Gumbrecht über Singer

Hans Ulrich Gumbrecht gilt ja als Star-Germanist, vermutlich weil er es wie kein zweiter schafft, immer dann unglaublichen Blödsinn zu produzieren, wenn’s theoretisch oder gar philosophisch wird. Wer sich davon überzeugen will, kann in die argumentfreien Bücher Diesseits der Hermeneutik oder Präsenz schauen – oder gar in sein FAZ-Blog. Dort hat sich HUG nun gedacht, dass er doch mal was zu Tieren und Tierfreunden sagen könnte. Denn mit beiden kann er sich nicht so richtig anfreunden. Sinn und Zweck des Artikels verstehe ich nicht, aber wurscht, erfahrungsgemäß bringt da auch Nachbohren nichts. Merkwürdig daneben fand ich nur, was HUG über Peter Singer zu sagen hat, der laut HUG…

… “animal rights” nicht einfordert, weil er unterstellt, dass Tiere den Menschen so ähnlich sind, sondern gerade weil wir eine unüberbrückbare Verschiedenheit zwischen ihnen nicht ausschließen können. Ob und wie ein Tier beim Schlachten “leidet,” werden wir nie wissen, und gerade deshalb, meint Singer, brauchen wir “animal rights.” (http://blogs.faz.net/digital/2013/04/26/adolf-hitler-und-andere-tierfreunde-240/)

Natürlich hätte man auch direkt mal bei Singer nachlesen können. Und wer hätt’s gedacht, in der Praktischen Ethik gibt es einen Abschnitt, der ausgerechnet mit “Woher wissen wir, daß Tiere Schmerzen fühlen können?” übertitelt ist. Also nicht übermäßig schwer zu finden, selbst wenn man nicht das ganze Buch lesen will. Dort steht nun:

Tiere, die Schmerzen haben, benehmen sich so wie Menschen in dieser Lage, und ihr Benehmen rechtfertigt in hinreichendem Maße die Überzeugung, daß sie Schmerzen empfinden.

(Singer, P. 1994: Praktische Ethik, 2.Aufl., Stuttgart: Reclam, S.99)

Man muss mit diesem Argument nicht einverstanden sein (klingt nämlich ziemlich zirkulär), aber man sollte doch auch als Star-Germanist zur Kenntnis nehmen, dass hier das genaue Gegenteil von dem gesagt wird, was man selbst über Singer behauptet: Wir wissen ziemlich gut, wie ein Tier beim Schlachten leiden kann! Genauso wie wir ziemlich gut wissen, wann andere Menschen leiden. – Auch ist das natürlich nicht Singers einziges Argument, denn er schreibt Tieren nicht nur die Fähigkeit zu, Schmerzen zu empfinden, sondern z.T. auch begriffliche Fähigkeiten, die Möglichkeit, Zukunftserwartungen auszubilden, usw. All diese Faktoren sind für Singers Tierethik relevant.

Vielleicht ist das ein bisschen pingelig und meiner Abneigung gegenüber den Schwafel-Texten von Gumbrecht geschuldet. Aber erstens macht das nix, und zweitens erreiche ich mit dieser Nadelstichtaktik vielleicht, dass der geschätzte Kollege Schneidegger vom Lichtwolf zur Besinnung kommt und in der wöchentlichen Linkliste nicht so häufig auf den HUG-Blog verweist!

Diesseits der Tiere – Peter Singer über die Grenzen moralischer Rücksichtnahme

Der folgende Artikel erschien letztes Jahr in der 39. Ausgabe des Lichtwolfs, Heft 3/2012. Ich stell ihn hier in leicht veränderter Form ins Netz:

