Slavoj Žižek antwortet John Gray

Vor kurzem hat der emeritierte Professor für Philosophie John Gray (London School of Economics) im New York Review of Books einen Artikel über die jüngsten Veröffentlichungen von Slavoj Slavoj Žižek publiziert (hier), in dem er Žižek in Grund und Boden kritisiert. Hauptpunkt der Kritik sind Žižeks Forderung nach “revolutionärer Gewalt”, die z.B. darin mündet, dass Žižek die Rote Khmer für “nicht radikal genug” [!] hält und über Hitler Folgendes zu sagen weiß:

The problem with Hitler was that he was “not violent enough,” his violence was not “essential” enough. Hitler did not really act, all his actions were fundamentally reactions, for he acted so that nothing would really change, staging a gigantic spectacle of pseudo-Revolution so that the capitalist order would survive…. The true problem of Nazism is not that it “went too far” in its subjectivist-nihilist hubris of exercising total power, but that it did not go far enough, that its violence was an impotent acting-out which, ultimately, remained in the service of the very order it despised.

[zitiert nach Gray]

Selbst bei Abzug aller polemischen Absicht kann man das aus meiner Sicht nur noch unter Totalverblödung verbuchen. Eine kleine Debatte über Grays Artikel hat sich im Leiter-Blog enstponnen (hier), weitere links findet man im Philoblog (hier) und eine weitere Rezension zum Zwecke der Multiperspektivität beim Guardian (hier). – Nun hat Žižek ziemlich wütend geantwortet:

Žižek fühlt sich darin von Gray grundlegend missverstanden, geht aber nur auf zwei Kritikpunkte ein: (1) auf Grays Suggestion, Žižek würde in der Existenz der Juden eine Mit-Ursache für Antisemitismus lokalisieren (Gray schreibt Žižek die These zu, “that the identities of anti-Semites and Jewish people are in some way mutually reinforcing—which is repeated, word for word, in Less Than Nothing—except as suggesting that the only world in which anti-Semitism can cease to exist is one in which there are no longer any Jews.”); (2) auf Grays vermeintliches Missverstehen dessen, welche Form der Gewalt Žižek für geboten hält.

Peter Strasser beleidigt Sloterdijk, Žižek, Precht, die verblödete Intelligenz, das verkommene Herrenreiterfeuilleton und die Studenten (also fast alle)

Uiuiui, selten eine so ungebremste Philippika eines Fachphilosophen gelesen. Peter Strasser, Professor für Philosophie an der Universität Graz, schreibt u.a. über Sloterdijk, Žižek und Precht:

Hier mein Best-of. Sloterdijk, den er auf den Namen “Mister Bombastik” tauft, charakterisiert er wie folgt:

… ein übergewichtiger Mensch mit einem pompösen Kopf, aus dem zwei listige Äuglein kynisch hervorlugen, während ihm die Haare strähnig herunterhängen: ein cool verschmuddeltes Restzitat der Neunzehnachtundsechziger.

Zu Žižek fällt ihm Folgendes ein:

Wer, bitte schön, kauft den zum Himmel stinkenden Gedankenmist dieses Begriffsdeliranden des postmodernen Radical Chic? Wer?!

Ach ja, es gibt diese ganze Mischpoche einer beim langen Marsch durch die dekonstruktivistischen Seminare unserer sinnlos gewordenen Geistes- und Kulturwissenschaften total verblödeten Intelligenz, die sich gern selbst Sachen sagen hört, die ihr krass subversiv vorkommen – zum Beispiel, dass Stalin (nach Lacan, Deleuze, Irigaray etc. pp.) ein multischizoider Teddybär war –, während das total verkommene Herrenreiterfeuilleton dem Edelschmierantentum applaudierend die Steigbügel hält.

Abschließend brät Strasser noch dem “Geistesschönling Precht” eins über, …

“…der es einer weiblichen Inkarnation der höheren TV-Dummheit, nämlich Elke Heidenreich, verdankt, als Smartschwätzer die deutsche Nation aus ihrer platonischen Höhle fader Alltäglichkeit heraus und hinauf ans hell strahlende Licht des existenziellen Banalitätenhimmels zu führen.”

(via philolink)

“Examined Life” – Dokumentarfilm über Philosophen und so ein paar andere

Der Dokumentarfilm “Examined Life” (2008) über eine Hand voll zeitgenössischer Philosophen und Pseudophilosophen ist bei youtube vollständig zu sehen:

Interviewt werden Cornel West, Avital Ronell, Peter Singer, Kwame Anthony Appiah, Martha Nussbaum, Michael Hardt, Slavoj Žižek und Judith Butler. Die Regisseurin Astra Taylor hatte im Jahr 2005 bereits den Film “Žižek!” gemacht (ebenfalls bei youtube zu sehen), und der hektische Žižek taucht ja auch in “Examined Life” auf (und erzählt auf, zugegeben, unterhaltsame Weise unglaublichen Blödsinn).  Mehr Infos zum Film bei Wikipedia. Dort wird auch eine Kritik des Films von der selbst portraitierten Martha Nussbaum verlinkt, die den Film eher für einen Verrat an der Philosophie hält als für eine gute Darstellung dessen, was Philosophie ausmacht:

Sie kritisiert – m.E. völlig zurecht – die Auswahl der vermeintlichen Philosophen, von denen sie einigen Folgendes attestiert:

They aren’t—even in their books—all that concerned with rigorous argument, or with the respectful treatment of opposing positions.

Quizfrage: Wer mag da wohl gemeint sein?

Und wenn ich das mal so zusammenhangslos bemerken darf, Judith Butler sieht aus wie der (großartige) Schauspieler Sven Lehmann vom Deutschen Theater Berlin.

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