Wie, was und warum eigentlich?

Die Universität Aberdeen hat ein paar kurze Videointerviews mit bekannten Philosophen ins Netz gestellt:

Die Fragen sind immer die gleichen:

  •     How did you start studying philosophy? What drew you to philosophy?
  •     What is the most satisfying aspect of your job?
  •     What is the least satisfying aspect of your job?
  •     What are you currently working on?
  •     Funding bodies and the UK government are currently encouraging disciplines in the humanities to explain how they can have a beneficial impact on society outside of academic circles. Do you agree with this approach? How can philosophy have a beneficial impact outside of academia?

Befragt werden Paul Boghossian (New York University), Ian Rumfitt (Birkbeck College), Al Casullo (University of Nebraska), Emma Borg (University of Reading),  Timothy Williamson (University of Oxford) und Carrie Ichikawa Jenkins (University of British Columbia/University of Aberdeen). Letztere ist manchem möglicherweise als Mitglied der Philosophieband The 21st Century Monads bekannt, siehe hier z.B. mit dem Megahit “We Can’t Stop Doing Metaphysics“.

Wäre auch interessant, deutschen Philosophieprofessoren mal diese Fragen vorzulegen. Ich vermute, dass die Klagen über Verwaltungstätigkeiten signifikant höher wären, und möglicherweise auch, dass die letzte Frage wesentlich zurückhaltender beantwortet wird als bei den hier interviewten Philosophen. Aber aus irgendeinem Grund – man korrigiere mich, wenn ich falsch liege – werden solche Interviews in Deutschland ja nie gemacht.

Timothy Williamson in Hamburg

Die PhloxGroup lädt für den September zu einer Summer School mit Timothy Williamson ein:

Thema wird sein “Quantification and Modality”, eine begrenzte Zahl von externen Teilnehmern ist zugelassen, für ein bisschen Knete für Kaffee und Kuchen. Diskutiert werden die ersten drei Kapitel aus Williamsons demnächst erscheinenden neuen Buch.

Erinnerungen an Michael Dummett

Wie das Philoblog vor kurzem berichtete, ist am 27. Dezember 2011 der englische Philosoph Michael Dummett gestorben, einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. In der New York Times haben sich viele namhafte Philosophen wie Hilary Putnam, Timothy Williamson, Ernie Lepore, Crispin Wright, Graham Priest und Christopher Peacocke versammelt und Nachrufe bzw. Erinnerungen an Dummett verfasst:

Interview mit John Searle

Im Juni diesen Jahres hat John Searle am Moskauer Center for Consciousness Studies ein Interview gegeben. Die (manchmal etwas verwirrt wirkenden) Interviewer sind Vadim Vasilyev und Dmitry Volkov:

Ich hab nur in den Anfang reingehört, zu Beginn geht es vor allem um Searles intellektuelle Biographie, und insbesondere um die Frage, wieso sich Searle, der ja mit Sprachphilosophie begann, im Laufe der Jahre Themen aus der Philosophie des Geistes, insbesondere dem Thema der “Intentionalität” zugewandt hat. Danach erläutert Searle sein Gedankenexperiment vom Chinesischen Zimmer, und man darf vermuten, dass auch der Rest des Interviews sich um Fragen im Umkreis der Philosophie des Geistes dreht.

Auf derselben Seite findet man auch Interviews mit illustren Persönlichkeiten wie Putnam, Dennett, Scott Soames, Richard Swinburne, Timothy Williamson, David Dubrovskiy und David Rosenthal. Darüber hinaus Vorlesungs- und Diskussionsmitschnitte (u.a. auch von Searle), Buchvorstellungen usw.

Timothy Williamson über Naturalismus, “scientific spirit” und Religion

Im blog der New York Times hat der Oxforder Philosoph Timothy Williamson einen lesenswerten Artikel über den Begriff des “Naturalismus” geschrieben. Unter “Naturalismus” versteht er die These, dass alle Vorgänge der Welt durch die “hypothetisch-deduktive Methode” erklärt werden können:

Thus naturalism becomes the belief that there is only whatever the scientific method eventually discovers, and (not surprisingly) the best way to find out about it is by the scientific method.

[...]

What is meant by “the scientific method”? [...] For naturalists, although natural sciences like physics and biology differ from each other in specific ways, at a sufficiently abstract level they all count as using a single general method. It involves formulating theoretical hypotheses and testing their predictions against systematic observation and controlled experiment. This is called the hypothetico-deductive method.

Diesen Begriff des Naturalismus kritisiert er, weil er entweder zu restriktiv ist und Wissenschaften wie die Mathematik nicht umfasst, oder so weit verstanden wird, dass er leer wird. Williamson setzt ihm den Begriff des “scientific spirit” entgegen, welcher sich durch Werte wie Neugier, Ehrlichkeit, Genauigkeit, Strenge usw. auszeichne.

Eine Passage aus dem Artikel fand ich allerdings sehr merkwürdig:

Still, naturalism is not as restrictive as it sounds. For example, some of its hard-nosed advocates undertake to postulate a soul or a god, if doing so turns out to be part of the best explanation of our experience, for that would be an application of scientific method. Naturalism is not incompatible in principle with all forms of religion.

Beides halte ich für falsch: (1) Die Annahme eines Gottes kann nicht durch einen Schluss auf die beste Erklärung gerechtfertigt werden. Wie man weiß, hat eine Berufung auf Gott überhaupt keine erklärende Kraft, genausowenig wie die Berufung auf eine kleine allmächtige Waldfee. Minimalbedingung für eine gute wissenschaftliche Erklärung ist, dass sie Prognosen ermöglicht, und das ist mit Gott nicht zu machen. (2) Zweitens ist falsch, dass Naturalismus mit allen Formen von Religion kompatibel sei. Bei Religionen, die ein Eingreifen des Göttlichen in den natürlichen Weltlauf kennen (wie alle großen Monotheismen), ist das m.E. nicht der Fall.

 

 

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