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Diesseits der Tiere

Peter Singer über die Grenzen moralischer Rücksichtnahme

Peter Singer ist unter den zeitgenössischen Philosophen wohl derjenige, der am häufigsten und auch in der groteskesten Weise missverstanden wurde. Bis heute sind Meinungen über Singer im Umlauf – etwa hinsichtlich so emotionalisierender Themen wie Schwangerschaftsabbruch, Sterbehilfe, Umgang mit Behinderten oder Tierrechte –, die mit seinen tatsächlichen Positionen kaum etwas gemein haben, ja diese mitunter ins völlige Gegenteil verkehren. Als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass dem gebürtigen Australier eine hohe Auszeichnung, die Berufung zum „Companion of the Order of Australia“, zuteil werden sollte, gab es laute Proteste von Seiten ranghoher australischer Politiker. Man behauptete, Singer hielte das Töten von Kindern für erlaubt, da ein Kind keinerlei Rechte besitze, bevor es kein Bewusstsein solcher Rechte hätte. Als Singer im vergangenen Jahr der Ethik-Preis der Giordano-Bruno-Stiftung verliehen wurde, hatte Peter Hüppe, Behindertenbeauftragter der Regierung, nur den Titel eines „Tötungsphilosophen“ für ihn übrig. Über die Vorwürfe, die Singer sich gerade in Deutschland nach der Veröffentlichung seines Buches „Praktische Ethik“ (1984 erstmals in Übersetzung erschienen) anhören musste, gibt ein Anhang in der zweiten Auflage Auskunft, der den Titel trägt Wie man in Deutschland mundtot gemacht wird.

Das Diskussionsklima ist seitdem deutlich milder geworden. Singer gilt heute als einer der populärsten und fachlich anerkanntesten Moralphilosophen weltweit. Seine Bücher erscheinen in zahlreichen Sprachen und werden auch von einer breiten außerakademischen Öffentlichkeit rezipiert, zumal Singers Philosophie stets auf unmittelbare praktische Konsequenzen aus ist und ihr philosophisches Elfenbeinturmdasein kaum angelastet werden kann. Die moralphilosophische Theorie des Utilitarismus, die Peter Singer in der spezifischen Variante des sogenannten „Präferenz-Utilitarismus“ vertritt, dürfte zumindest in englischsprachigen Ländern eine der verbreitetsten Auffassungen in der Ethik sein und findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger (Norbert Hoerster, Dieter Birnbacher, Bernward Gesang und andere), wo das philosophische Klima dem Utilitarismus lange Zeit nicht günstig war, da er angeblich genuin moralische Überlegungen durch reine Nützlichkeitserwägungen ersetze und letztlich auf bloße Nutzenmaximierung hinauslaufe.

Doch auch wenn Singers Thesen in den heutigen öffentlichen Debatten oftmals positiv aufgenommen werden, scheinen die philosophischen Fundamente, auf denen diese Thesen beruhen, nicht immer hinreichend klar zu sein. Bekannt ist etwa Singers Auffassung, dass Tieren bestimmte Rechte zukämen und dass wir uns vegetarisch ernähren sollten, solange wir nicht sicher ausschließen können, dass durch unseren Fleischkonsum keine Tiere unnötig leiden müssen. Der Widerstand gegen solche Thesen ist heutzutage glücklicherweise wesentlich geringer, als dies noch in den 70er Jahren der Fall war, als Singer mit seinem Buch Animal Liberation öffentlich Partei für Tiere und deren Rechte ergriff. Aber es ist nicht immer klar, warum genau Tiere eigentlich unsere moralische Rücksichtnahme verdienen und weshalb wir sie bei unseren moralischen Überlegungen berücksichtigen sollten. Denn zweifellos sind „nichtmenschliche Tiere“ vom Tier namens „Mensch“ in vielerlei Hinsichten sehr verschieden.[*] Tiere können keine weitreichenden Zukunftspläne entwerfen, keine Romane schreiben oder darüber nachdenken, ob es abstrakte Gegenstände gibt. Tiere würden in jedem IQ‑Test gnadenlos durchfallen und ob sie überhaupt über ein gewisses Maß an Rationalität verfügen, ist umstritten. Die Frage aber ist, ob solche Unterschiede in den Fähigkeiten auch rechtfertigen können, dass wir Tiere aus dem Bereich unserer moralischen Rücksichtnahme ausschließen dürfen. Stehen Tiere also moralisch jenseits des Menschen? Singers Antwort auf diese Frage ist bekannt: Obwohl Tiere eingestandenermaßen über gänzlich andere (und in vielen Fällen bedeutend geringere) Fähigkeiten als Menschen verfügen, kommt ihnen ein moralischer Status zu. Ihre Interessen sollten genauso berücksichtigt werden wie unsere menschlichen. Ich möchte im Folgenden versuchen, Singers Begründung für diese These zu erläutern.

