawls’ Linguistic Analogy and the Cognitive Science of Moral and Legal Judgment (2011)).

Hauser war mit dieser Dissertation vertraut, hat sie auch mehrfach in seinem Buch zitiert und Mikhail auch in den Danksagungen erwähnt. Die Vorwürfe beziehen sich nicht auf die Übernahme von Textpassagen, sondern auf den Diebstahl von Ideen und vermeintlich unzureichende Zitierweisen.

Ich selbst kann nicht einschätzen, inwiefern die Vorwürfe berechtigt sind. Harman hat sie auf seiner Homepage (PDF) veröffentlicht, gemeinsam mit einer Antwort (PDF) von Marc Hauser. Hausers Verteidigung scheint mir aber zumindest in den Punkten, die er aufgreift (er widerlegt nur wenige von Harmans Anschuldigungen im Detail, hauptsächlich äußert er sich zur Entstehungsgeschichte seines Buches), stichhaltig zu sein. Interessant ist der Fall deswegen, weil unklar ist, wann Ideenklau vorliegt und wann nicht.

Nachtrag: Harman sagte am 26. September auf NewApps:

For the record, my discussion was intended as a draft of a case for the prosecution and not a final verdict on this topic. I thought I was making it available for only a few people in order to get comments, but apparently it has had a somewhat wider audience than I intended. In the light of various comments I have received, I need to rethink the “case”, something I cannot do immediately, so I have removed that version from my web site.

Der verlinkte Beitrag von Harman ist eine reviderte Fassung seiner Anschuldigungen, die er nun vor ein paar Tagen auf seine Webseite gestellt hat.

Online-Petition zum Fall Koch-Mehrin

Silvana Koch-Mehrin hat sich, wohl auf Druck von Partei und Öffentlichkeit, zwar aus dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie wieder zurückgezogen, sitzt aber immer noch im EU-Parlament und hat bisher kein klares Wort zu ihrem Plagiatsbetrug verloren. Bis zum 13. Juli kann man folgende Online-Petition unterschreiben:

Koch-Mehrin wird darin sowohl zum Rücktritt von ihrem Mandat im Europäischen Parlament aufgerufen als auch zur Übernahme der Verantwortung (bisher hat sie ja lediglich der Uni Heidelberg den Schwarzen Peter zugeschoben): Weitere Infos gibt’s im blog von De Plagio.

Plagiate in der Philosophie

Eric Schliesser macht auf New APPS auf einige Plagiatsfälle in philosophischen Fachpublikationen aufmerksam.

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