Taschentücher rausholen: Rawls singt!

A Theory of Justice, das klingt ja schon wie Musik. In Oxford wird John Rawls opus magnum nun als Musical aufgeführt. In der Ankündigung heißt es darüber:

The world’s first feature-length musical about political philosophy will showcase a script steeped in drama, humour and romance – with a musical score that covers everything from rap battles to power ballads. “A Theory of Justice: The Musical!” will be a light-hearted, tongue-in-cheek, camp and intellectually profound addition to the musical theatre canon.

Zu den auftretenden Figuren zählen neben Rawls u.a. die “Fairness”, Robert Nozick, Ayn Rand, Sokrates, Thomas Hobbes, John Locke, Rousseau, John Stuart Mill, Thrasymachos, Platon, Sidgwick, Kant, Aristoteles Glaukon und Karl Marx. (Wer wohl den Schleier des Nichtwissens trägt?) Mehr Infos gibt’s hier, einen Ausschnitt von den Proben hier:

(via LeiterReports)

Wege aus der Arbeitslosigkeit für Philosophen

Hegel

Arbeitslose Philosophen bevölkern Deutschland und sorgen für Terror und Schrecken auf deutschen Straßen. Was im Bachelorstudium als harmloser philosophischer Lesekreis begann, hat sich heute oft zu exklusiven Parallelgesellschaften mit befremdlichen Bräuchen und für den Außenstehenden gänzlich unverständlichen Ritualen ausgewachsen. Ausgewachsene Philosophen, die nach dem Studium in die Arbeitslosigkeit abdriften, schließen sich immer öfter zu Rudeln zusammen, bilden städtische Ghettos aus, ganze Viertel werden mittlerweile von ihnen kontrolliert (es gibt Gegenden in Heidelberg und Tübingen, die kein Nicht-Philosoph je betreten sollte). Merkel hat lange weggeschaut und tut es noch immer, auch Frank Schirrmacher hat noch kein Buch darüber geschrieben und in der FAZ die obligatorische “Passend-zu-meinem-Buch-Debatte” vom Zaun gebrochen. Was sollen wir tun, wenn Politik und Öffentlichkeit dermaßen versagen? Die Antwort ist nicht überraschend: Handpuppen basteln.

In New York zeigen arbeitslose Philosophen, wie man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und verbessern kann. In der Unemployed Philosophers Guild haben sich Philosophen friedlich zusammengefunden, um aus ihrer scheinbar nutzlosen philosophischen Bildung Kapital zu schlagen und den Alltag der Geistesmenschen mit bedenkenswerten Produkten zu verschönern. Z.B. verkaufen sie diese schönen Erderwärmungs-Tassen:

Ihre besondere Spezialität liegt allerdings in der Fertigung von Handpuppen mit Charakteren aus der Geistes- und Geistlosigkeitsgeschichte seit Platon. Schöne Objekte sind beispielsweise Derrida, Kant, Hegel (siehe oben) und – mittlerweile etwas veraltet – die Achse des Bösen. Oder wie wäre es mit diesem T-Shirt mit John Locke Picard? Oder der leckere Nietzsche-Riegel namens Will to Power? Die Reklame verspricht:

When your Wille zur Macht is a-flagging or you’re just a little tired of transvaluating all values, try these! Nietzsche’s Will To Power Bar transcends good and evil, it establishes new ideas, and escapes the constraints of Judeo-Christianity.

Oder für den Freund Albert Camus’ hier eine edle Sisyphos-Uhr. Oder die schönen Jesus-Produkte wie das What-would-Jesus-wear?-Dress-up-set und die Jesus-Rasur-Tasse.

Kurz, da ist für jeden was dabei. Wir lernen daraus: Arbeitslosigkeit unter Philosophen muss nicht sein, wenn man nur eine clevere Idee und schweineviel Glück hat, dass man sich bei sowas nicht maßlos verschuldet und immer genügend Kunden hat. Ansonsten empfiehlt der blinde Hund: Lieber was Anständiges studieren.