Am Grund von Singers Präferenzutilitarismus liegt etwas, das in der Philosophie immer am Grund liegt, nämlich ein Prinzip. Singers Moralprinzip hört auf den schönen Namen „Prinzip der gleichen Interessenabwägung“ (im Folgenden PdgI) und besagt, dass wir in moralischen Entscheidungssituationen stets diejenige Handlung wählen sollten, die im Hinblick auf die Interessen aller Betroffenen die besten Konsequenzen hat. Durch die Orientierung an – sehr weit verstandenen – Interessen grenzt sich Singer von früheren Formen des Utilitarismus ab, die etwa Lustmaximierung ins Zentrum moralischer Erwägungen stellten. Fundamentale Interessen sind zum Beispiel diejenigen, keine Schmerzen zu erleiden, die eigenen Fähigkeiten zu entfalten, Grundbedürfnisse zu befriedigen oder zukünftig ein glückliches Leben zu führen.

Die Antwort darauf, warum das PdgI gelten soll, ist nicht leicht zu geben und Singers Argumente dafür sind möglicherweise nicht besonders klar und stark. Dennoch sei versucht, sie hier darzustellen. Singer stellt zunächst eine fundamentale Frage: Was heißt es überhaupt, einen moralischen Standpunkt einzunehmen? Eine Antwort darauf sollte zumindest minimale Bedingungen dafür angeben, was es heißt, sich moralisch zu verhalten. Singer meint nun, es gehöre notwendig zum Begriff der Moral bzw. Ethik (Singer benutzt beide Begriffe synonym), dass ich einen überindividuellen, überparteilichen Standpunkt einnehme. Ethik sei in diesem Sinne stets universal. Aus dieser Minimalbedingung für jede nur denkbare ethische Position folgt nun laut Singer unmittelbar das PdgI. Ein paar Zitate zur Illustration:

„[D]er Begriff der Ethik enthält die Vorstellung von etwas Größerem, als es das Individuum ist. Wenn ich mein Verhalten mit moralischen Gründen vertreten will, kann ich mich nicht nur auf die Vorteile beziehen, die es mir bringt. Ich muss mich an ein größeres Publikum wenden.“ (PE, 26[**])

„Wir haben [...] gesehen, daß ich, wenn ich ein moralisches Urteil fälle, über einen persönlichen oder partikularistischen Standpunkt hinausgehen und die Interessen aller Betroffenen berücksichtigen muß. Dies bedeutet, daß wir Interessen einfach als Interessen abwägen, nicht als meine Interessen oder die Interessen der Deutschen oder die Interessen der Weißen. Dies verschafft uns ein grundlegendes Prinzip der Gleichheit: Das Prinzip der gleichen Interessenabwägung.“ (PE, 39)

„Das Prinzip der gleichen Interessenabwägung funktioniert wie eine Waagschale: Interessen werden unparteiisch abgewogen. Echte Waagen begünstigen die Seite, auf der das Interesse stärker ist oder verschiedene Interessen sich zu einem Übergewicht über eine kleinere Anzahl ähnlicher Interessen verbinden; aber sie nehmen keine Rücksicht darauf, welche Interessen sie wägen.“ (PE, 40)

Wenn ich mich also überhaupt moralisch verhalten will, dann darf ich nicht nur die eigenen Interessen, sondern muss die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen, und zwar unabhängig von den Eigenschaften und Fähigkeiten der Träger dieser Interessen. Wenn man das PdgI in dieser Form akzeptiert, ist der Schritt zur Berücksichtigung der Interessen von Tieren nur sehr klein. Denn fraglos besitzen die allermeisten Tiere einen gewissen Grad an Bewusstsein, sind empfindungsfähig und bilden dementsprechend Interessen aus – etwa das Interesse, Schmerz zu vermeiden. Es wäre nun laut Singer schlicht Willkür bzw. „Speziezismus“, d.h. willkürliche Bevorzugung der Interessen nur der jeweils eigenen Spezies, solche Tierinteressen nicht gleichermaßen zu beachten wie unsere menschlichen Interessen:

