Philosophus dixit #5

I said that deconstruction had found little appeal among professional philosophers. But there are some notable exceptions, much prized by deconstructionists. They tend to be ambiguous allies. One of these characterized Derrida as “the sort of philosopher who gives bullshit a bad name.” We cannot, of course, exclude the possibility that this may be an expression of praise in the deconstructionist vocabulary.

[John Searle: The Word Turned Upside Down [A Review of Jonathan Culler's On Deconstruction], in: New York Review of Books, Volume 30, Number 16 (October 27, 1983).]

Weiß zufällig jemand, wer dieser Philosoph war? Man findet im Netz leider ganz unterschiedliche Angaben.

Videos zu “New Realism”-Konferenz mit Searle, Boghossian, Putnam u.a. im Netz

Die Uni Bonn hat etwas extrem Verdienstvolles getan, nämlich die Vorträge auf der (hier schon erwähnten) New-Realism-Konferenz ins Netz gestellt, die im März in Bonn stattfand:

Zu sehen sind die Vorträge von Hilary Putnam (via Skype), Susan Haack, Markus Gabriel, Paul Boghossian, Lewis Gordon, Maurizio Ferraris, John Searle, Akeel Bilgrami, Werner Gephart und Andrea Kern. Ein Hoch auf die Uni Bonn und die Konferenzveranstalter!

Anti-Postmoderne-Tagung in Bonn mit Searle, Putnam, Boghossian

Vom 26. bis 28. März findet in Bonn eine Tagung zum Thema “New Realism” statt, die hochkarätiger kaum besetzt sein könnte. Es sprechen u.a. John Searle, Hilary Putnam (per Videokonferenz) und Paul Boghossian. In der Ankündigung heißt es:

Gegen eine solche Auffassung der „Postmoderne“ und insbesondere gegen die Verabschiedung von Tatsachen, Wahrheit und Objektivität auf der Basis einer vermeintlichen Einsicht in die soziale Konstruktion der Wirklichkeit sind inzwischen viele gewichtige Stimmen laut geworden. Wir fassen diese Stimmen unter dem Namen des ‚Neuen Realismus‘ zusammen, den wir mit der Tagung aus der Perspektive verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen – der Philosophie, der Soziologie, der Literatur- und Bildwissenschaft, der Naturwissenschaft – angehen und international sichtbar weiter vorantreiben möchten. [...] Es soll darum gehen, die Aussichten für einen neuen Realismus im Hinblick auf die Frage zu untersuchen, inwiefern dieser überzeugendere Modelle für die postmoderne Diagnose einer Pluralität von Wahrheiten, Sprachspielen oder Perspektiven anzubieten hat.

Quelle: http://new-realism.de/

Weitere Infos findet man unter angegebener Quelle. Ich habe keine Zeit, ansonsten würde ich sofort hinfahren und auch jedem Philosophieinteressierten empfehlen, sich diese philosophischen Schwergewichte mal aus der Nähe anzuschauen. Den Veranstaltern viel Erfolg und hoffentlich gibt’s dann recht bald einen Tagungsband!

Steve Pyke: Photos von Philosophen

Sicher nix neues, aber ich hab’s grad erst entdeckt – tolle Photographien von Philosophen, geknipst von Steve Pyke:

Einige davon sind ziemlich bekannt, z.B. die Aufnahmen von Habermas und David Lewis. Manche Philosophen sehen so aus, als hätten sie eine Behinderung oder wären irre, manche wirken ungewöhnlich ausgezehrt, wie z.B. John Searle. Ich mag vor allem den Bart von John McDowell und den nerdigen Blick von Hartry Field. Über die google-Bildersuche findet man noch mehr: –>KLICKEN<– (Nicht irritieren lassen, zwischendrin taucht Kurt Cobain auf, leicht zu verwechseln mit David Chalmers.) Darunter auch Harry G. Frankfurt, der so aussieht, als hätte er gerade eine Bratwurst gegessen.

Chinesisches Zimmer in 60s

Was sich hinter dem Gedankenexperiment vom “Chinesischen Zimmer” (Erfinder: John Searle)  verbirgt, kann man hier etwas detaillierter nachlesen.

Der youtube-Kanal, auf dem das Video erschien, ist überhaupt ganz nett.

