Der Ethikrat hat versagt
24. August 2012 8 Kommentare
Der Ethikrat war eine gute Idee, aber spätestens mit der gestrigen Debatte zur Beschneidung ist klar, dass dieses Gremium als moralische Instanz versagt hat und das Steuergeld nicht wert ist. Der Ethikrat hat genau das getan, was der Bundestag bei seiner Debatte auch getan hat: Er hat eine von vornherein feststehende Position durchgedrückt. Und wozu braucht man einen Ethikrat, der anders als der Bundestag vom Druck unmittelbarer Konsequenzen einigermaßen befreit ist, wenn der einfach nur Bundestagsdebatten spiegelt? Worauf es ankäme, nämlich das bessere Argument gelten oder wenigstens zur Anhörung bringen zu lassen, scheint weder im Bundestag noch im Ethikrat besonders beliebt zu sein.
Die Zusammensetzung des Ethikrats ist ohnehin indiskutabel: Solang er von Theisten dominiert wird, die ihre Moral autoritätsgläubig von oben empfangen und nicht bereit sind, von göttlich festgelegten Vorschriften abzuweichen, wird es dort keine rationalen und moralischen Entscheidungen geben. Im Gegenteil: Durch den Ethikrat wird Religionsvertretern vielmehr die Möglichkeit gegeben, Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen. Die Trennung von Staat und Kirche ist ohnehin in Deutschland noch nicht vollständig vollzogen (man denke allein an den staatlich organisierten und finanzierten Einzug der Kirchensteuer, die staatliche Bezahlung von kirchlichen Einrichtungen und Personal etc.), und der Ethikrat in seiner momentanen Form trägt allenfalls zur Verflechtung von Kirche und Staat bei.
Zeit, den Ethikrat abzuschaffen oder mit Leuten zu besetzen, die über Fragen der Moral noch wirklich rational diskutieren wollen. Es bietet sich z.B. eine Gruppe an, die der Staat extra dafür bezahlt, um über moralische Fragen rational nachzudenken, ohne sich dabei durch göttliche Einflüsterer leiten zu lassen: Moralphilosophen. Es mag irrwitzig klingen, aber warum sollte man einen nennenswerten Teil des Ethikrats nicht mal zur Abwechslung mit Leuten besetzen, die sich professionell mit Ethik auseinandersetzen und die nicht alle Mitglieder in religiösen Clubs wie Donum Vitae, Cusanuswerk etc. sind?
(Mehr zum Beschneidungsurteil hier.)

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