„Die Grenze [der moralischen Rücksichtnahme auf die Interessen anderer] durch irgendwelche anderen Merkmale wie Intelligenz oder Rationalität festsetzen hieße sie willkürlich festsetzen.“ (PE, 85)

Das PdgI impliziere also bereits, dass es sich als Gleichheitsprinzip auf alle interessenausbildenden Wesen bezieht, d.h. auch auf Tiere.

Natürlich sind damit nicht alle Probleme gelöst. Singers Utilitarismus sieht sich gewichtigen Fragen gegenüber. Kann das PdgI wirklich aus dem Begriff der Ethik abgeleitet werden, wie Singer zuweilen andeutet (vgl. PE, 29, 39)? Was sind die „echten Waagen“ (PE, 40 – siehe obige Zitate), mit denen wir Interessen abwägen sollen? Wie wird entschieden, welche Interessen in welchem Maße berücksichtigt werden sollen? Und warum sollte ich mich überhaupt moralisch verhalten? Singers Antworten auf solche Fragen konnten hier nicht diskutiert werden. Hier kam es mir nur darauf an, auf das Moralprinzip des Präferenzutilitarismus und dessen Konsequenzen für die Tierethik hinzuweisen. Und die sind gewichtig. George W. Bush junior hat einmal in einem seiner helleren Momente gesagt „I know that human being and fish can coexist peacefully!“ Wenn Fische auch nur ein minimales Interesse daran haben sollten zu leben, und wenn Singer mit seinem „Prinzip der gleichen Interessenabwägung“ Recht hat, dann kann die Menschheit nicht nur friedlich mit den Fischen leben, ohne diese für eigene Zwecke zu töten – sie sollte es auch.


Fußnoten

[*] Ich werde hier der Einfachheit halber an der alltagssprachlichen Bezeichnung „Tier“ und „Mensch“ festhalten, ohne dadurch nahezulegen, der Mensch sei kein Tier. In der englischsprachigen Philosophie hat sich die Unterscheidung zwischen „non-human animals“ und „human animals“ eingebürgert, die solche Missverständnisse ausschließt.

[**] Alle Zitate aus: Peter Singer: Praktische Ethik, 2. revidierte und erweiterte Auflage, Stuttgart (Reclam) 1994. (Im Folgenden PE)

© dbH http://derblindehund.wordpress.com

Spaemann isst gern Tiere (nur Gänseleberpastete will er verbieten)

Die letzten zwei Sendungen von Precht fand ich gar nicht übel. Das lag jeweils an den Gästen. Die Sendung mit Christian Lindner (FDP) zum Thema “Gerechtigkeit” war erstaunlich gut, weil Lindner trotz seiner Parteizugehörigkeit ein schlauer Kopf ist und seine Position klar und souverän verteidigte. Als studierter Philosoph kannte er sich mit Rawls und Co. auch ziemlich gut aus.

Die letzte Sendung “Dürfen wir Tiere essen?” mit Robert Spaemann, den Precht als “einen der bedeutendsten deutschen Philosophen” einführte (schon an sich ein bizarres Urteil…), war auf ihre Weise auch unterhaltsam. Es war nämlich kaum zu fassen, wie unglaublich schlecht Spaemann argumentierte – obwohl das spätestens seit seinem grusligen Gottesbeweis aus dem Futur II (das ist leider kein Scherz!) nicht wirklich überraschen kann. Das war peinlich anzuschauen, und man kann Spaemanns Position wie folgt zusammenfassen: Ein gutes Stück Fleisch zu Weihnachten ist ok, aber Gänseleberpastete sollte verboten werden. Tiere töten ist ok, aber es sollte dabei möglichst schnell zugehen.