Interview mit John Searle

Im Juni diesen Jahres hat John Searle am Moskauer Center for Consciousness Studies ein Interview gegeben. Die (manchmal etwas verwirrt wirkenden) Interviewer sind Vadim Vasilyev und Dmitry Volkov:

Ich hab nur in den Anfang reingehört, zu Beginn geht es vor allem um Searles intellektuelle Biographie, und insbesondere um die Frage, wieso sich Searle, der ja mit Sprachphilosophie begann, im Laufe der Jahre Themen aus der Philosophie des Geistes, insbesondere dem Thema der “Intentionalität” zugewandt hat. Danach erläutert Searle sein Gedankenexperiment vom Chinesischen Zimmer, und man darf vermuten, dass auch der Rest des Interviews sich um Fragen im Umkreis der Philosophie des Geistes dreht.

Auf derselben Seite findet man auch Interviews mit illustren Persönlichkeiten wie Putnam, Dennett, Scott Soames, Richard Swinburne, Timothy Williamson, David Dubrovskiy und David Rosenthal. Darüber hinaus Vorlesungs- und Diskussionsmitschnitte (u.a. auch von Searle), Buchvorstellungen usw.

Bücherregale von Searle und Derrida

Der Fotograf Andrew Bush hat eine Installation namens Speech Acts geschaffen, in der man die beiden Buchregale von Jaques Derrida und John Searle bewundern kann. Wohlgemerkt diejenigen Buchregale, in denen die jeweils eigenen Arbeiten stehen:

Derrida vs. Searle

Zum Hintergrund: In den 70ern gab es eine erhitzte Debatte zwischen Derrida und John Searle. Searle hatte Derridas Signature, Event, Context in seiner ziemlich kurzen Rezension Reiterating the Differences. A Reply to Derrida in Grund und Boden kritisiert, Derrida hat darauf – wie es seine Art ist – irgendwas Unverständliches vor sich hin gebrabbelt und in seinem Buch Limited Inc. veröffentlicht – für das Searle übrigens untersagte, dass seine Kritik darin wieder abgedruckt wird, weil er nicht wollte, dass Derridas Unsinn dadurch auch noch aufgewertet wird. Searle hielt Derrida für einen Scharlatan, einen unredlichen Denker, der hauptsächlich unverständlichen Unsinn produziere. Während Searle als Philosoph gilt, dem es um Klarheit und Transparenz von Thesen und Argumentation geht und der verhältnismäßig verständliche philosophische Prosa schreibt, ist Derrida das ganze Gegenteil davon. Searle hat den Stil Derridas (bzw. der Dekonstruktion im allgemeinen) 1984 so charakterisiert:

[A]nyone who reads deconstructive texts with an open mind is likely to be struck by the same phenomena that initially surprised me: the low level of philosophical argumentation, the deliberate obscurantism of the prose, the wildly exaggerated claims, and the constant striving to give the appearance of profundity by making claims that seem paradoxical, but under analysis often turn out to be silly or trivial.

Zumindest tendentiell schlägt sich das vielleicht auch in den Bücherregalen nieder. Searles bis heute wohl bekanntestes Buch heißt übrigens Speech Acts (dt. Sprechakte). Insofern bezieht Andrew Bush mit dem Titel seiner Installation vielleicht bereits Stellung für Searle.

John Searle macht einen Witz über Behaviorismus

… und er lacht auch gleich selber darüber:

The best comment about behaviorism is the old joke about the two behaviorists after they just had sex. He says to her, “It was great for you, how was it for me?” (Laughter)

(Quelle: http://reason.com/archives/2000/02/01/reality-principles-an-intervie)

Nettes Interview, schon etwas älter, über Searles Denkweg, inklusive Derrida-bashing mit Hilfe von Foucault (!). Und am Ende eine interessante Bemerkung, bei der ich nicht weiß, ob man sie ernstnehmen kann. Searle berichtet vom Bildungshintergrund seiner Studenten und meint:

But I don’t teach many large freshman courses. When I did a few years ago I found I couldn’t teach at the level that I could when I started teaching here in 1959. And the reason was that I could not take for granted the cultural references. I couldn’t assume that everybody knew who Plato was. In 1959 the freshmen hadn’t read Plato, but they had heard of him. But by, say, 1975, you couldn’t assume that.

Ich kann kaum glauben, dass ein Studienanfänger in der Philosophie nicht mal den Namen Platon gehört hat.

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