Grazer Philosophische Studien ehren Wolfgang Künne

Benjamin Schnieder und Moritz Schulz (siehe phloxgroup-blog) haben ein Heft der Grazer Philosophischen Studien herausgegeben, das Wolfgang Künne gewidmet ist:

Das Heft enthält neben den Artikeln, die im phloxgroup-blog aufgelistet werden, auch eine sehr hilfreiche Künne-Bibliographie.

Ich mache dafür hier Werbung, weil ich Wolfgang Künne für einen der besten deutschen Philosophen halte, auch wenn ich nur sehr weniges von ihm gelesen habe. Der Beschreibung von Schnieder und Schulz im Vorwort kann ich aber nur beipflichten:

His work lives up to the highest standards of clarity, rigour, and respect for the details of philosophical arguments and problems. But he is not only an excellent, precise, and elegant writer and lecturer in English and German, he is also an extremely careful and charitable interpreter of philosophical texts. He is, we may suspect, a reader of the kind that Wittgenstein desired to have, when he famously wrote “I should like to be read slowly. (As I read myself )”. (S. viii)

Mir fällt kein anderer deutscher Philosoph ein, der so genau, klar und sauber argumentiert wie Künne, und das ganze oft mit einer gar nicht mal kleinen Prise Humor. Sein Buch über Wahrheitstheorien kann ich jedem, der sich für Wahrheitstheorien interessiert, nur allerwärmstens ans Herz legen. Künne stellt darin in aller wünschenswerten Explizitheit und so leicht verständlich, wie es das Thema eben hergibt, die wichtigsten Wahrheitstheorien und wahrheitstheoretischen Probleme dar und kritisiert sie messerscharf. Ebenso empfehlenswert ist sein schon etwas älteres, aber vor ein paar Jahren neu verlegtes Buch Abstrakte Gegenstände, in dem – wie der Titel schon sagt – eine Theorie abstrakter Gegenstände entwickelt wird (hier im Blog habe ich schon ab und zu das Thema abstrakter Gegenstände berührt, etwa wenn’s um die Ontologie von Kunstwerken ging).

Komischerweise ist Künne, der heute eher der analytischen Philosophie zuzurechnen ist, ein Gadamer-Schüler, und hat dann auch noch seine Dissertation über Hegel geschrieben. Künne ist also der lebende Beweis dafür, dass Gadamer-Einfluss nicht philosophisch impotent machen muss. Und darüber hinaus deutet das auch seinen Wissens”horizont” an (<– Wortspiel für Insider), der Mann scheint sich so gut wie überall auszukennen und scheint in der kompletten Philosophiegeschichte zu Hause zu sein. (Man gönne sich nur mal die Fußnoten etwa aus Kap. V in Abstrakte Gegenstände, da geht’s von Platon und Quintilian über Thomas von Aquin und Locke bis Spengler, Frege, Tarski, Quine und Kripke).

Kurz: Guter Mann, der Künne.

Nachtrag 21.01.2012: Eine nicht sehr wohlmeinende Rezension erschien gerade hier.

John Searle macht einen Witz über Behaviorismus

… und er lacht auch gleich selber darüber:

The best comment about behaviorism is the old joke about the two behaviorists after they just had sex. He says to her, “It was great for you, how was it for me?” (Laughter)

(Quelle: http://reason.com/archives/2000/02/01/reality-principles-an-intervie)

Nettes Interview, schon etwas älter, über Searles Denkweg, inklusive Derrida-bashing mit Hilfe von Foucault (!). Und am Ende eine interessante Bemerkung, bei der ich nicht weiß, ob man sie ernstnehmen kann. Searle berichtet vom Bildungshintergrund seiner Studenten und meint:

But I don’t teach many large freshman courses. When I did a few years ago I found I couldn’t teach at the level that I could when I started teaching here in 1959. And the reason was that I could not take for granted the cultural references. I couldn’t assume that everybody knew who Plato was. In 1959 the freshmen hadn’t read Plato, but they had heard of him. But by, say, 1975, you couldn’t assume that.

Ich kann kaum glauben, dass ein Studienanfänger in der Philosophie nicht mal den Namen Platon gehört hat.

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