Dieses unterirdische Niveau ließ Precht dagegen umso heller strahlen. Quasi jede Frage von Precht sollte Spaemann eigentlich die Inkonsistenz der eigenen (durch und durch speziezistischen) Thesen vor Augen führen. Um nur ein Beispiel zu geben: Spaemann sagt, dass das Töten von Tieren ok ist, weil Tiere keine Biographie hätten, d.h. keine Zukunftserwartungen, kein Bewusstsein der eigenen Geschichte etc. Prechts Einwand: Das haben neugeborene Säuglinge auch nicht, und trotzdem scheint klar zu sein, dass neugeborene Säuglinge nicht ebenfalls getötet werden dürfen. Alles, was Spaemann darauf antworten kann, ist ein Potentialitätsargument, das ja bekanntermaßen hochproblematisch ist (vgl. hier). Aber anders als bei diesem Beispiel war Spaemann z.T. nicht mal mehr in der Lage, überhaupt noch die Pointen von Prechts Einwänden und Gedankenexperimenten zu verstehen, geschweige denn darauf zu reagieren. Und man fragt sich, wie Spaemann eigentlich auf die Idee kommt, etwas zur Tierethik zu sagen, wenn er nicht einmal die Standardargumente und Positionen in den Tierethikdebatte kennt (z.B. die gegen Speziezismus, gegen das Potentialitätsargument etc.) – genau die brachte Precht nämlich in sehr klarer Weise vor.

Wild für Fisch

In der NZZ plädiert Markus Wild, sogenannter “Förderprofessor” an der Universität Fribourg (Schweiz), für einen anderen Umgang mit Fischen. Fische seien keine bloßen Automaten, sondern würden über Intelligenz, Gedächtnis, sehr wahrscheinlich auch Schmerzempfinden, “phänomenales Bewusstsein” und andere Eigenschaften verfügen, die von uns verlangen, sie aus ethischer Perspektive mehr als bisher zu berücksichtigen. Und gängige Einwände dagegen – z.B. das “n0 brain, no pain”-Argument – versucht Wild zu entkräften:

Hund unter Wölfen

Ein Hinweis in eigener Sache: Der blinde Hund goes Print. In der neuen Ausgabe des Lichtwolfs ist ein kleiner Artikel von mir erschienen. Thema sind Peter Singers Argumente dafür, dass Tieren ein moralischer Status zukommt. Wie man den neuen Lichtwolf bekommt (digital oder gedruckt), steht hier:

 

Dürfen wir Tiere essen? GAP lobt Essaypreis aus

Die Gesellschaft für Analytische Philosophie (GAP) vergibt an Studierende einen Preis für den besten Essay, der sich mit der Frage “Dürfen wir Tiere essen?” beschäftigt. Einsendeschluss ist der 15. Oktober 2012, teilnahmeberechtigt sind alle aktuellen (und ein paar nicht mehr ganz aktuelle) Studenten der Philosophie mit mindestens fünf Fachsemestern auf dem Buckel. Weitere Infos hier:

Interview mit Peter Singer

Ein Interview mit Peter Singer, in dem er seine Haltung zu verschiedensten Fragen (die richtige Form der Ethik, Tierrechte, Schwangerschaftsabbruch, religiöser Glaube, usw.) sehr kurz und präzise darlegt:

 

Eine Frage an Tierethiker

Ist das hier moralisch legitim?

Das Töten von Hundewelpen und die Moral in der Geschichte

Das Gerichtsurteil, das nun einer Künstlerin verboten hat, im Rahmen einer Performance zwei Hundewelpen zu erdrosseln, und damit der Kunstfreiheit gewisse Grenzen gesetzt hat, halte ich für vollkommen richtig. Ich halte das auch nicht für besonders diskussionswürdig, sondern für sonnenklar. Was der ganze Wirbel um diese Performance aber zeigt, ist m.E., wie primitiv und provinziell die moralischen Vorstellungen vieler tatsächlich sind. Wenn in Spandau jemand zwei Hundewelpen erdrosseln will, dann geht ein ungeheurer Aufschrei durch die Öffentlichkeit, man findet das (zurecht) moralisch falsch, die Reaktionen im Internet sind heftig und reichen bis zu Aufrufen zum Mord an der Künstlerin. Wenn aber täglich und vermutlich stündlich oder minütlich weltweit Tiere ermordet werden, verhält man sich für gewöhnlich mehr oder weniger ignorant.

