In der letzten Zeit erscheint auf 3:AM alle paar Tage ein neues ausführliches und stets unterhaltsames Interview mit renommierten Philosophen. Auf fast jedes Interview würde es sich hinzuweisen lohnen. Ich möchte nur eines der letzten herauspicken, das Interview mit Herman Cappelen:
Cappelen ist eine wichtige Stimme in der Debatte um Intuitionen. Gerade in der analytisch geprägten Philosophiewelt scheint der appeal to intuition ziemlich verbreitet zu sein, und Cappelen will zeigen, dass dieser Schein trügt. Sein Buch Philosophy Without Intuitions ist gegen ein solches Bild von der Philosophie gerichtet. Wie es zu diesem falschen Bild kam, versucht Cappelen auf interessante Weise zu erklären:
How the misconception became so widespread so fast is a bit of a mystery. In the first chapter of the book, I consider a few theories, but no one of them strikes me as entirely satisfying. I think one important factor is what I call the ‘verbal virus’: at some point in the 70s some influential philosophers starting using terms like “intuitively, blah…” a lot, and somehow the use of those terms spread – it became a fashionable way to speak. The use of those terms made some people think that they were relying on intuitions as evidence.
Außerdem stellt Cappelen kurz und knackig seine monistische Wahrheitskonzeption vor, die er in diesem feinen Buch hier gemeinsam mit John Hawthorne ausgearbeitet hat. Der wahrheitstheoretische Monismus geht davon aus, dass “wahr” bzw. “falsch” einstellige Prädikate sind. Anders gesagt: Das Wahrheitsprädikat selbst ist nicht relativ zu irgendetwas anderem, sei es relativ zu Sprecherperspektiven, zu Kulturen, zu möglichen Welten etc. Jüngeren relativistischen Theorien, wie sie z.B. John MacFarlane, Max Kölbel, Andy Egan, Brian Weatherson und andere in den letzten Jahren ausgearbeitet haben, sagt Cappelen damit den Kampf an.
Außerdem plädiert er für das angenehme Lehnstuhlphilosophieren und hat für die empirische Experimentalphilosophie folgenden Kommentar übrig:
a complete waste of time
Unterhaltsam und lehrreich, was will man mehr!
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