Das erinnert sehr an Peter Singers Gedankenexperiment vom ertrinkenden Kind: Wenn wir an einem Teich vorbeigehen, in dem gerade ein Kind zu ertrinken droht, dann würde jeder normale Mensch ohne Rücksicht darauf, sich die feinen Kleider zu ruinieren, das Kind retten. Man scheint hier einfach verpflichtet zu sein, das Kind zu retten, zumal der Aufwand und die Kosten nicht der Rede wert sind: ruinierte Kleider. Wenn aber irgendwo in der Welt Kinder sterben, die wir mit viel minimalerem Aufwand und minimaleren Kosten retten könnten, etwa indem wir ein paar Euro spenden, dann scheint die Bereitschaft, diese Leben zu retten, wesentlich geringer zu sein. Was beim Kind in unserer unmittelbaren Nähe wie eine moralische Pflicht aussieht, sieht bei Menschen außerhalb unseres Nahkreises wie eine bloße good-will-Aktion aus.

Es gibt aber aus moralischer Perspektive keinen Unterschied: In beiden Fällen sterben andere Menschen, obwohl wir dies verhindern könnten. Der einzige Unterschied besteht in der Kilometerzahl zwischen uns und den betroffenen Menschen bzw. (wie im Performance-Fall) den Tieren. Die Kilometerzahl bestimmt, wozu man sich moralisch verpflichtet fühlt. Absurd.

Das, was Singer mit seinem Gedankenexperiment zeigen wollte, will m.E. unter vielem anderen auch diese Performance zeigen: Dass die moralischen Gefühle vieler sich irrationalerweise auf Berlin-Spandau, aber nicht auf jedes leidensfähige Lebewesen erstrecken. Natürlich will sie das mit drastischen Mitteln zeigen, die nicht zu rechtfertigen sind. Aber dass die Performance auf diese Irrationalität hinweist, halte ich für einen sozusagen künstlerisch gelungenen Aspekt an dieser ganzen Geschichte.

Interview mit Peter Singer

Ein spaßiges Interview mit Peter Singer, in dem es u.a. um seine Ansichten zu Abtreibung, Euthanasie, Tierrechten, dem Verhältnis von Religion und Moral und die Frage nach universalen ethischen Prinzipien geht:

Der offensichtlich gläubige Interviewer scheint ziemlich empört zu sein, dass Singer weder an Gott glaubt noch akzeptiert, dass es, selbst wenn es einen Gott gäbe, irgendwelche Konsequenzen für die Moral hätte.

Die NY Times sucht Argumente für Fleischkonsum

Die New York Times hat einen Wettbewerb ausgerufen, der nach guten Argumenten dafür sucht, dass Fleischessen moralisch legitim ist:

Zu der hochrangigen Jury zählen u.a. Peter Singer und Jonathan Safran Foer (!). Essays von bis zu 600 Worten sind erbeten, der oder die Gewinner-Essays werden in der NYT veröffentlicht. Einsendungen sind bis zum 8. April möglich. (Da steht zwar nur “nationwide”, aber man kann’s ja sicher auch als Nicht-US-Bürger versuchen, falls man Fleischessen tatsächlich für moralisch legitim hält.)

Peter Singer über Armut

Peter Singer sitzt mit blauem Shirt auf grüner Wiese (vermutlich in Princeton) und wird interviewt:

Auch wenn ich Vorbehalte gegenüber Singers Utilitarismus habe, vieles von dem, was er sagt, ist nicht nur wahr, sondern verändert vermutlich mehr in der Welt als der Rest aller zeitgenössischen Moralphilosophen zusammen. Alles geht bei ihm direkt auf die Praxis, und auch wenn ich noch nicht (wie er vorschlägt) 5% meines Einkommens für die 3. Welt spende, hier und da haben sich einige meiner Überzeugungen und Verhaltensweisen schon durch Singers Einfluss geändert (z.B. meine Überzeugungen bezüglich der Tierethik oder im Bezug auf Vegetarismus). Irgendwie sympathischer Mann.

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